Nervenstark hat sich Peter Wright zum Abschluss einer spektakulären Darts-WM erneut zum Champion gekürt. Die Wachablösung seines Vorgängers könnte bald auch an der Spitze der Weltrangliste erfolgen.
Tee und Toast statt Party ohne Ende: Peter Wrights Plan für die Nacht danach klang wie ein ganz normaler Sonntagnachmittag in seiner Heimat Suffolk. "Ein oder zwei Tassen Tee, vielleicht ein Stück Toast" mit seiner Frau Joanne - mehr wollte sich der schottische Darts-Weltmeister nach dem denkwürdigen Finale gegen Michael Smith nicht gönnen. Im Moment seines zweiten Triumphs im Londoner "Ally Pally" blieb der Paradiesvogel bescheiden - und zeigte Größe.
Mitten im Siegerinterview blickte "Snakebite" Wright zu seinem Kontrahenten, der weinend das Gesicht in den Händen vergrub. "Michael wird bald dran sein", sagte er und deutete anerkennend auf den Engländer, der von den 3000 Fans mit Sprechchören gefeiert wurde.
Beeindruckend nervenstark hatte sich Wright mit 7:5 gegen die Scoring-Maschine Smith durchgesetzt - anstelle seines insgesamt elften Champions hat der Weltverbands PDC nun einen sechsten Mann, der mehr als einmal die 25 kg schwere Sid Waddell Trophy gewonnen hat.
Nach einem Jahr voller Rückschläge eroberte Wright die Darts-Krone zurück. Das lange Fehlen von Joanne, die ihren Ehemann wegen schwerer Rückenprobleme und einer missglückten Operation nicht mehr begleiten konnte, hatte den 51-Jährigen gehemmt. Erst beim Gewinn des World Matchplays im Juli, als seine größte Stütze erstmals wieder dabei war, fand Wright zur alten Stärke zurück.
Wright durchlebt schwere Phase und kommt zurück
Eigentlich hatte er seine Karriere schon vor acht Jahren beenden wollen. Nach einer schwachen Saison 2014 sollte auch im Sinne der Familie Schluss sein. Doch dann stürmte er sensationell ins WM-Finale - und verlor gegen Michael van Gerwen. Wright revidierte seinen Entschluss. Sechs Jahre später gelang ihm gegen den Niederländer die Revanche.
Bis dahin war dem Mann mit dem bunten Irokesenschnitt ähnlich wie Smith der Ruf vorausgeeilt, keine großen Titel gewinnen zu können. Kaum einer wusste so gut wie er, wie sich der "Bully Boy" in diesem Moment auf der Bühne des Alexandra Palace fühlte.
Smith, der im Finale mit 5:4-Sätzen und 2:0-Legs geführt hatte, gelangen gleich mehrere 180er-Rekorde, die ihn aber kaum über seine fünfte Niederlage in einem Major-Finale hinwegtrösten dürften: Mit 24 geworfenen Maximalaufnahmen verbesserte er den Final-Rekord von Gary Anderson (22), außerdem übertrumpfte er mit 83 Turnier-180ern eine weitere Bestmarke des Schotten deutlich.
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Wright hat indes sein nächstes großes Ziel längst im Blick. In der am Montag veröffentlichten PDC-Weltrangliste rückte er bis auf 15.250 Pfund an seinen Vorgänger Gerwyn Price heran, dessen Titelverteidigung im Viertelfinale gegen Smith trotz eines Neundarters ein jähes Ende gefunden hatte. Rang eins, seit Jahren Wrights großes Ziel, ist nun erstmals greifbar.
Mit der Wiederholung des Triumphs von 2020 machte Wright außerdem seine Ankündigung aus dem Juli wahr: "Ich werde das World Matchplay und später auch die WM gewinnen", hatte er gesagt. Was großspurig klang, wurde ein halbes Jahr später Realität. Ein paar Tassen Tee später könnte der finale Schritt an die Weltspitze bald folgen.

