Nach der erfolgreichen Rückkehr auf die Tour beim Turnier in Stuttgart nimmt Roger Federer die Spitze der Weltrangliste ins Visier, auch wenn ihm der Sieg gegen Mischa Zverev dabei nicht viel geholfen hat.
"Roger, Roger"-Rufe hallten noch Stunden nach dem erfolgreichen Comeback über die Anlage am Weissenhof. Eine Schar von Autogrammjägern wartete mit stoischer Geduld vor dem Spielerrestaurant auf ihr Idol und forderte mit lautstarken Rufen den Schweizer Maestro herbei. Doch Roger Federer stand zeitgleich drinnen am Buffet und setzte sich schließlich an seinen Tisch. Der 3:6, 6:4, 6:2-Auftakterfolg gegen Mischa Zverev nach zweieinhalb Monaten selbstverordneter Tennispause hatte Kraft gekostet - vor allem mental.
"Gegen einen Serve-and-Volley-Spieler wie Mischa kommt es auf die Konzentration und Geduld an", erklärte Federer: "Ich glaube nicht, dass ich viel Selbstvertrauen mitgenommen habe. Die Ballwechsel waren kurz, der Rhythmus war gleich null." Trotzdem war der Rekord-Grand-Slam-Sieger natürlich erleichtert über den Sieg: "Ich kann sehr glücklich mit dieser Rückkehr sein."
Entsprechend gut gelaunt feixte der Australian-Open-Sieger auf der Pressekonferenz über sein neues schwarz-weißes Schlägerdesign, mit dem er am Weissenhof erstmals spielt. "Ich habe Leute gehört, die gesagt haben, es wäre der Pandalook", berichtete Federer grinsend.
Fans stehen hinter Federer - und nicht Zverev
Doch der Weltranglistenzweite hat in Stuttgart auch ein ernsthaftes Interesse am Turniersieg: "Die Motivation ist riesig. Es geht um die Nummer eins der Welt und darum, hier endlich mal gut zu spielen. Deswegen ist der Druck bei mir." Im Falle seiner ersten Finalteilnahme bei seinem dritten Start in Stuttgart würde Federer French-Open-Sieger Rafael Nadal wieder von der Spitze der Weltrangliste verdrängen.
Dazu kommt die enorme Erwartunghaltung der Fans, die Federer vor allem bei Rückstand spürt. Das Stuttgarter Publikum war im Duell mit dem zehn Jahre älteren Bruder von Deutschlands Spitzenspieler Alexander Zverev klar auf der Seite des Eidgenossen. "Es ist schön, in Deutschland diese Unterstützung zu spüren, auch noch gegen einen deutschen Spieler. Das ist nicht selbstverständlich", sagte Federer.
Im vergangenen Jahr war der Australian-Open-Champion noch im Achtelfinale an seinem Kumpel Tommy Haas gescheitert. "Egal, ob man drei Monate nicht gespielt hat oder nicht: In einer ersten Runde in Stuttgart fühlt man sich nie hundertprozentig bereit. Erste Runden sind immer anders."
"Der Angriffsball war völlig gaga"
Die fehlende Matchpraxis merkt selbst so ein erfahrener und ausgekochter Profi wie Federer. Zum Beispiel als der Schweizer das entscheidende Break zum 3:5 im ersten Satz kassierte. "Da bin ich mit einem Ball durch die Mitte nach vorne ans Netz gekommen. Das habe ich noch nie gemacht in meinem Leben", sagte Federer: "Aber ich wusste in dem Moment nicht, wo ich hinspielen soll. Und dann mache ich noch einen blöden Volleyfehler, weil der Angriffsball völlig gaga war."
Am Freitag trifft Federer auf Qualifikant Prajnesh Gunneswaran aus Indien oder den Argentinier Guido Pella. Am freien Donnerstag will er im Training mit dem neuen "Panda-Schläger" weiter nach seinem Rhythmus suchen, auch wenn er beim Training auf Rasen Muskelkater im unteren Rücken und Hintern bekommt.










