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Torwart-Legende Hans Tilkowski verstorben

Sein größtes Spiel: Hans Tilkowski im legendären WM-Finale 1966 in Wembley
Sein größtes Spiel: Hans Tilkowski im legendären WM-Finale 1966 in Wembley
Foto: © SVEN SIMON via www.imago-images.de
06. Januar 2020, 13:49

Ex-Nationaltorhüter Hans Tilkowski, der beim berühmten Wembley-Tor zwischen den Pfosten stand, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Nach seiner sportlichen Karriere engagierte er sich für Schwerkranke und Arme.

Das Wembley-Tor, immer wieder dieses Wembley-Tor. Hans Tilkowski musste so häufig über den berühmtesten Moment seiner Karriere sprechen, dass er sich irgendwann eine Taktik zurechtlegte. Jedes Interview, sagte der einstige Nationaltorhüter mal, eröffne er mit den Worten: "Der Ball war nicht drin. Und dann ist das Thema durch."

Es gab ja in der Tat auch viele andere Dinge zu besprechen. Tilkowski gewann mit Borussia Dortmund den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger, er wurde zudem als erster Torhüter "Fußballer des Jahres". Am Sonntag ist Deutschlands langjähriger Schlussmann nun verstorben, der gebürtige Dortmunder erlag im Alter von 84 Jahren einer Krebs-Erkrankung.

"Er hat den Kampf im Beisein seiner Familie verloren", sagte Sohn Ralf am Montag dem SID. Der Fußball hatte dem Vizeweltmeister von 1966 neben seiner Familie immer Kraft gegeben. Anlässlich seines 80. Geburtstags vor viereinhalb Jahren sagte Tilkowski im Interview mit "DFB.de": "Es ist ein erfülltes Leben, da kann man sich nur für bedanken. Für das Leben und für den Fußball: Fußball, alter Freund, ich danke Dir!"

Nach dem BVB noch für Eintracht Frankfurt aktiv

Der gelernte Schlosser begann seine Karriere als Halbprofi bei Westfalia Herne, die Höhepunkte erlebte er später mit Borussia Dortmund. "Für mich gehört er zu den größten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs, sein Tod ist für den DFB und die Fußballfamilie ein schmerzlicher Verlust", sagte Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

1966 holte Tilkowski an der Seite von Rudi Assauer, Lothar Emmerich und Stan Libuda den ersten internationalen Titel für eine deutsche Vereinsmannschaft. Die Dortmunder gewannen im Endspiel mit 2:1 nach Verlängerung gegen den FC Liverpool den Cup der Pokalsieger. "Tilkowski hatte mit seinen Paraden im Endspiel und auf dem Weg dorthin entscheidenden Anteil. Die BVB-Familie trauert um einen großartigen Menschen und drückt der Familie des Verstorbenen ihr Beileid aus", sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball.

Nach dem BVB lief Tilkowski noch für Eintracht Frankfurt auf und beendete dann 1970 seine aktive Laufbahn. Als Trainer machte der Träger des Bundesverdienstkreuzes Station bei Werder Bremen, dem 1. FC Saarbrücken, 1860 München und dem 1. FC Nürnberg. Nach seiner sportlichen Karriere engagierte Tilkowski sich für Schwerkranke und Arme.

Weit über eine Million Euro sammelte er als "Botschafter der guten Tat" bei Veranstaltungen für Mukoviszidose- und Multiple-Sklerose-Kranke, die Krebshilfe, brasilianische Straßenkinder oder für Krankenhausaufenthalte von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten. "Das hat mich jung gehalten", sagte Tilkowski.

Tilkowski lebte nach seinen vier Eckpfeilern

Geoff Hurst war indes nur auf den ersten Blick so etwas wie der ewige Gegenspieler Tilkowskis. Beim legendären WM-Endspiel 1966 im Londoner Wembley-Stadion war sein Schuss von der Latte auf die Torlinie geprallt - und nicht knapp dahinter, wie Tilkowski stets betonte. Dennoch zählte der Treffer, England wurde zum einzigen Mal Weltmeister.

Nun erfuhr Hurst direkt von Tilkowskis Familie über dessen Tod, er zeigte sich bestürzt: "Ich bin sehr traurig. Er war ein großartiger Spieler und ein sehr toller Mensch. Ich habe die Zeit sehr genossen, die wir über die Jahre miteinander verbracht haben."

Tilkowski hatte vier Grundpfeiler in seinem Leben, die er stets befolgte: "Glaubwürdigkeit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Respekt. Das sind für mich die Eckpfeiler, die Bestand haben."

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