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Zweiter Einsatz im DFB-Trikot?

Arnold wirbt chancenlos um Löws Gunst

Arnold spielt seit Wochen stark, er trifft das Tor - und doch wird Löw seine Hoffnung wohl nicht erfüllen
Arnold spielt seit Wochen stark, er trifft das Tor - und doch wird Löw seine Hoffnung wohl nicht erfüllen
Foto: © Ulrich Hufnagel via www.imago-images.de
20. Februar 2021, 11:17

Der VfL Wolfsburg gewinnt in Bielefeld, steht auf einem Champions-League-Platz und ist die positive Überraschung dieser Saison der Fußball-Bundesliga. Top in Form ist auch Maximilian Arnold. Der träumt sogar von mehr - von einem Anruf des Bundestrainers. Doch der wird wohl ausbleiben.

Ridle Baku, Yannick Gerhardt, Christian Günter, Mark Uth, Oliver Sorg, Diego Demme, Marvin Compper, Tobias Weis, Sebastian Jung und André Hahn haben etwas gemeinsam. Mit Maximilian Arnold. Sie haben alle schon für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gespielt. Sie alle gaben ihr Debüt unter Bundestrainer Joachim Löw. Doch dabei blieb es dann auch. So geht es insgesamt übrigens 327 Spielern, die nur einmal für das DFB- oder DDR-Team aufliefen.

Nun ist Löw bekannt dafür, konsequent zu sein. Wer einmal aussortiert ist, der ist raus. Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels können das bestätigen. Oder auch Kevin Volland, der immerhin zehnmal das DFB-Trikot trug und den sich viele zurück ins Team wünschen. Allen voran sein Trainer bei der AS Monaco, Niko Kovac, der "Sport1" sagte: "Er ist ein Stoßstürmer, der seinen Körper einbringen und viele Tore erzielen und vorbereiten kann. Er ist auch nicht zu alt, im Gegenteil. Er befindet sich mit 28 Jahren im besten Alter, um in diesem Jahr die Europameisterschaft für Deutschland spielen zu können." Kovac adelt Volland gar: "Für mich ist er mit der Art und Weise, wie er Fußball spielt, ein Spieler für die Nationalmannschaft. Kevin ist der einzige deutsche typische Mittelstürmer. Wie es Miroslav Klose war."

Ähnlich viel Einsatz bietet Wolfsburg Trainer Oliver Glasner für seinen Mittelfeldspieler Arnold auf: "Meiner Meinung nach hätte er es sich absolut verdient, bei der Europameisterschaft dabei zu sein." Das sagte er nach dem 3:0-Sieg bei Arminia Bielefeld. Der 26-Jährige hatte in der 54. Minute sehenswert aus etwa 20 Metern mit links stark abgezogen und den Endstand hergestellt. Und erklärte anschließend: "Wout Weghorst hat den Ball gut abgelegt und ich habe den Ball super getroffen. Hat mich natürlich gefreut und ich denke, mit dem 3:0 war die Partie dann durch." Es war das dritte Saisontor des Mittelfeldmanns, dazu kommen vier Vorlagen.

"Wenn nicht jetzt, wann denn dann?"

Seit neun Jahren spielt Arnold nun schon bei den Niedersachsen, er verlängerte jüngst seinen Vertrag bis 2026, war mit ihnen in der Saison 2014/2015 Pokal- und Superpokal-Sieger. Zusammen mit Xaver Schlager bildet er in dieser Spielzeit eine starke Doppel-Sechs, die maßgeblich zum besten Abschneiden seit Jahren beiträgt. Zumindest vorübergehend sind die Wolfsburger Tabellendritter und damit ein ernsthafter Aspirant für die Champions League.

Es ist nicht so, dass Arnold im DFB-Trikot noch nichts erreicht hat. Er ist U21-Europameister von 2017, durchlief ab der U16 alle U-Nationalmannschaften. Doch bei Löw spielte er keine große Rolle. 13 Minuten durfte er im Mai 2014 im Länderspiel gegen Polen (0:0) ran. Das ist nun schon knapp sieben Jahre her. Arnold aber gibt die Hoffnung nicht auf: "Wenn nicht jetzt, wann denn dann?", hatte er diese Woche über seine mögliche Rückkehr ins DFB-Team gesagt.

Und sein Coach findet gute Argumente: Arnold sei "sehr präsent auf dem Platz", lobte Glasner nach dem jüngsten Sieg. "Er ist sehr laufstark, baut das Spiel von hinten auf und gewinnt viele wichtige Zweikämpfe. Er kann Tore schießen und ist auch bei Standardsituationen unser erster Schütze. Er hat viele Aufgaben, die er konstant und absolut top erledigt." Mindestens einen Fürsprecher hat Arnold also.

Mittelfeld ist blockiert

Aber eben auch viel Konkurrenz. Denn gerade im zentralen Mittelfeld ist das DFB-Team prominent besetzt. Toni Kroos, Leon Goretzka, İlkay Gündogan, Florian Neuhaus, Mahmoud Dahoud - da kämpfen schon fünf Spieler um die begehrten Plätze, sie alle haben mehr DFB-Einsätze als Arnold, sie alle stehen aktuell im Blickfeld des Bundestrainers. Kroos hat von Löw ohnehin alle Freiheiten, der Weltmeister von 2014 ist gesetzt, auch an Goretzka und Gündogan dürfte zur EM kein Vorbeikommen sein, wenn sich niemand verletzt - oder ihre Corona-Infektionen sich durch Langzeitfolgen bemerkbar machen. Neuhaus hat in den letzten DFB-Spielen für viel Aufsehen gesorgt.

Für Arnold wird es also sehr schwierig, bei der EM dabei zu sein. Wahrscheinlicher ist es, dass er in der kommenden Saison tatsächlich in der Champions League auflaufen darf. Die Konstanz spricht für Wolfsburg: Das Team von Glasner hat zum vierten Mal in Folge auswärts zu null gespielt und damit den Klub-Rekord von 2010 eingestellt. Der vierte Auswärtssieg in Folge ist zudem die Einstellung der Bestmarken von 2009 und 2010. Der Sieg gegen Bielefeld war das neunte Spiel in Serie ohne Niederlage, die letzte gab es am 3. Januar beim 0:2 gegen Borussia Dortmund. Die letzten sieben Partien wurden ohne Gegentor absolviert.

Glasner, seit Juli 2019 im Amt, hat seine Mannschaft in die Erfolgsspur geschickt. Das kann sich nach dem mäßigen Saisonstart mit fünf Unentschieden und einem Sieg aus den ersten sechs Spielen sehen lassen. Vielleicht sieht das ja auch Löw. Denn da kann Glasner Arnold so viel loben wie er will, am Ende bestimmt nicht er das DFB-Team für die EM. "Das ist die Entscheidung von Joachim Löw."

Anja Rau

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