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"Respektloses" Ende für deutsche Kanu-Erfolgsklasse

Franz Anton bedauert das Aus des Zweiers
Franz Anton bedauert das Aus des Zweiers
Foto: © getty, Francois Nel
31. Mai 2018, 10:44

Ein letztes Mal wird alles sein wie immer. Franz Anton und Jan Benzien werden sich ins Wildwasser stürzen, durch den Stangenwald kämpfen und am Ende vielleicht eine Medaille in der Hand halten.

Danach aber, am Samstag gegen 14:10 Uhr, ist endgültig Schluss mit einer der traditionsreichsten Bootsklassen der Slalom-Kanuten. Der Canadier-Zweier verschwindet nach der EM in Prag aus dem Programm - wohl für immer. Und nicht ohne Nebengeräusche.

"Ich kann den Ärger der Sportler absolut verstehen. Der Vorschlag des Slalomkomitees kam auch für uns überraschend", sagt Thomas Konietzko. Der Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV), gleichzeitig Vize des Weltverbandes ICF, stimmte Ende März gegen den Antrag. Vergeblich: Nur zwei Monate vor Saisonbeginn flog der C2 aus dem Programm für WM und Weltcups - und ist damit praktisch tot.

Die ICF habe "unseren Sport auf die respektloseste Art zerstört, die es gibt", schrieb Anton, gemeinsam mit Jan Benzien 2015 Weltmeister, bei Facebook und fügte sarkastisch an: "Daumen hoch." Anton ärgerte vor allem der Zeitpunkt mitten in der Saisonvorbereitung. "Man hätte das schon im letzten Herbst entscheiden müssen", sagt auch Konietzko. Er hoffe, dass die Bootsklasse irgendwie überleben werde.

"Für uns war das eine super erfolgreiche Disziplin"

Dabei verfügt kaum eine Disziplin über so viel Tradition. Seit 1949 gehörte der C2 zum WM-, seit 1992 zum Olympia-Programm. Deutsche Erfolge waren die Regel: 2003 wurden Marcus Becker und der bei Olympia 2016 tödlich verunglückte Stefan Henze ebenso Weltmeister wie Christian Bahmann/Michael Senft (2005) und Anton/Benzien (2015). Becker/Henze holten 2004 in Athen zudem Olympiasilber. "Für uns war das eine super erfolgreiche Disziplin, die die Zuschauer immer prima unterhalten hat", sagt Konietzko.

Doch die Zukunft gehört dem Mixed - weil das IOC Gleichberechtigung im olympischen Programm fordert und entsprechend Druck ausübte. Weil aber die Männer-Duos schon 2020 nicht mehr dabei sind, ging die Zahl der Teams zuletzt immer weiter zurück. "Nur noch fünf Nationen wollten einen C2 zur WM nach Brasilien schicken. Dann lohnt es nicht, einen Wettbewerb durchzuführen", sagt Konietzko, der die Entscheidung an sich versteht, den Zeitpunkt aber kritisiert.

Immerhin: Bei der EM in Tschechien gehört der Zweier trotz der Ausbootung noch einmal zum Programm. Benzien (25) beendet danach seine Karriere, Anton (28) konzentriert sich künftig auf den Einer. "Wir wollen in Prag den Abschied dieser Disziplin feiern", sagt Konietzko: "Auch wenn es nicht viel Grund zum Feiern gibt."

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