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RB-"Bienenschwarm" will auch Neymar und Co. überfallen

RB Leipzig muss nun gegen PSG antreten
RB Leipzig muss nun gegen PSG antreten
Foto: © Peter Schatz
14. August 2020, 13:05

Den größten Erfolg der noch jungen Klubgeschichte feierte RB Leipzig nur kurz auf dem Rasen. Der Außenseiter will im Halbfinal der Champions League gegen Paris Saint-Germain den nächsten Coup landen.

Als die Leipziger um kurz vor Mitternacht als Champions-League-Helden ins noble Palacio Estoril zurückkehrten, war von Partystimmung keine Spur. Mit schweren Beinen schleppten sich die müden Spieler vom Bus zum Hoteleingang, Julian Nagelsmanns zupfte seinen Mund-Nasen-Schutz zurecht und erinnerte die Profis an ihre Pflichten. Sie sollten "den Flüssigkeitshaushalt auffüllen" und "gut trinken - aber keinen Alkohol", betonte der Trainer von RB Leipzig.

Die große Party zum einzigartigen Aufstieg von der 5. Liga in die Top-Vier Europas in nur elf Jahren hat der Emporkömmling verschoben, denn seine "Missao Final" ist in Lissabon noch nicht beendet. Nach dem grandiosen 2:1 (0:0) gegen die Defensivkünstler von Atletico Madrid will der Außenseiter am kommenden Dienstag (21:00 Uhr) auch das Starensemble von Paris St. Germain aus der Königsklasse kegeln.

Man habe "wieder einen Riesenbrocken vor der Brust", sagte Nagelsmann, der nach dem kräfteraubenden Abnutzungskampf gegen Atletico auf den psychologische Effekt setzt. Ein Duell gegen Weltstars wie Neymar und Kylian Mbappe sei "wie ein Schnellladegerät" für die Akkus. Genau wie die Lobeshymnen nach dem größten Erfolg der noch jungen Klubgeschichte - und das ohne Torjäger Timo Werner, aber mit viel Herz und einer taktischen Meisterleistung.

Jetzt sind die roten Bullen zu allem fähig"

"Leipzig war ein Bienenschwarm", schrieb das spanische Sportblatt "Marca" und nannte den Auftritt "eine deutsche Sinfonie". Die Zeitung "Sport" meinte: "Jetzt sind die roten Bullen zu allem fähig." Das trichtert Nagelsmann seinen Spielern auch jeden Tag ein. Öffentlich wolle er zwar "keine Titelansage" machen, aber natürlich wolle man "jetzt ins Finale kommen".

Das wird Thomas Tuchel verhindern wollen. Der PSG-Coach hatte Nagelsmann in der Saison 2007/08 beim FC Augsburg II trainiert und ihn währenddessen auch mit ein paar Scouting-Aufgaben versehen. "Spiele gegen ihn sind immer interessant, weil er eine gute Idee vom Fußball hat", sagte Nagelsmann. Der mit 33 Jahren jüngste Halbfinal-Trainer der Champions-League-Geschichte betonte aber auch, "noch nie ein extrem inniges Verhältnis" zu Tuchel gehabt zu haben.

Ein Duell "Nagelsmann vs. Tuchel" sei das Halbfinale ohnehin nicht. In der Champions League gehe es "nicht um Trainerduelle gegen Mourinho, Simeone oder jetzt gegen Tuchel", sagte Nagelsmann. Nicht er, der Atleticos Startrainer Diego Simeone mit einem 3-3-3-1-System taktisch überraschte, sondern die Mannschaft habe es gegen Atletico "herausragend gemacht".

In der Tat verdienten sich in dieser denkwürdigen Donnerstagnacht im Estadio Jose Alvalade XXI einige Spieler den Heldenstatus. Abwehrchef Dayot Upamecano zum Beispiel, der immer zur Stelle war, wenn es brenzlig wurde. "Wahrscheinlich hat es ihn motiviert, dass ich ihn ein Biest genannt habe", sagte Nagelsmann über den 21-Jährigen, der erst kürzlich seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat: "Heute war er tatsächlich ein Biest, von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert."

Auch die beiden Premieren-Torschützen Dani Olmo (50.) und Tayler Adams (88.) verdienten sich ein Extra-Lob, genau wie Yussuf Poulsen. Der Kapitän ackerte im Sturmzentrum für zwei, auch wenn er nicht die Torgefahr des zum FC Chelsea gewechselten Werner ausstrahlte. Poulsen kickte mit RB vor sechs Jahren noch in der 3. Liga, jetzt steht er mit dem Klub im Halbfinale der Champions League. "Das ist eine außergewöhnliche Geschichte", sagte der Däne. Und sie ist noch nicht vorbei.

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