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Erfolgloses Schlusslicht Paderborn will offensiv bleiben

Martin Przondziono ist Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn
Martin Przondziono ist Geschäftsführer Sport beim SC Paderborn
Foto: © Thomas F. Starke, getty
14. November 2019, 11:48

Elf Spiele, vier Punkte, Platz 18: Aufsteiger SC Paderborn sucht in der Bundesliga nach Anschluss. Geschäftsführer Martin Przondziono bleibt Optimist, denkt aber ohnehin ligaunabhängig.

In den Tiefen des Tabellenkellers behält Martin Przondziono den klaren Blick nach oben. Fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz? "Das sind zwei Spiele", rechnet der Geschäftsführer Sport des SC Paderborn vor. "Wir wissen, dass fünf, sechs, sieben Mannschaften für den Abstieg infrage kommen." Zu diesen zählt natürlich auch der allmählich abgeschlagene Aufsteiger, der sich nach knapp einem Drittel der Saison noch lange nicht aufgeben will.

Für eine realistische Einschätzung von Przondzionos Rechnung sei jedoch ergänzt: Bisher holte der SCP aus elf Spielen erst vier (!) Zähler. Und auch Przondziono muss angesichts dieser Zahlen eingestehen, dass das Bundesliga-Schlusslicht langsam Zählbares verbuchen muss,´"um uns selber zu belohnen", sagt der 50-Jährige im SID-Interview. Anderenfalls droht die zweite Bundesliga-Saison der Ostwestfalen ein Abenteuer zu bleiben - so wie vor vier Jahren.

Symptomatisch für die gesamte Saison war die jüngste Pleite (0:1) gegen FC Augsburg, als Paderborn durch einen Strafstoß früh hätte in Führung gehen müssen, weitere Chancen vergab - und nach einem Freistoßgegentreffer nicht mehr zurückkam. Es war die insgesamt neunte Niederlage der Saison. Zum Vergleich: Tasmania 1900 Berlin wies in seiner historisch schlechten Saison 1965/66 zum selben Zeitpunkt genauso viele auf.

"Spielen keinen Harakiri-Fußball"

Trainer Steffen Baumgart analysierte dennoch: "Unser Spielsystem funktioniert." Der 47-Jährige, der Paderborn nach dem Beinahe-Absturz in die Regionalliga aus der Drittklassigkeit mit zwei Aufstiegen in Folge zurück in die Bundesliga führte, beharrt unweigerlich auf seinem häufig spektakulären, aber zugleich anfälligen Offensivfußball. Für Przondziono ("P-schon-scho-no") der genau richtige Weg.

"Mit dieser Mannschaft anderen Fußball zu spielen, ist eigentlich gar nicht möglich", sagt der Sportchef und ergänzt: "Wir spielen ja keinen Harakiri-Fußball und sagen, schießt uns mal hinten die Hütte voll. Wir versuchen, den fußballerischen Ansatz weiter zu leben." Unruhe? Zweifel? Änderungen? Das wäre der komplett falsche Ansatz, findet Przondziono.

Denn die Vereinsphilosophie steht über allem - sogar über einem möglichen Abstieg. "Unser Ansatz in Paderborn soll sein, dauerhaft so Fußball zu spielen, wie wir ihn gerade spielen. Das müssen wir verfeinern", sagt Przondziono, "auch ligaunabhängig". Über den Job des Trainers wird in Paderborn daher trotz der brenzligen Lage überhaupt nicht diskutiert. Schon gar nicht von Przondziono.

Sieben Nationalspieler zu Länderspielen abgestellt

Der ehemalige Zweitliga-Profi rückte im vergangenen Sommer als Nachfolger von Markus Krösche ins erste Glied. Der heutige Sportdirektor von RB Leipzig hatte seinen heutigen Nachfolger im September 2018 nach einem zufälligen Treffen nach Paderborn geholt. Krösche sei zwar nicht mehr vor Ort, aber "er ist immer noch ein bisschen gegenwärtig", sagt Przondziono.

Gemeinsam mit Baumgart führt Przondziono den Weg, den Krösche anstieß, fort. Vor der Saison holte er in erster Linie Dritt- und Viertligaspieler nach Ostwestfalen, er arbeitete an der Weiterentwicklung des Nachwuchsleistungszentrums, er modernisierte den Verein. Mit kurzfristigem Erfolg: Erstmals stellt der Klub in dieser Länderspielperiode sieben Spieler ab.

"Das tragen wir nach außen mit Stolz", sagt Przondziono, der langfristig denkt. Nach Vorstellung des ehemaligen Mittelfeldspielers künftig dauerhaft soll Paderborn zu den Top 30 Vereinen in Deutschland gehören. Der Geschäftsführer ist überzeugt, "dass wir am Anfang einer ziemlich langen Entwicklung sind. Wir stoßen sehr viele Sachen an und gehen komplett in die richtige Richtung".

Zur Not auch in der 2. Bundesliga.

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