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Darum kehrt der Hamburger SV direkt zurück ins Oberhaus

"Bock auf 2. Liga!" Fünf Gründe für den HSV-Aufstieg

Christian Titz (r.) lässt beim HSV endlich wieder eine Handschrift erkennen
Christian Titz (r.) lässt beim HSV endlich wieder eine Handschrift erkennen
Foto: © getty, Oliver Hardt
03. August 2018, 10:21
sport.de
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Zum ersten Mal in seiner Vereinshistorie hat sich der Hamburger SV auf eine Spielzeit in der 2. Bundesliga vorbereitet. Die Debütsaison im deutschen Fußball-Unterhaus soll gleich auch die letzte werden.

Der HSV will wieder hoch, der HSV muss wieder hoch - und der HSV wird wieder hoch kommen. sport.de liefert fünf Gründe, warum der runderneuerte Nordklub den Turnaround schafft und bald wieder erstklassig spielt.

  • Das System Christian Titz greift

Unter dem neuen Cheftrainer Christian Titz fand zuletzt die vielleicht wichtigste sportliche Veränderung der letzten Jahre statt - aus Sicht der Rothosen leider etwas zu spät. Der Hamburger SV will unter dem 47-Jährigen wieder aktiv Fußball spielen, will wieder laufen und dominant auftreten. 

Während der einstige Bundesliga-Dino unter den Vorgängern Bruno Labbadia, Markus Gisdol und Bernd Hollerbach zumeist den Eindruck vermittelte, sich von der ersten Spielminute vor allem um Schadensbegrenzung zu bemühen, haben sich die kreativen Momente, die Risikobereitschaft und der Offensivdrang unter Christian Titz deutlich sichtbar erhöht.

Der Coach setzt auf ganzheitlichen Fußball, seine taktische Herangehensweise unterscheidet sich deutlich von all seinen Trainerkollegen in den letzten Jahren: Das Verteidigen beginnt in der Sturmreihe, die in unterschiedlichen Drangphasen den Gegner zeitweise schon im eigenen Spieldrittel anläuft und unter Druck setzt. Gleichzeitig beginnt das Angreifen schon auf der Torhüterposition. Julian Pollersbeck spielt bei eigenem Ballbesitz einen überaus offensiven Part und mimt als letzter Mann den Libero und Spieleröffner. 

Diese neue Herangehensweise soll nach Aussagen des Trainers weiter verfolgt werden und erntete bereits großes Lob: "Der Hamburger SV spielt das mit Pollersbeck sensationell", lobte etwa Torwart-Ikone Oliver Kahn zuletzt im "ZDF".

  • Der Positiv-Trend aus der Abstiegssaison wird fortgesetzt

Christian Titz hat es hinbekommen, trotz des ersten Abstiegs der Klubgeschichte für eine Aufbruchstimmung zu sorgen. Sein optimistisches Verständnis von Fußball hat er ins Team getragen. "Wenn ich ein grünes Spielfeld sehe, verspüre ich eine große Zufriedenheit und Lust auf Fußball. Das war immer so, und das ist auch heute noch so", zitierte das "Hamburger Abendblatt" den Trainer. 

Der Titz-HSV holte in seinen vorerst letzten Bundesliga-Auftritten zwölf Punkte aus sechs Partien. Am Ende fehlten vielleicht zwei Wochen, um die Liga halten zu können. Das gute Gefühl der ansprechenden Leistungen wurde konserviert und zuletzt mit in die Saisonvorbereitung getragen.

