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Geschäftsführer zieht sich aus "privaten Gründen" zurück

Rettig verlässt St. Pauli: Abgang eines großen Mahners

Andreas Rettig zieht sich beim FC St. Pauli zurück
Andreas Rettig zieht sich beim FC St. Pauli zurück
Foto: © unknown
25. September 2019, 11:12

Er gilt als Mahner, Streiter, kritischer Geist - jetzt ist Andreas Rettig von der Fußball-Bühne abgetreten. Zum 30. September hört der kaufmännische Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli offiziell auf.

Sein Büro hat er schon geräumt, seinen Ausstand bereits gegeben. Aus "privaten und persönlichen Gründen" zieht sich der 56-Jährige zum Monatsende zurück. Wie lange die Auszeit andauern wird, ist ungewiss. Beschlüsse der Deutschen Fußball Liga ohne einen Kommentar des kritischen Beobachters kann man sich allerdings schwer vorstellen.

Der frühere DFL-Mann sowie Ex-Sportchef des SC Freiburg, 1. FC Köln und FC Augsburg fühlt sich Moral, Gerechtigkeit und Solidarität im Haifischbecken Profifußball verpflichtet.

"Wir haben aber zu wenige Leute, die auch mal den Rücken gerade machen. Das ist dem Zeitgeist geschuldet. Keiner will mehr anecken, keiner will mehr unbequeme Dinge sagen", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Und beklagte: "Wir haben keine offene Streitkultur. Jeder fühlt sich schnell beleidigt, man wird als Nestbeschmutzer diskreditiert."

Ein Fürsprecher der kleinen Vereine

Rettig ist immer für Überraschungen gut. Nach seinem Rücktritt vom Posten des DFL-Geschäftsführers heuerte er vor vier Jahren beim Zweitligisten FC St. Pauli an.

"Mein Antrieb war immer, mich bei kleineren Vereinen einzubringen", begründete er damals den Schritt. Und er hörte auf sein Fußball-Herz: "Bei der DFL kann man keine Spiele gewinnen." Die Emotionalität des Vereinslebens habe er seinerzeit vermisst.

Dass der gebürtige Leverkusener es schaffte, unter den deutschen Top-Klubs mehrheitlich einen Bestandsschutz für die 50+1-Regel durchzusetzen, gilt als Coup. Rettig ist konsequent gegen die Übernahme der Stimmenmehrheit durch Investoren in Fußball-Kapitalgesellschaften.

Er hat viele jedoch auch prominente Gegenspieler: "Wir müssen ein bisschen aufhören, in unserer Republik diesen Populismus voranzutreiben", sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der die 50+1-Regel für ein Relikt von Fußball-Romantikern hält.

Einsatz für Umwelt und soziales Engagement

Rettig engagiert sich auch für das Thema Nachhaltigkeit im Fußball. "Wer sich seiner ökologischen und gesellschaftlichen Verantwortung im Profi-Fußball nicht bewusst ist, der sollte auch keine Lizenz mehr erhalten", sagte er in der "Bild"-Zeitung. Fußball-Bundesligavereine sind für den Manager Erlebnisstätten mit familiärer Bindung.

St. Pauli verlässt er nach vier Jahren Schaffenszeit guten Gewissens, denn er sieht den Kiezklub für die Zukunft gut aufgestellt. In Coach Jos Luhukay und Sportchef Andreas Bornemann sei "ein großartiges Duo" in der sportlichen Verantwortung, "das wird perspektivisch zum Erfolg führen, da lege ich mich fest."

Rettig selbst will sich mit Ehefrau Cordula in der Kölner Heimat mehr ins Private zurückziehen, in Stadien wird man ihn dennoch weiterhin antreffen. "Vielleicht auch mal in tieferen Ligen. Auf jeden Fall gelassener und mit Würstchen und einem Bier in der Hand", sagte er kürzlich dem "NDR"-Hörfunk.

 

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