Bis zum letzten Sprung kämpften die Skispringer am Sonntag in Planica um die Plätze im Gesamtweltcup. Im norwegischen Team sorgten die Last-Minute-Verschiebungen im Klassement allerdings für teaminternes Drama.
Karl Geiger, der seine Mini-Chance auf die große Kristallkugel nicht wahrnehmen konnte, war am Sonntag im slowenischen Planica nicht der einzige Enttäuschte. Neben dem Oberstdorfer zählte auch der Norweger Halvor Egner Granerud zu den großen Verlierern des letzten Weltcups in dieser Saison.
Der 25-Jährige war als Gesamtdritter zum Fliegen auf der imposanten Letalnica-Schanze angereist. Da sein Teamkollege Marius Lindvik die slowenischen Gastgeber mit seinem Sieg am Sonntag düpiert und er selbst nicht über den 12. Platz hinauskam, verlor Granerud aber den Platz auf dem Podium in letzter Minute.
Deutlich angefressen von der persönlichen Niederlage schwänzte er in der Folge die Siegerehrung und ging selbst zum Teamkollegen auf Distanz.
"Ich war sehr enttäuscht und musste ein bisschen weggehen. Ich kenne mich so gut, dass ich weiß, dass ich, wenn ich nicht weggelaufen wäre, ein Dämpfer gewesen wäre", sagte er dem norwegischen Sender "NRK". Seine Entscheidung, der Zeremonie nicht beizuwohnen, beschrieb er deshalb selbst als "weise".
Kobayashi krönt seine sagenhafte Saison
Auch von seinem Trainer Alexander Stöckl gab es Rückendeckung: "Ich glaube, er ging direkt in die Umkleidekabine. Es ist nicht ganz optimal, aber ich verstehe, dass es ziemlich schwer ist", gab sich der Österreicher verständnisvoll.
Trotzdem hätte sich der Coach mehr Teamgeist von seinem Athleten gewünscht: "Es wäre für alle besser gewesen, wenn er dabei gewesen wäre, aber das ist nicht so einfach", monierte er und kündigte an, die Sache im Einzelgespräch noch einmal anzusprechen: "Ich werde mir vor allem anhören, wie es ihm geht, und mich mit ihm gut unterhalten."
Im letzten Springen der Saison hatte dem Japaner Ryoyu Kobayashi ein achter Platz zum Gewinn des Gesamtweltcups gereicht. Karl Geiger wurde sogar noch hinter Granerud nur 16, verteidigte in der Gesamtwertung aber trotzdem den zweiten Platz. Kobayashi hatte in diesem Winter bereits die Vierschanzentournee und Olympisches Gold von der Normalschanze gewonnen.

