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"Collinas Erben" analysieren den 23. Bundesliga-Spieltag

Gladbach als fairer Verlierer - Elfmeter-Szenen im Fokus

Das Tor von Alexander Sörloth gegen Gladbach zähle zurecht
Das Tor von Alexander Sörloth gegen Gladbach zähle zurecht
Foto: © Christian Schroedter via www.imago-images.de
01. März 2021, 13:03
sport.de
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Borussia Mönchengladbach verliert in letzter Minute bei RB Leipzig und ist deshalb wütend auf den Schiedsrichter - allerdings nur kurz. Denn schnell zeigt sich, dass dem Siegtreffer der Sachsen kein Foul vorausgegangen ist. Das räumt auch der Gladbacher Trainer unumwunden ein.

Als Alexander Sörloth tief in der Nachspielzeit per Kopf zum 3:2 für RB Leipzig gegen Borussia Mönchengladbach traf, gab es auf beiden Seiten kein Halten mehr. Während die Hausherren ihr Glück, die Partie nach einem 0:2-Rückstand noch gedreht zu haben, kaum fassen konnten, stürmten mehrere Gästespieler empört auf Schiedsrichter Manuel Gräfe zu. Sie reklamierten ein Foulspiel des Torschützen an Valentino Lazaro unmittelbar vor der Torerzielung, und Lars Stindl trug sein Plädoyer so vehement vor, dass der Unparteiische ihn dafür verwarnte. Video-Assistent Günter Perl mochte die Einwände der Gladbacher allerdings so wenig teilen wie der Referee, weshalb er an Gräfe meldete: Alles in Ordnung.

Zu Recht, denn Sörloths Körpereinsatz gegen Lazaro als Foul zu werten, wäre unangemessen kleinlich gewesen. Zwar hatte der Leipziger in Erwartung des Balles kurz die Hände auf den Rücken des Mönchengladbachers gelegt, doch eine regelwidrige Beeinträchtigung, etwa ein deutliches Stoßen oder Halten, war nicht zu erkennen. Lazaro war bei der Flanke von Christopher Nkunku, die Sörloth schließlich verwertete, schlichtweg schlechter positioniert als der Leipziger und kam aus diesem Grund nicht ins Kopfballduell. Dass ihn der Torschütze entscheidend behindert hätte, lässt sich daher nicht behaupten.

Rose: "Das Tor kann man ganz klar so geben"

So sahen es selbst die Mönchengladbacher, als sie ihre erste Enttäuschung über die Niederlage in letzter Minute verwunden hatten. Der Armeinsatz von Sörloth sehe "nicht extrem dramatisch aus, wir müssen das so hinnehmen", sagte Jonas Hofmann gegenüber dem Fernsehsender "Sky". Trainer Marco Rose fand sogar, "dass man das Tor so ganz klar geben kann". Denn Lazaro sei nicht hochgesprungen und damit auch "nicht aus der Balance gebracht" worden. Er habe Referee Gräfe gefragt, warum er sich die Szene nicht noch einmal selbst am Monitor angesehen habe, so Rose, und müsse nun sagen, "dass die Entscheidungsfindung absolut nachvollziehbar ist".

Denn der Unparteiische hatte den Vorgang vollständig wahrgenommen und den Kontakt im Zweikampf nicht als strafbar bewertet, wie die sportliche Leitung der Elite-Schiedsrichter am Sonntag auf der Website des DFB bekanntgab. Die Videobilder hätten keine anderen Aspekte geliefert, deshalb bleibe "die Bewertung im Ermessen des Schiedsrichters, die nicht klar und offensichtlich falsch ist und auch der Linie des Schiedsrichters bei der Zweikampfbewertung im gesamten Spiel entsprach". Die Entscheidung sei somit vertretbar, und es sei deshalb kein Eingriff des VAR erforderlich gewesen.

