Mit Karl Geiger und Andreas Wellinger rangieren zur Halbzeit der Vierschanzentournee immerhin zwei deutsche Skispringer in den Top 10. Durch Geigers Aus in der Qualifikation wird sich dieser Umstand aber nach dem Wettkampf in Innsbruck ändern. Der Gesamtsieg ist derweil schon jetzt außer Reichweite. Warum ist seit Sven Hannawald 2001/02 keinem Deutschen mehr der Tournee-Triumph gelungen?
Zumindest eine Erklärung, warum es bei der Vierschanzentournee nicht für Platz eins reicht, hatte Karl Geiger sofort parat. "Granerud springt in einer anderen Liga", sagte der Oberstdorfer, der bei der Qualifikation in Innsbruck überraschend gescheitert ist und somit in der Gesamtwertung nach unten gereicht werden wird.
Mit 616 Punkten ist Halvor Egner Granerud aktuell tatsächlich das Maß der Dinge. Satte 27 Punkte liegt der Norweger im Klassement vor Dawid Kubacki. Auch Piotr Zyla (576 Punkte), Anze Lanisek (565), Geiger (559) und Wellinger (558) konnten bislang nicht mithalten.
Geht es nach Ex-Skispringer Martin Schmitt, liegt es vor allem an technischen Fragen, dass die DSV-Adler auch in diesem Jahr nur hinterherspringen. "Der deutsche Sprung ist sehr absprungorientiert und basiert auf einem hohen Vertikaldruck am Schanzentisch. Was fehlt, sind Geschwindigkeit und Flugqualität", sagte Schmitt in der "Sport Bild".
Martin Schmitt: Der Fehler ist "erkannt und behoben"
Die Norweger hätten das, meinte Schmitt weiter: "Auch Dawid Kubacki hat zusätzlich zu seiner Absprungstärke das Fliegen gelernt. Man muss das Flugbild korrigieren."
Immerhin: Der Fehler sei "erkannt und behoben", erklärte Schmitt, der als Talentscout beim Deutschen Ski-Verband arbeitet: "Allerdings braucht das Zeit, bis sich die Ergebnisse zeigen."
Erschwerend hinzu kommt für Schmitt dabei: "Die Quantität ist nicht das Problem, eher die Qualität. Da sind die Österreicher besser aufgestellt."
Der frühere Tournee-Sieger Hannawald machte das deutsche Abschneiden auch als "Kopfsache" aus: "Nirgendwo sonst stehst du als deutscher Springer so sehr im Fokus. Das hinterlässt Spuren. Es fällt dir schwer, locker zu bleiben."
Das räumte auch Geiger ein: "Zu Hause zu springen ist Fluch und Segen zugleich. In Oberstdorf ist die Nervosität immer höher."


