Sechs Punkte Rückstand - ohne "Wüterich" Marco Rose ist Borussia Dortmund im kleinen Revierderby ausgerutscht.
Erling Haaland schubste genervt einen Flitzer zur Seite, vor den BVB-Fans hob er ratlos die Schultern. Nach einem Ausrutscher im "Ersatzderby" beim VfL Bochum fiel Borussia Dortmund im Titelrennen mit Bayern München noch weiter zurück, er liegt nun als Tabellenzweiter sechs Punkte hinten - und das angesichts riesiger Torchancen höchst unnötig.
"Das ist nicht nur Pech. Das spielt auch eine kleine Rolle, aber am Ende musst du es auch wollen, musst mit mehr Überzeugung in die Bälle rein", sagte Julian Brandt, der mit seinem späten Tor (85.) zumindest ein 1:1 (0:1) gerettet hatte, bei "Sky". "Wir hatten genug Chancen, um zu gewinnen. Wenn du die nicht nutzt, steht's am Ende eben unentschieden."
Außerdem patzt ja defensiv irgendjemand immer: Diesmal war es der bisher so starke Torhüter Gregor Kobel, der mit einem überstürzten Hinauslaufen einen Foulelfmeter verursachte. Sebastian Polter verwandelte zur Bochumer Führung (40.).
BVB-Keeper: Meisterkampf wird "sehr, sehr hart"
"Sowas bringt die Mannschaft natürlich in eine Scheißposition, das geht auf meine Kappe", sagte der Schweizer. "Das ist jetzt ein weiter Vorsprung, es wird sehr, sehr hart."
Der VfL feierte überschwänglich den ersten Sieg gegen den mächtigen Rivalen seit 2007 und sang nach dem Abpfiff mit Herbert Grönemeyer "Tief im Westeeeeeen". Ein vermeintliches weiteres BVB-Tor durch Marius Wolf (54.) war nach Videobeweis aberkannt worden.
Wolfs Trainer Marco Rose war beim "Derby an der B1" nur Kiebitz: Nach der Gelb-Roten Karte wegen seines Wutausbruchs beim 2:3 gegen Bayern München war ihm während des Spiels jeglicher Kontakt zum Team verboten. An der Seitenlinie standen seine Assistenten Alexander Zickler und Rene Maric.
Der kleine VfL, der für den abgestiegenen großen Nachbarn Schalke 04 als Derbygegner einsprang, ging nach fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen selbstbewusst ins Duell. Mit drei Eckbällen in den ersten vier Minuten aber demonstrierte der BVB zunächst seine Stärke, doch der VfL kämpfte sich ins Spiel.
Torhüter Manuel Riemann allerdings servierte dem BVB die Führung auf dem Silbertablett, als er den Ball gegen Jude Bellingham vertändelte, doch die Dortmunder konnten die Chance nicht nutzen (16.).
Der VfL-Keeper machte seinen Fehler wieder gut, als er gegen den völlig freien Bellingham mit einer starken Fußabwehr rettete (18.). Plötzlich war der Favorit wieder dominant, Bochum geriet immer mehr unter Druck, Riemann bekam mehr Arbeit.
Kobel musste bei einem Schuss von Christopher Antwi-Adjei erstmals eingreifen (29.). Kurz vor der Pause verursachte er die überraschende Bochumer Führung, als er Antwi-Adjei im Strafraum von den Beinen holte.
Der BVB ging mit Wut im Bauch in die zweite Hälfte. Nach einem Schuss von Marco Reus rettete Erhan Masovic auf der Linie (48.). Dann jubelten die Dortmunder zu früh: Beim vermeintlichen 1:1 von Wolf stand Bellingham im Abseits - und nahm Riemann die Sicht.

























