Triumphator Egan Bernal fiel nach dem größten Tag seines Radsportlebens überglücklich Freundin Xiomara in die Arme, Emanuel Buchmann holte sich als Lohn für seinen grandiosen vierten Platz ein Küsschen von seiner Claudia ab: Nach zwei der aufwühlendsten Tage in der Geschichte der Tour de France herrschten beim deutschen Überflieger in der Höhenluft des Zielraums von Val Thorens die großen Gefühle.
Emanuel Buchmann, Sie werden bei dieser Tour de France das beste deutsche Gesamtergebnis seit 2006 erringen, wenn Sie heil in Paris ankommen. Haben Sie schon realisiert, was Ihnen da geglückt ist?
Emanuel Buchmann (26/Bora-hansgrohe): Es ist absolut geil, ein Traumergebnis. Wenn man mir das vor drei Wochen gesagt hätte, wäre ich damit mehr als zufrieden gewesen. Ich bin nicht weit weg vom Podium, das ist natürlich ein Super-Gefühl. Ich denke, ich brauche noch ein bisschen, bis ich realisiert habe, wie gut ich hier gefahren bin.
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Wie ist es Ihnen auf der letzten Bergetappe ergangen?
Heute habe ich mich nicht so gut gefühlt. Ich habe es auf dem letzten Kilometer einfach versucht, aber ich konnte es nicht durchziehen und dann muss man akzeptieren, dass es nicht das Podium wird. Eigentlich wollte ich fünf Kilometer vor dem Ziel attackieren, aber das war einfach nicht möglich.
Waren es die drei spannendsten Wochen Ihres Sportlerlebens?
Ja, auf jeden Fall die besten und mit Abstand auch das beste Ergebnis, dass ich je eingefahren habe. Ich bin absolut zufrieden, bin konstant gefahren und war bei jeder Bergetappe bei den Besten dabei. Jetzt freue mich erstmal auf Paris und dass es vorbei ist. Dann kann man das alles etwas sacken lassen.
Was wäre der nächste Karriereschritt, haben Sie zu diesem Zeitpunkt schon eine Vorstellung davon?
Bis jetzt habe ich mich jedes Jahr gesteigert, das versuche ich einfach weiter und vielleicht kann ich dann auch mal das Podium anpeilen. Vielleicht haben in den Bergen auch mal eine noch stärkere Mannschaft. Wenn man ganz vorne mitfahren will, dann braucht man ein superstarkes Team. Es macht mir Spaß und ich bin noch nicht am Ende.
Sie wirkten die ganze Zeit sehr ruhig. War da nie ein Anflug von Nervosität?
Ich habe gemerkt, dass ich supergut drauf bin, dass ich mit den Besten mitfahren kann, dass mich niemand abhängt. Das macht das Ganze natürlich auch leichter, wenn man weiß, es kann nicht viel passieren. Deshalb war ich die ganze Zeit relativ entspannt.
Gab es eigentlich mal ein wirklich brenzligen Moment?
Bei der ersten Etappe, als ich kurz vor dem Ziel gestürzt bin, das war eigentlich der brenzligste Moment, das habe ich aber gut hinter mir gelassen. Ab da lief eigentlich alles, ich war immer vorn dabei - auch auf der Windkante -, mein Team hat mich immer super vorn gehalten.




