Der Schweizer Marco Odermatt fährt beim Super-G in Bormio in einer eigenen Liga, die lädierten Deutschen hinterher. Für einen Paukenschlag sorgt ein dreimaliger Olympiasieger.
Der Mann des Tages fuhr gar nicht mehr mit. Matthias Mayer, dreimal mit olympischem Gold dekoriert, schaute sich die Piste Stelvio im italienischen Bormio noch einmal von oben bis unten an - und verkündete dann noch vor dem Start des Super-G spontan seinen sofortigen Rücktritt. "Es reicht mir. Ich habe nicht mehr den Biss", sagte er mit feuchten Augen. Dann packte der stille Star aus Österreich seine Siebensachen und fuhr heim nach Kärnten.
Auf einen letzten Start verzichtete Mayer (32), er hätte aber wohl auch im Schatten von Marco Odermatt gestanden. Der 25 Jahre alte Überflieger aus der Schweiz deklassierte seine Konkurrenten auf der gnadenlosen Eispiste mit einem wahren Traumlauf: 0,64 Sekunden lag der Riesenslalom-Olympiasieger vor Weltmeister Vincent Kriechmayr, am Vortag Sieger in der Abfahrt. Der Überraschungsdritte Loic Meillard (Schweiz) lag schon 1,22 Sekunden hinter dem Gesamtweltcup-Champion.
"Der Marco hat einen rausgehauen, unglaublich. Da bleibt viel zu tun", sagte Josef Ferstl, auf Rang 16 der Beste der erneut abgeschlagenen Deutschen, nachdem er Odermatt im Ziel in ein Fachgespräch verwickelt hatte. Der 33-Jährige selbst biss nach einem Sturz in der Abfahrt trotz seiner Schmerzen "am ganzen Körper" immerhin tapfer "auf die Zähne", wie er im ZDF berichtete. Angesichts der Vorgeschichte war sein Resultat auch durchaus respektabel.
Gleiches galt für Andreas Sander. Der Vizeweltmeister in der Abfahrt hatte die Trainingsläufe für die Abfahrt und das Rennen wegen einer Erkrankung ausgelassen, den Super-G aber stand er durch. "Ich habe mich echt gut gefühlt", sagte er nach seiner Fahrt auf Rang 20, bekannte aber auch: "Das war natürlich keine Topleistung von mir, die körperliche Frische hat gefehlt." Vizeweltmeister Romed Baumann verfehlte als 31. die Punkteränge: "Das war nix", schimpfte er.
Gesprächsthema Nummer eins aber war ohnehin Mayer, immerhin der erfolgreichste österreichische Alpine bei Olympia. Bei den Spielen 2014 in Sotschi war er überraschend zu Gold in der Abfahrt gefahren, es folgten jeweils im Super-G Siege 2018 in Pyeongchang sowie 2022 in Peking, wo er zudem Bronze in der Abfahrt gewann. Noch vor wenigen Wochen hatte der 32-Jährige erklärt, er habe erste Rücktrittsgedanken nach Peking verworfen: "Das Feuer brennt nach wie vor sehr."
Nun aber ist es plötzlich erloschen. "Ich habe die letzten Tage nachgedacht", berichtete Mayer am Donnerstagmorgen nach der Besichtigung im ORF, "und ich muss sagen, für mich ist es Zeit, dass ich aus dem alpinen Weltcup zurücktrete." Der vergangene Winter sei mit dem dritten olympischen Gold eine "gewaltige Saison" für ihn gewesen, auch in die laufende sei er "gut reingestartet" und zufrieden damit: "Aber es reicht einfach."
Gewonnen hat Mayer ohnehin genug. Mit drei Olympiasiegen befindet er sich in exklusiver Gesellschaft, außer ihm haben nur sieben weitere Alpine mindestens dreimal Gold gewonnen, darunter die deutschen Läuferinnen Katja Seizinger und Maria Höfl-Riesch. Rekordhalter sind Janica Kostelic (Kroatien) und Kjetil-Andre Aamodt (Norwegen) mit je vier Siegen.