Gräfe gewohnt großzügig

Die erwähnte Linie war eine großzügige, wie meistens bei Manuel Gräfe. Kein Bundesliga-Referee verhängt weniger Freistöße als der 47-jährige Berliner, und nicht zuletzt für diese lange Leine, die er mit einer kommunikativen und gelassenen Art verbindet, wird er von Spielern, Trainern und Fans seit vielen Jahren geschätzt. Gräfe greift bei kleineren Kontakten seltener zur Pfeife als andere Unparteiische, sofern ein Ermessensspielraum besteht. Deshalb ließ er auch jeweils weiterspielen, als sich Nico Elvedi zweimal im Gladbacher Strafraum an der Grenze des Zulässigen gegen den Leipziger Justin Kluivert einsetzte. Diese Kontakte als nicht strafbar zu bewerten, war nachvollziehbar und passte zur Regelauslegung des Spielleiters bei den Zweikämpfen.

Beim ungestümen Einsatz von Dayot Upamecano gegen den Gladbacher Breel Embolo im Strafraum der Gastgeber nach fünf Minuten hatte der Schiedsrichter hingegen keine Wahl, wie auch die sportliche Leitung der Unparteiischen bestätigte: Upamecano habe den Gegner, "ohne den Ball zu spielen, regelwidrig durch einen Check im Oberkörperbereich zu Fall" gebracht. Gräfe habe "eine klare Wahrnehmung auf diesen Vorgang" gehabt und deshalb "korrekterweise einen Strafstoß" für die Borussia gegeben, wie ihm Video-Assistent Perl auch sofort bestätigt habe. In einem turbulenten Spiel lag der souveräne und stets unaufgeregte Referee also nicht nur mit seiner Spielführung insgesamt, sondern auch in den wesentlichen Einzelsituationen richtig.

Was sonst noch wichtig war:

In der Begegnung zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Schalke 04 (5:1) dagegen hätte Gräfes Kollege Guido Winkmann den Hausherren einen Elfmeter zusprechen müssen, als Malick Thiaw nach 18 Minuten Silas Wamangituka im Strafraum zu Fall brachte. Doch dem Referee genügte der wahrgenommene Kontakt nicht für einen Pfiff, wie die Leitung der Unparteiischen erklärte. Da die Bilder allerdings "ein eindeutiges und belegbares, strafstoßwürdiges Beinstellen des Schalker Verteidigers" zeigten, "das eine absolute Evidenz für ein klares und offensichtliches Foulspiel hat", hätte der Video-Assistent ein On-Field-Review empfehlen und die ursprüngliche Entscheidung des Schiedsrichters geändert werden müssen. Der Elfmeterpfiff für die Gäste in der 71. Minute hingegen sei kein Fall für einen Eingriff des VAR gewesen. Denn den "kurzen Tritt" des Stuttgarters Marc-Oliver Kempf gegen Amine Harit als strafstoßwürdig bewertet zu haben, sei eine Ermessensentscheidung und ausweislich des Bildmaterials zumindest nicht klar und offensichtlich falsch.

Anders verhielt es sich, als Schiedsrichter Bastian Dankert im Spiel VfL Wolfsburg - Hertha BSC (2:0) nach 79 Minuten auf Strafstoß für die Berliner entschied. Da nämlich schaltete sich Video-Assistentin Bibiana Steinhaus ein, denn die Fernsehbilder deckten sich nicht mit Wahrnehmung des Referees: Während Dankert "ein Beinstellen von Wolfsburgs Baku gegen den Herthaner Córdoba" erkannt haben wollte, wie in der Erklärung der Schiedsrichter-Chefs zu lesen ist, zeige das Bildmaterial, "dass der Berliner Stürmer zunächst in den Rasen und anschließend sich selbst an den linken Fuß tritt". Ein Foulspiel von Baku habe deshalb nicht vorgelegen. Eine Einschätzung, der man nur zustimmen kann - mag es sich für den Referee auf dem Feld auch anders dargestellt haben, so gab es doch keinen gegnerischen Kontakt, der sich als regelwidrig bezeichnen ließe.

Alex Feuerherdt

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