Die erfolgsverwöhnten deutschen Biathlon-Frauen sind ohne Laura Dahlmeier in diesem Winter bisher nur Mittelmaß. Dagegen überzeugen die Männer.
Nach einem völlig verkorksten Staffelrennen war Franziska Preuß untröstlich. "Es tut mir extrem leid", sagte die 24-Jährige mit trauriger Miene und leiser Stimme, nachdem sie sich zwei Strafrunden geleistet und für die nächste bittere Enttäuschung bei den erfolgsverwöhnten deutschen Biathletinnen gesorgt hatte. Nur ein ernüchternder siebter Platz über 4x6 km - ohne ihre Vorzeigeathletin Laura Dahlmeier ist bei den DSV-Frauen im WM-Winter (noch) nichts los.
Während die Männer mit zwei Podestplätzen im österreichischen Hochfilzen erneut überzeugten, blieb das Frauenteam auch im zweiten Weltcup des WM-Winters weit hinter den Erwartungen zurück - und ebenso weit von den angestrebten Podestplätzen entfernt.
Eine neunter Platz von Franziska Hildebrand in der Verfolgung von Hochfilzen, Rang elf von Vanessa Hinz im Sprint - und dann auch noch das Debakel am Sonntag. Das DSV-Quartett war nach dem Aussetzer von Preuß beim Sieg von Italien um die starke Dorothea Wierer chancenlos. Umso größer ist die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr von Biathlon-Königin Dahlmeier.
Biathlon-Coach: "Wir sind nicht zufrieden"
Disziplin-Trainer Kristian Mehringer weiß, "dass die Ansprüche natürlich höher sind. Wir wollten in Richtung Podest angreifen. Wir sind nicht zufrieden", sagte er. Zuvor hatte er sich noch zuversichtlich gezeigt, dass die Mannschaft ihre Klasse in den nächsten Rennen "unter Beweis stellen" werde: "Wenn der Knoten platzt, geht ein Ruck durch die Mannschaft."
Dieser Ruck blieb bislang aus. "Ich hab stehend die Nähmaschine bekommen. Ich bin dagestanden und die Beine wackeln durch. Es ist bitter", sagte eine völlig geknickte Preuß. "Es gibt noch sehr viel zu arbeiten", hatte sie schon vor der Staffel erklärt. "Man darf sich keine Fehler erlauben, es wird extrem schnell geschossen. Das Feld rückt immer näher zusammen", ergänzte Denise Herrmann, "aber wir greifen wieder an".
Bald wieder mit Dahlmeier. Die siebenmalige Weltmeisterin aus Partenkirchen hatte im IBU-Cup mit Platz zwei in der Single-Mixed-Staffel ein beachtliches Comeback gefeiert. Es werde "nicht mehr so lange dauern, bis ich wieder im Weltcup starten kann", sagte die 25-Jährige bei "xc-ski.de". Selbst ein Start bei den Rennen in Nove Mesto von Donnerstag bis Sonntag erscheint nicht mehr ganz ausgeschlossen. Erste Möglichkeit eines Weltcup-Comebacks im neuen Jahr wäre Oberhof (10. bis 13. Januar).
Bei den Herren läuft es besser
Die Männer erwischten dagegen einen gelungenen Auftakt in den WM-Winter mit Platz zwei von Johannes Kühn im Einzel von Pokljuka sowie Rang drei von Benedikt Doll (Breitnau) im Sprint und dem zweiten Platz von Olympiasieger Arnd Peiffer am Samstag in der Verfolgung von Hochfilzen.
"Da können wir mehr als zufrieden sein. Dass drei verschiedene Athleten vorne lagen, zeigt, dass wir gut aufgestellt sind. Jeder hat's drauf, das ist unsere Stärke und gibt Selbstvertrauen", sagte Peiffer. Dass Erik Lesser noch nicht auf dem Podium stand, sei dessen Rückenproblemen geschuldet, fügte der Routinier an. Und Simon Schempp (Uhingen), bisher einmal Fünfter, habe auch "mehr drauf".
