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Eigenwerbung oder Endstation?

Letzte Chance für Marc Roca beim FC Bayern

Marc Roca winkt eine Bewährungschance in der Startelf des FC Bayern
Marc Roca winkt eine Bewährungschance in der Startelf des FC Bayern
Foto: © Avanti/Ralf Poller via www.imago-images.de
14. Dezember 2021, 11:41
sport.de
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Bislang hat Marc Roca beim FC Bayern keinen Fuß auf den Boden bekommen. Aufgrund des derzeitigen Personalnotstands beim Rekordmeister winkt dem Spanier beim Auswärtsspiel in Stuttgart am Dienstag (ab 18:30 Uhr im LIVE-Ticker) endlich mal wieder eine Bewährungschance - womöglich seine letzte.

Um 16:55 Uhr endete für Marc Roca am vergangenen Samstag eine lange persönliche Warte- und Leidenszeit: In der Schlussphase des Bayern-Heimspiels gegen Mainz 05 kam der Mittelfeldmann beim Stand von 1:1 für Corentin Tolisso in die Partie und durfte kurz darauf sogar noch den Siegtreffer von Jamal Musiala (74.) mitbejubeln.

Über sechs Monate musste sich Roca zuvor gedulden, sein letzter Einsatz in der Bundesliga datierte vom 15. Mai, einem sportlich unbedeutenden 2:2 am vorletzten Spieltag der Saison 2020/2021 in Freiburg.

Seinen ursprünglichen Plan, beim FC Bayern nach einem enttäuschenden Debütjahr im zweiten Anlauf richtig durchzustarten, hatte der 25-Jährige im Sommer schnell ad acta legen müssen. Ein Außenbandriss im Sprunggelenk hinderte Roca in der Vorbereitung daran, sich unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann für mehr Spielzeit zu empfehlen. Als er Anfang September schließlich wieder fit war, war ihm die teaminterne Konkurrenz längst enteilt.

Wochenlang schaffte es der einst für neun Millionen Euro von Espanyol Barcelona gekommene Linksfuß nicht einmal in den Spieltags-Kader, Gerüchte um einen möglichen Winter-Wechsel ließen da nicht lange auf sich warten.

Am Dienstagabend bietet sich Roca aller Voraussicht nach aber noch einmal die Gelegenheit, seinen Status in der Mittelfeld-Hierarchie nachhaltig zu verbessern. Die andauernde Personalmisere an der Säbener Straße macht's möglich.

FC Bayern: Nagelsmann stellt Roca Startelf-Premiere in Aussicht

In Stuttgart wird der FC Bayern nicht nur ohne den bereits länger fehlenden Joshua Kimmich (Corona-Folgen) auskommen müssen, auch Leon Goretzka (Patellasehne) und Corentin Tolisso (muskuläre Probleme) werden im Ländle wohl nicht dabei sein.

Heißt: Plötzlich ist Marc Roca der einzige etatmäßige zentral-defensive Mittelfeldspieler, der Julian Nagelsmann noch zur Verfügung steht. Auf der Pressekonferenz vor dem Gastspiel beim VfB ließ der Coach schon durchblicken, dass dem als Flop verschrienen Spanier ein Platz in der Startformation winkt - zum ersten Mal in dieser Saison.

Gegen Mainz durfte Marc Roca (r.) ausnahmsweise mit den Kollegen jubeln
Gegen Mainz durfte Marc Roca (r.) ausnahmsweise mit den Kollegen jubeln

"Die Personalsituation erlaubt es, dass er in Stuttgart länger Spielzeit bekommt", sagte Nagelsmann über Roca und ergänzte: "Er besitzt die Qualität grundsätzlich und hat sich in den letzten Wochen absolut gesteigert." Vor allem im Training habe der U21-Europameister von 2019 Vollgas gegeben. Laut "Bild" steht längst fest, dass der Katalane beginnt.

Dass Roca in seinen beiden ersten Spielen 2020/2021 - zwei Einwechslungen in der Champions League gegen Kiew und Barcelona - wenig angeboten hatte, wollte Nagelsmann gar nicht leugnen. Gegen Mainz habe er seinen Job aber zufriedenstellend erledigt, hob der 34-Jährige hervor.

Abschied vom FC Bayern? Viele Interessenten für Marc Roca

Vorstellbar, dass die Partie in Stuttgart für Roca die letzte Chance ist, sich für einen Verbleib in München zu empfehlen. Bis vor wenigen Tagen galt sein Abschied zum Jahreswechsel eigentlich als beschlossene Sache.

Dabei eilte ihm einst der Ruf voraus, ein spielstarker Antreiber in der Schaltzentrale sein zu können. Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic muss das ähnlich gesehen haben, immerhin ließ er auch nach einem Korb von Espanyol im Jahre 2019 nicht von Roca ab und holte ihn letztlich im zweiten Anlauf.

Sein Start beim deutschen Branchenprimus ging jedoch nach hinten los, schon nach dem ersten Spiel zählte der damalige Trainer Hansi Flick den Neuzugang öffentlich an und berücksichtigte ihn anschließend kaum noch. Am Ende des ersten Jahres standen mickrige 519 Einsatz-Minuten für Roca zu Buche, verteilt auf elf Spiele. An Toren war er dabei nicht beteiligt.

Als es auch unter Nagelsmann nicht besser wurde, traten erste Interessenten auf den Plan. Von Eintracht Frankfurt über den FC Barcelona und Atlético Madrid bis hin zur AS Rom wurden einige prominente Namen als mögliche (Leih-)Abnehmer für den noch bis 2025 gebundenen Ballverteiler gehandelt.

Roca will sich beim FC Bayern "als Fußballer sehr verbessert" haben

Und Roca selbst? Der hielt sich bis zuletzt alle Optionen offen. "Ich wünschte, ich könnte hier erfolgreich sein. Aber im Leben weiß man nie. Wenn es nicht hier klappt, dann eben woanders", sagte er kürzlich in einem "El Mundo"-Interview und verriet im selben Atemzug, auf sein bisheriges Wirken beim FC Bayern "stolz" zu sein. Trotz geringer Spielpraxis habe er sich "als Fußballer sehr verbessert".

 

Nun liegt es an Roca, seine positive Selbsteinschätzung auf dem Platz zu bestätigen. Sollte er gegen den VfB einmal mehr hinter den Erwartungen zurückbleiben, dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Winterwechsels enorm steigen, schließlich kehren Kimmich, Goretzka und Co. allesamt in Kürze zurück.

Eigenwerbung oder Ende - Roca hat es selbst in der Hand.

Heiko Lütkehus

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