An der Strecke der Tour de France wurde es trotz aller Corona-Mahnungen und Dauerregens in Nizza teilweise sehr voll. Bei vielen Franzosen war von Seuchenstimmung nichts zu spüren.
Die ganze Komplexität der Anti-Corona-Mission wurde den Machern der Tour de France schnell vor Augen geführt. Dem strengen Protokoll folgend trugen am Samstag alle 176 Fahrer Masken im Startbereich der ersten Etappe in Nizza, einer Hochsicherheitszone mit stark begrenzter Zuschauerzahl, nur um nach wenigen Metern und nach Ablegen des Mund-Nase-Schutzes durch ein Spalier Tausender Fans zu rollen.
Viele hielten sich dort zwar an die Maskenpflicht. Im dichten Gedränge am Streckenrand war der nötige Abstand aber nicht einzuhalten. Die Tour, in Frankreich Radrennen und Volksfest zugleich, trieb die Zuschauer ungeachtet der Coronapandemie auf die Straßen - auch der Starkregen auf der ersten Etappe hielt sie nicht auf.
Organisatoren und Fahrer sind gleichermaßen im Zwiespalt. Niemand wünscht sich eine "Geistertour", die sicherheitslogistisch ohnehin nicht umsetzbar wäre. Zugleich sollen aber große Menschenansammlungen und das damit verbundene erhöhte Infektionsrisiko vermieden werden. In Nizza, für die deutschen Behörden ein Risikogebiet, für den französischen Staat eine "rote Zone", gilt dies umso mehr.
Interviews nur mit Masken
Auf der zweiten Etappe am Sonntag, die durch die Seealpen führt und in Nizza endet, war deshalb unter anderem die Zufahrt zu den Bergen für Wohnmobile gesperrt worden. Star-Fahrer Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe rief die Fans dazu auf, das Rennen am TV zu verfolgen.
Angesichts hoher Infektionszahlen in Frankreich begleitet die Angst vor einer Absage das Feld auf dem angestrebten Weg nach Paris. "Man kann den Abbruch der Tour nicht ausschließen. Aber es ist alles so gut vorbereitet, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist", sagte Frankreichs Sport- und Bildungsminister Jean-Michel Blanquer an der Startlinie am Samstag.
Viermal wird der Tour-Tross getestet - zwei Mal vor dem Start sowie an beiden Ruhetagen. Zwei positive Fälle in einem Team, dazu zählen neben Fahrern auch Busfahrer, Mechaniker oder Masseur, führen zum Ausschluss der betreffenden Mannschaft. Der Kontakt zur Außenwelt wird minimiert. Dennoch bleibt ein Restrisiko. "Es ist nicht auszuschließen, dass einige Teams es nicht bis zum Ende schaffen", sagte David Lappartient, Präsident des Weltverbandes UCI.
Und so begleitet die Tour eine große Ungewissheit und das Gebot maximaler Vorsicht. Ein unverzichtbares Mittel dabei: Masken. Der Norweger Alexander Kristoff trug eine bei der Übergabe des ersten Gelben Trikots, auch die Interviews geben die Fahrer nur mit Mundschutz.
Wie gut die Tour den Hotspot Nizza und die ersten Bergankünfte überstanden hat, wird sich wohl erst zeigen, wenn am ersten Ruhetag die nächste Testreihe ansteht.





