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Herthas Kampfgeist macht Klinsmann happy

Die Hertha erkämpfte sich einen wichtigen Dreier in Wolfsburg
Die Hertha erkämpfte sich einen wichtigen Dreier in Wolfsburg
Foto: © Noah Wedel via www.imago-images.de
26. Januar 2020, 11:42

Jürgen Klinsmann hatte gewiss keinen Glamour-Fußball gesehen. Ziemlich viel Kampf und Krampf prägten den zweiten Auftritt von Hertha BSC im Jahr 2020. Doch der frühere Bundestrainer und Weltmeister von 1990 war nach dem schmeichelhaften 2:1 (0:0)-Erfolg beim VfL Wolfsburg happy. Die Vision vom "Big City Club" muss im Abstiegskampf ruhen, jetzt zählen die Basics.

"Es ist schön zu sehen, dass die Jungs kapiert haben, um was es hier geht", sagte der 55-Jährige und untermalte seine Worte mit einem energischen Tonfall. In der "prekären Situation" brauche man "Kampf", "Aufopferungsbereitschaft" und "Willenskraft." Die unbedingte Bereitschaft hatte er verspürt bei der Rückkehr an den Ort seiner schmerzlichsten Niederlage als Trainer.

Im April 2009 kassierte er mit Bayern München die schon fast legendäre 1:5-Klatsche in Wolfsburg - nun wurde die Partie in der Volkswagen Arena für Klinsmann und Co. zum Brustlöser. Der Sieg mitsamt Sprung auf Platz 13 und zu 22 Punkten sei "unglaublich wertvoll", sagte der Schwabe. Durchschnaufen. Selbstvertrauen mitnehmen. Noch ist nichts erreicht.

"Die Erleichterung ist immer noch da"

Klinsmann, der seinen Verein nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst perspektivisch in ganz anderen Sphären wähnt und damit nicht hinterm Berg hält, hat seine Erwartungen für den Rest der Saison downgegradet. Das Frühjahr ist nicht der richtige Zeitpunkt für Träume von zukünftigen Champions-League-Teilnahmen, dafür ist die Abstiegsregion noch immer zu nah. Der prominente Trainer ist sich aber sicher: "Wir ziehen uns jetzt da raus."

Hertha spielte im "ICE-Derby" alles andere als fehlerfrei, entschied aber 55 Prozent der Zweikämpfe für sich. Und bewies nach dem Wolfsburger Führungstreffer durch Admir Mehmedi (68.) auch mentale Widerstandskraft. Jordan Torunarigha (74.) und Dodi Lukebakio (90.) sorgten mit ihren Kopfballtreffern für großen Jubel im prall gefüllten Gästeblock.

"Die Erleichterung ist immer noch da", sagte Klinsmann auch einen Tag nach dem Spiel am Sonntag. "Ich glaube, dass die Spieler merken, dass die Mehrarbeit nun fruchtet", sagte der Coach, der auch Nationalspieler Niklas Stark ausdrücklich lobte.

VfL Wolfsburg sieht "komplizierte" Situation

Stark war nach langer Zeit wieder mal erste Wahl. "Harte Arbeit hilft. Es geht für uns darum, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Der erste ist es, zu punkten und unten rauszukommen", meinte Stark. Dann könne man irgendwann über andere Dinge reden.

Über Zukunftsmusik wie geplante Europacupteilnahmen. Wie schwer es ist, sich nachhaltig in der Spitzengruppe der Liga festzusetzen, erfährt gerade leidvoll Herthas Gegner Wolfsburg. Bei dem potenten und ambitionierten Klub hängt nach dem verpatzen Start mit zwei Niederlagen in diesem Jahr zunehmend der Haussegen schief, die Lücke zu Rang sechs ist längst aufgerissen.

Die Situation sei "mehr als kompliziert", sagte Geschäftsführer Jörg Schmadtke: "Wir müssen die richtigen Antworten finden, aber im Moment scheinen wir sie nicht zu finden." Trainer Oliver Glasner ist gefordert.

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