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Ex-Tennis-Star im Ukraine-Krieg: "Sie schlachten Familien ab"

Video: Klitschko-Betreuer gibt Moskau-Anekdote preis
22. März 2022, 16:46
sport.de
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2013 besiegte er Roger Federer in Wimbledon, erst im vergangenen Januar beendete er seine Tennis-Karriere. Jetzt kämpft Sergiy Stakhovsky im Ukraine-Krieg - und berichtet in eindringlichen Worten von der Situation in Kiew und seinem Einsatz.

"Im Stadtzentrum ist es ruhig. Es werden Raketen abgeschossen. Leider treffen sie manchmal Gebäude und töten unschuldige Menschen", schilderte Stakhovsky im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

In der ukrainischen Hauptstadt gebe es aber "keine Schießereien und keine russischen Soldaten. Es ist kein Vergleich zu dem, was zum Beispiel in Mariupol geschieht", so der 36-Jährige, der als Freiwilliger der ukrainischen Territorialverteidigung dient. 

"Ich patrouilliere die Straßen in der Nähe unserer Basis und sorge dort für Sicherheit. Wir schauen, ob es dort russische Agenten gibt, und verhindern, dass Marodeure in Geschäfte einbrechen. Im Grunde genommen sorgen wir dafür, dass sich die Menschen Tag und Nacht sicher fühlen", erläuterte Stakhovsky seine Aufgabe.

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"Ich kann stundenlang zu Fuß die Straßen patrouillieren"

Einen Alltag wie vor Russlands Invasion gebe es nicht mehr, so der frühere Weltranglisten-31. "Jeder hat eine zweistündige Schicht, dann sechs Stunden Ruhepause, dann muss man wieder zwei Stunden raus, egal, ob es Tag oder mitten in der Nacht ist", sagte Stakhovsky, dessen Familie und Kinder in Budapest in Sicherheit sind.

Von seinen während der Tennis-Karriere erworbenen Fähigkeiten profitiert der ehemalige Profi nun. "Ich habe eine gute Ausdauer, bin widerstandsfähig. Ich kann in meiner vollen Montur stundenlang zu Fuß die Straßen patrouillieren. Und die Koordination hilft natürlich auch sehr", sagte Stakhovsky.

"Ich würde sagen, die Stimmung in Kiew ist gut", erklärte der ehemalige Tennis-Star. "Natürlich ist jeder besorgt über die anderen Städte, die verwüstet werden und wo Menschen sterben. Jeder ist super motiviert, aber auch wütend und bereit, sich an der russischen Armee für ihre Gräueltaten zu rächen, für das, was sie der Zivilbevölkerung antun. Sie schlachten Familien ab, töten Zivilisten, vergewaltigen."

Eindringlicher Appell an Europa

Eine ukrainische Kapitulation lehnt Stakhovsky vehement ab. "Wem sollen wir uns ergeben? Wer gibt es uns denn Garantien? Putin, der nie sein Wort gehalten hat? Es ist nett, dass einige Leute denken, dass eine Kapitulation das Töten stoppt. Doch gerade Deutschland sollte wissen, welchen Preis Frankreich und Polen zahlten, als sie kapitulierten. Und wenn die Ukraine kapitulieren würde, wo würde Russland dann aufhören? An der ungarischen Grenze? An der österreichischen?"

"Politisch", appellierte Stakhovsky, könne die Unterstützung Europas "viel größer sein. Man muss den Himmel über der Ukraine schließen; auf dem Boden werden die russischen Truppen die Ukraine nicht schlagen. Die Ukrainer sind bereit, sich zu wehren."

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