Auch wenn in Tokio die Temperaturen im August zwischen 25 und 32 Grad liegen werden bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 70 Prozent, wird Christina Hering eines auf jeden Fall im Gepäck haben: Schal, Mütze und wahrscheinlich auch die Daunenjacke ihres Olympia-Outfits. "Viele fragen sich, warum wir auch so etwas bei der Einkleidung bekommen. Aber bei den extrem klimatisierten Räumen in den Hotels und Bussen ist man froh, wenn man genau das nicht zu Hause gelassen hat", sagte die 800-Meter-Läuferin wenige Wochen vor den Olympischen Spielen.
Für die 26-Jährige ist es nicht die erste Teilnahme an Olympia. Schon 2016 ging sie in Rio in ihrer Paradedisziplin an den Start. Damals war schon nach dem Vorlauf Schluss für die Münchnerin, die diesmal auf jeden Fall weiterkommen will. "Das Halbfinale sollte drin sein. Und natürlich lebt auch der Traum vom olympischen Finale", sagte Hering im Gespräch mit "sportfrauen.net" und dem "Sport-Informations-Dienst".
Die Athletin hat sich in den vergangenen Wochen im Höhentrainingslager in der Schweiz auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet und an ihrer Form gefeilt. Da sie bereits seit 2019 das Ticket für Tokio in der Tasche hat, konnte sie den Fokus schon langfristig auf die Wettkämpfe in Japan richten: "Das war schon eine große Erleichterung. So konnte ich perfekt planen und war früh in der Saison fit. Im August bin ich dann hoffentlich auf meinem Leistungshöhepunkt."
Hering ist auf einem guten Weg dorthin, wie sie am Samstag im belgischen Heusden in 1:59,95 Minuten zeigte. Bei den deutschen Meisterschaften hatte sie sich den Titel vor ihrer Teamkollegin Katharina Trost (beide LG Stadtwerke München) gesichert. Auch diese hat sich für die Olympischen Spiele qualifiziert, sodass die Trainingspartnerinnen gemeinsam nach Tokio reisen werden. "Ich bin super dankbar, dass ich immer so starke Trainingspartnerinnen hatte, und sicher ist das ein Punkt, wieso ich es überhaupt so weit geschafft habe", sagte Hering.
"Kribbeln wird wieder da sein"
Besonders in Acht nehmen will sie sich vor der Konkurrenz aus Großbritannien und den USA, die durchweg starke Leistungen erzielt hat: "Das Gute an den 800 Metern ist aber, dass so viele Komponenten dazugehören: Ausdauer, Schnelligkeit, Willensstärke. Da kann es schon mal sein, dass eine von uns positiv überrascht, wenn sie das perfekte Rennen erwischt." Die Sportsoldatin fühlt sich gut vorbereitet auf Tokio, eine solche positive Überraschung könnte also drin sein.
Mit dem antrainierten Höheneffekt im Gepäck fliegt Hering rund zehn Tage vor ihrem Start in Tokio nach Japan. Nach Miyazaki. "Da sind die Bedingungen ähnlich und ich kann mich hoffentlich schnell daran anpassen", sagt sie. Die Stimmung bei der Leichtathletin ist gut. Auch wenn sie fürchtet, in Tokio ein anderes olympisches Gefühl zu erfahren als vor fünf Jahren in Rio: "Wir werden vermutlich sehr isoliert sein und uns an viele Regeln halten müssen. Aber ich bin sicher, wenn ich dann ins Stadion einlaufe, wird dieses extreme Kribbeln wieder da sein."