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Transfer-Flops statt Retter im Abstiegskampf?

Warum Schalkes Neuzugänge nicht funktionieren

Zünden beim FC Schalke 04 nicht wie erwartet: Klaas-Jan Huntelaar (l.) und Sead Kolasinac
Zünden beim FC Schalke 04 nicht wie erwartet: Klaas-Jan Huntelaar (l.) und Sead Kolasinac
Foto: © RHR-FOTO/Tim Rehbein/Pool
11. Februar 2021, 07:22
sport.de
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Vier Winter-Neuzugänge sollen dabei helfen, den FC Schalke 04 vor dem Abstieg zu bewahren. Bereits nach wenigen Partien verfestigt sich jedoch der Eindruck, dass die Spielerauswahl alles andere als ideal war - und die Neuen den Revierklub wohl nicht retten können.

Kurz nachdem das Transferfenster geschlossen war, zog Jochen Schneider ein positives Fazit. "Wir haben uns im Rahmen unseres knappen Budgets verstärken können", bilanzierte Schalkes Sportvorstand bei "t-online".

Mit Sead Kolasinac, Klaas-Jan Huntelaar, William und Shkodran Mustafi hatten sich vier durchaus namhafte Profis der schwierigen Rettungsmission angeschlossen - allesamt ablösefrei, teils durch Leihgeschäfte, teils aufgrund von auslaufenden Verträgen.

Der Plan: Mit einem Mix aus Erfahrung und Leidenschaft sollten die Hoffnungsträger dem wankenden Team als Soforthilfen neue Impulse geben. Zunächst deutete einiges darauf hin, dass das Vorhaben von Erfolg gekrönt sein könnte. Gleich im ersten Spiel mit Rückkehrer Kolasinac fegten die Königsblauen die TSG Hoffenheim mit 4:0 vom Feld.

Weitere Lebenszeichen sind seither allerdings ausgeblieben. Nur ein Punkt aus den folgenden fünf Begegnungen hat den Schalker Rückstand auf das rettende Ufer auf aussichtlos wirkende neun Zähler vergrößert.

FC Schalke 04: Der "Rucksack" der Neuzugänge

Resignation macht sich in Gelsenkirchen breit, aber auch Wut. Über die (Nicht-)Leistungen der Mannschaft und die wohl erneut gescheiterte Transferpolitik. Die bittere Wahrheit ist: Völlig unerwartet kommt der Stotterstart der Neuen nicht. Alle brachten einen "Rucksack" mit, waren vorbelastet:

  • Sead Kolasinac

Auf dem Bosnier ruhten und ruhen die größten Hoffnungen auf Schalke. Kolasinac ist mit 27 im besten Fußball-Alter, königsblaues Blut fließt durch seine Adern. Trainer Christian Gross machte ihn direkt zum Kapitän.

Einem schwungvollen Liga-Debüt gegen Hoffenheim folgten jedoch vier mäßige bis schwache Darbietungen gegen Frankfurt, Köln, Bremen und Leipzig sowie eine verletzungsbedingte Zwangspause gegen den FC Bayern.

Der Linksverteidiger habe sich "dem Niveau des Teams bereits angepasst", urteilte der "kicker" zu Wochenbeginn scharf. In der Tat ist Kolasinac anzumerken, dass er beim FC Arsenal zuvor kaum eingesetzt wurde.

Das Engagement stimmt beim Abwehrmann immer, Abstimmungsprobleme mit den Nebenleuten sind allerdings unübersehbar. Auch wenn es für ein endgültiges Urteil viel zu früh ist: Die gewünschte Stabilität hat Kolasinac bislang nicht gebracht.

  • Klaas-Jan Huntelaar

Als der FC Schalke Mitte Januar bekanntgab, dass der einstige Publikumsliebling Ajax Amsterdam verlässt, um sich auf der Zielgeraden seiner Karriere noch einmal im S04-Trikot gegen den Bundesliga-Abstieg zu stemmen, jubilierten nicht wenige Anhänger der Knappen. Die Euphorie ist inzwischen aber verflogen.

Eine noch in der Heimat erlittene Wadenverletzung setzt den 37-jährigen Niederländer seit seiner Rückkehr außer Gefecht. Lediglich beim 1:1 gegen Werder Bremen konnte der "Hunter" zehn Minuten mitwirken. Beim jüngsten 0:3 gegen RB Leipzig musste der Angreifer am Samstag allerdings wieder passen.

Laut "WAZ" werden intern inzwischen Zweifel an dem Transfer laut. Verständlich - der Klub hat angesichts der prekären Tabellensituation schlicht nicht die Zeit, lange auf einen Heilsbringer zu warten.

Sportvorstand Schneider wies die aufkeimende Kritik postwendend zurück. "Die Verpflichtung war kein Fehler. Verletzungen gehören leider zum Sport dazu", sagte er den Zeitungen der "Funke Mediengruppe": "Trotz der Verletzung hat er seit Tag eins eine ganz wichtige Rolle in der Kabine übernommen."

Wann der Routinier endlich seine dringend benötigte Torgefahr einbringen kann, bleibt derweil offen.


Mehr dazu: Kolasinac, Huntelaar und Co. wohl ohne Zukunft auf Schalke


  • William

Beim VfL Wolfsburg hat der Brasilianer, der von Schalke bis zum Saisonende ausgeliehen wurde, in der Vergangenheit nachgewiesen, auf Bundesliga-Niveau mithalten zu können.

Nach seinem im Februar 2020 erlittenen Kreuzbandriss tat und tut sich William aber schwer, wieder in Schwung zu kommen.

Zwar fiel der Rechtsverteidiger bei seinen ersten Startelf-Einsätzen gegen Wolfsburg (DFB-Pokal) und Leipzig (Bundesliga) im Vergleich zum Rest der Mannschaft keineswegs ab, ließ sich von der Verunsicherung seiner Nebenmänner jedoch mehrfach anstecken.

Es gibt freilich angenehmere Aufgaben, als ohne Matchpraxis in ein leblos wirkendes Team zu kommen.

  • Shkodran Mustafi

Ja, der Weltmeister von 2014 hat erst ein Spiel absolviert und ja, ohne ein einziges Training mit den Kollegen waren keine Wunderdinge zu erwarten.

Dennoch fühlten sich Skeptiker bestätigt, als Mustafi beim Leipziger Führungstreffer entscheidend patzte. Wie ein international erfahrener Profi wie der 28-Jährige regelmäßig ein derart schlechtes Timing an den Tag legen kann, hat schon die Arsenal-Fans rätseln lassen. Irgendwann schlug die Verwunderung in Hohn um.

Bei Mustafis Verpflichtung hatte Jochen Schneider erklärt, "davon überzeugt" zu sein, einen "sehr guten Innenverteidiger" verpflichtet zu haben, der "die sportliche Lücke, die Ozan Kabak hinterlässt, füllen wird."

Dabei verschwieg er, wie formschwach Kabak zuvor war. Mustafi, der ohne Spielrhythmus kam und vorerst nur bis Ende Juni unterschrieben hat, kann nun einige Monate beweisen, dass er dem tief gefallenen FC Schalke eine größere Hilfe ist als sein Vorgänger. Zweifel bleiben.

Heiko Lütkehus

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