Mit Ausnahme des verkorksten Spiels gegen Aarhus GF vor vier Wochen (1:5) drehten die Hansestädter in den Testspielen mächtig auf, feierten gegen die Europapokal-Teilnehmer ZSKA Moskau (1:0), Rapid Wien (2:1) und AS Monaco (3:1) ebenso verdiente Siege wie gegen Stoke City (2:1) und den SV Meppen (2:1). Besonders die Generalprobe gegen Frankreichs Vizemeister AS Monaco begeisterte den Coach: "Das war der letzte Test, den wir uns gewünscht haben. Wir hätten sogar ein paar Tore mehr machen können."​​​​​

  • Die Störfaktoren sind weitestgehend beseitigt

Der neue Hamburger Sportchef Ralf Becker hatte mit Amtsantritt einen Haufen Arbeit vor sich. Wie sollte der Kader eines gescheiterten Erstligisten sinnvoll verkleinert und im besten Falle gleichzeitig verstärkt werden, um die direkte Rückkehr in die Eliteklasse zu schaffen? 

Becker machte ziemlich kurzen Prozess: Die Störfaktoren im Team wie Walace, Bobby Wood, André Hahn oder Mergim Mavraj mussten ebenso gehen wie Akteure, die den sportlichen Ansprüchen nicht mehr entsprachen. Luca Waldschmidt, Sven Schipplock, Dennis Diekmeier und Sejad Salihovic sind hier zu nennen. 

Die zurückgekehrte England-Ausleihe Pierre-Michel Lasogga darf sich nach ordentlichen Testspiel-Auftritten hingegen ebenso wie Khaled Narey Hoffnungen auf einen Stammplatz machen. Der Ex-Fürther kostete den HSV 1,7 Millionen Euro und hinterließ nicht nur mit seinem Doppelpack gegen Monaco einen starken Eindruck.

Das Grundgerüst der Hamburger um Julian Pollersbeck, Rick van Drongelen, Lewis Holtby und Aaron Hunt konnte in Gänze gehalten werden - ebenso Sturmjuwel Jann-Fiete Arp. Sportvorstand Becker hat im Sommer ohne Frage einen ordentlichen Job gemacht. 

  • Die Begeisterungsfähigkeit ist zurück 

"Ich habe richtig Bock auf die Zweite Liga!", schrie Mittelfeldstar Lewis Holtby zum Abschluss der Vorbereitungsspiele tausenden HSV-Anhängern auf dem Gelände des Hamburger Volksparks zu. Diese Haltung verkörpert offensichtlich nicht nur der laufstarke Spielgestalter der Rothosen. Auch Trainer Titz betonte zuletzt, dass sich die "Grundstimmung gewandelt habe" und bezeichnete die Atmosphäre im Umfeld als "enorm positiv".

Die Menschen haben trotz oder gerade wegen des Neustarts in Liga zwei wieder Bock auf die Raute, können sich wieder mit dem Klub und der Mannschaft identifizieren. Nach Vereinsangaben zählt der Hamburger SV seit dem Abstieg über 7.000 neue Mitglieder, für die 2. Bundesliga sollen knapp 25.000 Dauerkarten abgesetzt worden sein. 

Die Auftaktpartie gegen Holstein Kiel am kommenden Freitag war nach Klubaussagen so schnell ausverkauft wie kein Spiel zuvor, der "Ansturm war enorm".  

  • Das überschaubare Niveau der Konkurrenz 

Dass der HSV mit einem geschätzten Etat von 33 Millionen Euro den größten finanziellen Spielraum aller Zweitligisten hat, ist natürlich ein Vorteil. In Sachen Erfahrung, Marktwert, Kaderbreite und individueller Klasse nimmt der Hamburger SV gemeinsam mit Mitabsteiger 1. FC Köln eindeutig die Favoritenrolle ein.

Keiner der 16 übrigen Teams wagte es, diese Ausgangssituation öffentlich infrage zu stellen. Wer soll dem sechsfachen Deutschen Meister ernsthaft gefährlich werden? Die direkte Konkurrenz um Holstein Kiel, Union Berlin oder FC Ingolstadt muss sich nach empfindlichen Abgängen zunächst einmal selbst finden. Ob der erweiterte Favoritenkreis um VfL Bochum, FC St. Pauli oder Jahn Regensburg an die fußballerische Qualität aus Hamburg und Köln herankommen wird, darf zumindest angezweifelt werden.

Mats-Yannick Roth

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