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Knurrer Dárdai murrt über Kritik an Söhnen

Dárdai soll Hertha aus der Abstiegszone führen
Dárdai soll Hertha aus der Abstiegszone führen
Foto: © O.Behrendt via www.imago-images.de
20. März 2021, 12:41

Ein bisschen neidisch kann Peter Bosz auf Pál Dárdai schon sein. Vor dem Duell von Bayer Leverkusen bei Hertha BSC am Sonntag (15:30 Uhr) stecken beide Trainer mit ihren Klubs in unterschiedlichen Tabellenregionen in ihren ganz eigenen Krisen.

Während aber Bosz bei der Werkself mal wieder in Rechtfertigungszwang geraten ist, kann Dárdai auch nach fünf Niederlagen aus den ersten sieben Spielen seiner zweiten Amtszeit sein Ding durchziehen. Kritik wird es an der Klub-Ikone nicht geben. Dárdai genießt seit seiner Rückkehr vom Junioren-Coach auf den Posten des Cheftrainers eine in der Fußball-Bundesliga ungewöhnliche Form des Artenschutzes.

"Er hat blau-weißes Blut." Dieses Statement von Sportdirektor und Ex-Mitspieler Arne Friedrich ist das Dogma, mit dem Dárdai seinen Stil gut eineinhalb Jahre nach der tief drinnen ziemlich sicher noch schmerzenden Degradierung zum Jugendausbilder durchziehen kann.

Dárdai war der einzige Joker, den die Klub-Führung nach der Beurlaubung von Bruno Labbadia Ende Januar hatte. "Pál & Zecke - Wenn nicht Ihr, wer sonst?", schrieben die Fans treffsicher auf ein Plakat am Olympiagelände über Dárdai und dessen Assistenten Andreas "Zecke" Neuendorf. Und Dárdai agiert seither als burschikoser Straßenkicker und Heilspatron seiner Hertha zugleich.

Dárdai bei Hertha BSC: Kumpel und Knurrer

Möglich ist das wahrscheinlich nur in Berlin, wo Bodenständigkeit und Größenwahn unbehelligt Tür an Tür wohnen - auch im Fußball. Die bis zu dreimal pro Woche abgehaltenen digitalen Pressegespräche haben hohen Unterhaltungswert. Dárdai redet dort auch wahlweise über Krokodile, Hubschrauber, rote Kängurus, die Freude des Osterhasen über neuverlegten Rasen im Olympiastadion und bietet sich, eine ehrliche Haut, die er nun einmal ist, Lothar Matthäus als Co-Trainer an - und zwar bei der Hertha und nicht der Nationalmannschaft.

Dárdai duzt dabei jeden, ist Kumpel und Knurrer - und wer von den Fragestellern Glück hat, bekommt auch mal ein Lob, dass der Fußballverstand in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Dárdai kann auch über die Relevanz der Rest-Verteidigung und Expected Goals reden und gerät dennoch nie in den den Verdacht, ein theoretisierender Laptop-Trainer zu sein.

Unterschwellige Kritik, dass er nach seinem mittlerweile in und für Ungarn spielenden Sohn Palko nun den zweiten Filius Marton sogar zum Hertha-Stammspieler machte, ärgern den 45-Jährigen. "Er muss immer alles doppelt machen, damit er überhaupt spielt", sagte er über den Innenverteidiger aus eigenem Hause. Der dritte Sohn Bence spielt noch in der Jugend. Die Dárdais gehören einfach zur Hertha-Familie. Ob das so bleibt, wenn es dann wie von Geldgeber Lars Windhorst erhofft, doch mal Richtung Champions League geht, ist abzuwarten.

"Ab jetzt ist jedes Spiel ein Muss-Spiel"

Wenn sein zweites Hertha-Engagement endet - womöglich auch früher als die bis 2022 datierte Laufzeit zusichert - könne er jederzeit auch wieder an die Fußball-Basis zurückkehren, betont Dárdai regelmäßig. Seine ersten Trainer-Erfahrungen sammelte er als F-Jugendcoach seiner Söhne beim Seeburger SV vor den Toren der Hauptstadt.

1997 kam Dárdai senior als ziemlicher Nobody aus Ungarn, bestritt dann 373 Spiele für Blau-Weiß, 286 davon in der Bundesliga. Keiner spielte dort öfter für die Hertha. Neben Hansi Flick (Bayern München) und Bo Svensson (Mainz) ist er derzeit der einzige Coach, der für seinen Klub auch in der Bundesliga spielte.

Schon 2015 beerbte er als klub-interne Notlösung Trainer Jos Luhukay und führte das Team von Platz 17 noch auf 15. Nun ging es runter von 15 auf 16. Jetzt, wo die Not akut wird, spürt Dárdai vielleicht doch so etwas wie Druck. "Wenn man über einen Abstiegsplatz redet, dann hat man auch einen Abstiegsplatz", sagte er bei seiner Amtseinführung. "Ab jetzt ist jedes Spiel ein Muss-Spiel", sagte er vor dem Leverkusen-Spiel.

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