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Weltmeister kommt in Stuttgart nicht in die Spur

Formkrise beim VfB: Das böse Erwachen des Benjamin Pavard

Benjamin Pavard steht mit dem VfB Stuttgart am Tabellenende in der Fußball-Bundesliga
Benjamin Pavard steht mit dem VfB Stuttgart am Tabellenende in der Fußball-Bundesliga
Foto: © getty, Christian Kaspar-Bartke
27. Oktober 2018, 10:38
sport.de
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Benjamin Pavard erlebte im Sommer sein ganz persönliches Fußballmärchen. Bei der Weltmeisterschaft in Russland ging sein Stern am großen Fußballhimmel auf, mit der französischen Nationalmannschaft holte er im zarten Alter von 22 Jahren den Titel. Doch Glanz und Gloria der WM sind heute Vergangenheit, die Gegenwart sieht für Pavard und den VfB Stuttgart wesentlich düsterer aus.

Die Szene vor dem zwischenzeitlichen 0:3 gegen Tabellenführer Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende verdeutlicht alles: Der Innenverteidiger schob einen Freistoß in der eigenen Hälfte direkt in den Fuß von BVB-Stürmer Paco Alcácer. Per Lupfer vollendete dieser freistehend vor dem Tor. Zurück blieben jubelnde Dortmunder und konsternierte Stuttgarter.

"Wenn mit Benjamin Pavard einer deiner besten Spieler so einen Fehler macht, dann ist das symptomatisch für die Gesamtsituation der Mannschaft", resümierte der neue VfB-Trainer Markus Weinzierl, der nach sieben Spieltagen den erfolglosen Tayfun Korkut auf der Bank des Tabellenvorletzten ablöste.

Doch nicht nur über das Stuttgarter Team sagt der Patzer viel aus. Er ist ebenso beispielhaft für die bisherige Saison des französischen Verteidigers.

Eklatante Fehler bestätigen Formkrise

Denn Benjamin Pavard befindet sich trotz guter Statistikwerte in einer echten Formkrise. Nicht nur gegen Dortmund schwächelte der Weltmeister, auch gegen Freiburg und Hannover verschuldete er Gegentreffer. Zudem wirkt sein Spiel in gewissen Situationen ungewohnt passiv, oft ist er den entscheidenden Schritt zu spät oder zu weit vom Gegenspieler entfernt.

Benjamin Pavard (r.) im Luftduell mit Freiburgs Nils Petersen
Benjamin Pavard (r.) im Luftduell mit Freiburgs Nils Petersen

Fragt man den Stuttgarter Sportvorstand Michael Reschke, dann kommt diese Entwicklung wenig überraschend. "Wir wussten, dass Benji nach dieser triumphalen WM eine gewisse Zeit brauchen würde, um wieder auf sein Top-Niveau zu kommen", erklärte der 61-Jährige, dem es trotz diverser Transferanfragen für seinen Schützling gelang, Pavard zumindest für ein weiteres Jahr im Ländle zu halten.

Schließlich stand die Fußball-Elite nach dem Traum-Sommer Schlange. Für die Équipe Tricolore überzeugte Pavard bei der WM als Stammspieler auf der rechten Verteidiger-Position, erzielte mit einem überragenden Volley-Schuss im Achtelfinale gegen Argentinien das vielleicht schönste Tor des Turniers. Die gesamte Fußballwelt verliebte sich in den bodenständigen Youngster aus einer armen Bergbau-Region im Norden Frankreichs.

Rasanter Aufstieg wird zur Belastung

Wie sehr ihn diese rasante Entwicklung emotional mitnahm, verdeutlichte ein Interview in der Sportschau nach dem Sieg gegen Argentinien. Seine Eltern waren per Video zugeschaltet und sagten ihm, wie stolz sie auf ihn und seinen Werdegang sind.

Vor den Augen der Welt verdrückte Pavard Tränen der Freude. Es waren die Tränen eines unbekümmerten 22-Jährigen, der es innerhalb von zwei Jahren aus der 2. Bundesliga auf die ganz große Fußballbühne geschafft hatte.

Dass dieser schwindelerregende Aufstieg für den jungen Franzosen ein wenig zu schnell kam, scheint mittlerweile mehr als deutlich. Auch wenn Pavard nach außen das Gegenteil behauptet. "Der Weltmeistertitel hat mich als Person nicht verändert", sagt der Verteidiger. "Manche Leute sehen mich mittlerweile vielleicht anders, doch ich bin noch derselbe wie vor dem Turnier."

Rolle als Führungsspieler in Stuttgart

Allerdings ist die Erwartungshaltung im Klub mittlerweile eine andere. Bei den Schwaben soll Pavard vorangehen, auf ihm lastet in der Innenverteidigung eine Hauptverantwortung. Hier muss er die Nebenleute mitreißen und die Rolle eines Führungsspielers übernehmen. Bis jetzt ist er – zumindest in dieser Saison – dieser schwierigen Aufgabe noch nicht gänzlich gewachsen.

Dass er dennoch das Talent dazu hat, steht außer Frage und ist auch der Grund, warum er wohl schon im kommenden Sommer den VfB für die festgeschriebene Ablösesumme von 35 Millionen verlassen wird. Gerüchten zufolge steht Pavard ganz oben auf der Wunschliste des FC Bayern München, auch andere Top-Klubs reißen sich um seine Dienste.

Bis es soweit ist, hoffen die Stuttgarter allerdings, dass er seine Formkrise schnellstens beenden kann, vielleicht schon am Samstag in Hoffenheim (ab 18:30 Uhr im sport.de-Liveticker). Andernfalls könnte die Saison des VfB und auch von Benjamin Pavard alles andere als "märchenhaft" werden.

Moritz Wollert

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