Hertha BSC steht schon früh in der Saison und ausgerechnet vor der Partie beim FC Bayern am Samstag (18:30 Uhr) mit dem Rücken zur Wand. Zwar ist das Wechsel-Theater um Matheus Cunha vorbei. Doch auf Fredi Bobic wartet im Transfer-Endspurt eine Herkulesaufgabe.
Punktlos, Tabellenletzter, der wohl talentierteste Spieler weg - und jetzt geht's auch noch zum FC Bayern: Für Hertha BSC kommt es schon früh in der Saison knüppeldick.
Der ambitionierte Hauptstadtklub will unbedingt international spielen, doch auch in dieser Spielzeit droht womöglich der Abstiegskampf.
"Die Tabelle sieht nicht gut aus", gab Trainer Pál Dárdai nach der 1:2 (0:0)-Heimniederlage zuletzt gegen den VfL Wolfsburg zu, "es ist schmerzhaft, dass wir hier die Punkte nicht mitgenommen haben."
"Jetzt ist wieder alles im Eimer, alles ist Kacke", sagte Offensivspieler Marco Richter. Diese Aussage bezog sich zwar auf das Wolfsburg-Spiel, doch sie drückt ganz gut die Gesamtstimmung rund um den Verein aus.
Auch Fredi Bobic, der neue starke Mann bei der Hertha, konnte den Stimmungsumschwung noch nicht herbeiführen.
"Enttäuschender Start" für Hertha BSC
Es gebe "einiges aufzuarbeiten", sagte der Geschäftsführer am Sonntag bei "Bild-TV". Zwei Niederlagen in den ersten beiden Ligaspielen seien "ein enttäuschender Start, den du mit dir schleppst" und der die nächsten Wochen "nicht einfacher" mache.
Vor allem nicht, weil am kommenden Samstag mit dem Duell beim FC Bayern das auf dem Papier schwerste Saisonspiel wartet.
"Alle denken: Da holst du gar nichts. Umso besser - Top oder Flop", sagte Dárdai. Auch Richter betonte: "Wir fahren da nicht hin, um eine Kaffeefahrt zu machen."
Hertha BSC: Millionen-Deal mit Matheus Cunha
Bei Matheus Cunha hatten die Herthaner zuletzt aber genau diesen Eindruck. Dárdai warf ihm eine "Spaziergänger"-Mentalität vor und strich ihn aus dem Kader für das Wolfsburg-Spiel ("In meiner Mannschaft spaziert kein Mensch mehr!").
Cunhas Zukunft bei Hertha war offener denn je. Am Mittwochnachmittag folgte dann die Vollzugsmeldung: Der Brasilianer, Herthas bester Torschütze in der vergangenen Saison, wechselt zum spanischen Meister Atlético Madrid. Satte 30 Millionen Euro sollen dafür nach Berlin fließen.
Zuvor hatte die Alte Dame bereits die Verpflichtung von Ishak Belfodil bekanntgegeben. Der Angreifer kommt von der TSG 1899 Hoffenheim - und kostet nur 500.000 Euro.
Zum Heilsbringer taugt der 29 Jahre alter Algerier aber nur bedingt. Belfodil spielte in den letzten Monaten auch verletzungsbedingt wenig. Zudem gilt er als schwieriger Charakter, der sowohl in Hoffenheim, als auch bei seinem Ex-Klub Werder Bremen aneckte.
Welche Transfers gibt es noch bei Hertha BSC?
Klar ist, dass Hertha auf dem Transfermarkt nochmal zuschlagen wird. Die ganz großen Kracher sind aber nicht zu erwarten.
Von den durch Investor Lars Windhorst bereitgestellten 374 Millionen Euro ist nicht mehr viel übrig. "Wir müssen versuchen, dieses Geld sinnvoll einzusetzen, aber ein Teil ist schon weg. Corona war da der große Treiber", betonte Bobic.
Nach dem Transfer von Mittelfeld-Talent Jurgen Ekkelenkamp von Ajax Amsterdam steht wohl noch ein schneller Flügelspieler auf der Agenda. Und womöglich braucht Hertha zudem noch einen Ersatzmann für Innenverteidiger Jordan Torunarigha, der den Klub angeblich verlassen will.
Hertha BSC hofft auf "Trüffelschwein" Fredi Bobic
(Fast) alle Hoffnungen rund ums Olympiastadion ruhen nun auf "Trüffelschwein" Bobic, der sich bei Eintracht Frankfurt in den letzten Jahren einen Namen als herausragender Einkäufer machte.
Weitgehend unbekannte Akteure wie Luka Jovic oder Sébastien Haller holte er für kleines Geld, bei den Hessen wurden sie Stars und generierten schließlich exorbitante Ablösen. 2019 gelang Bobic ein überragender Coup mit André Silva, der seit dieser Saison für Titelaspirant RB Leipzig auf Torejagd geht.
Genau solche Deals erwarten auch die ehrgeizigen Hertha-Bosse von ihrem neuen Manager und zahlten deshalb 2,5 Millionen Euro Ablöse an die SGE.
So schlagen sich die Neuzugänge um Kevin-Prince Boateng
Auf dem Platz müssen es aber andere richten. Bitter: Sowohl gegen Wolfsburg, als auch am ersten Spieltag beim 1. FC Köln verspielten die Berliner jeweils eine Führung.
Der als Führungsfigur geholte Rückkehrer Kevin-Prince Boateng funktioniert noch nicht wie gewünscht. Zudem musste er gegen den VfL nach einer guten Stunde angeschlagen ausgewechselt werden.
Auch Suat Serdar und Richter, für die Hertha zusammen immerhin 15 Millionen Euro an Schalke respektive Augsburg überwies, haben noch Luft nach oben. Sturm-Routinier Stevan Jovetic traf immerhin schon bei seinem Debüt in Köln.
Er habe "keine Panik" angesichts der erneut schwierigen Situation rund um Hertha, erklärte Dárdai. Bis Weihnachten werde seine Mannschaft "auf einem stabilen Platz" stehen. Dafür braucht es schon bald einen Aufwärtstrend - bestenfalls schon beginnend gegen den FC Bayern.
Tobias Knoop (mit SID-Material)































