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Auflösungserscheinungen beim Mainzer "Karnevalsverein"

Sandro Schwarz und seine Mainzer taumeln der 2. Liga entgegen
Sandro Schwarz und seine Mainzer taumeln der 2. Liga entgegen
Foto: © getty, Thomas Niedermueller
10. Februar 2018, 20:18

Fußball-Bundesligist FSV Mainz 05 hält Kurs in Richtung 2. Liga. Nun erschüttern auch noch Grabenkämpfe zwischen Fans und Profis den Klub.

Die Anhänger verhöhnen die Profis, die Mannschaft boykottiert den Fanblock - der FSV Mainz 05 schaut in den Abgrund und zerfleischt sich dabei selbst: Ausgerechnet an Fastnacht hat die Stimmung beim "Karnevalsverein" seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Was sich während und nach dem 2:4 (1:1) des Fußball-Bundesligisten bei 1899 Hoffenheim abspielte, erinnerte an Auflösungserscheinungen eines Absteigers.

Zunächst skandierten die mitgereisten FSV-Fans während des Spiels die Namen alter Helden wie Jürgen Klopp, riefen "Zugabe" bei Gegentoren und stimmten "Oh, wie ist das schön" an. Als Reaktion auf die Häme verweigerten die Spieler nach dem Abpfiff den Gang in Kurve - was wiederum zu Beschimpfungen der Fans ("Wir haben die Schnauze voll", "Wir sind Mainzer und ihr nicht") führte. Am Ende durften sich alle Beteiligten durch die Grabenkämpfe als Verlierer fühlen.

"Das ist ein neues Gefühl, das kenne ich so nicht."

"Ich will nicht schon wieder eine Brandrede halten, aber mit der Stimmungslage, die wir haben, wird es nicht funktionieren", sagte Trainer Sandro Schwarz, der mit Blick auf die peinlichen Vorkommnisse ein böses Erwachen im Abstiegskampf befürchtet: "Diese Grundstimmung ist ja nicht erst seit drei Tagen so. Das ist ein neues Gefühl, das kenne ich so nicht."

Obwohl der FSV nur einen Sieg aus den vergangenen zehn Punktspielen geholt hat und mit lediglich 20 Zählern auf dem Konto auf dem Relegationsplatz steht, fordert Schwarz ein Umdenken im Umfeld. "Da, wo wir uns befinden, ist normal für unseren Verein", äußerte der Coach: "Es fühlt sich aber so an, als ob wir mit acht Punkten Rückstand Letzter und bereits abgestiegen wären. Dabei haben wir noch alle Möglichkeiten. Das sollten alle sehen."

Schröder: "Das tut weh"

Unterstützung erhielt der Coach, der seinen Profis trotz der Niederlage den Rosenmontag frei gab, von Sportvorstand Rouven Schröder. "Es kam kein Zuspruch, sondern nur Ironie - sogar als wir nochmal auf 2:3 rangekommen sind", sagte der Sportchef: "Da ist ein Gefühl abhanden gekommen. Das tut weh. In der Form ist das der falsche Weg."

Den Weg mit Schwarz will Schröder allerdings weitergehen. Trotz der Talfahrt stellte er seinem Trainer eine Jobgarantie aus. "Er hat meine volle Rückendeckung. Daran ändert sich nichts", äußerte Schröder: "Die Antennen sind draußen. Wenn etwas dagegen sprechen würde, würden wir handeln. Aber alle in der Kabine halten zusammen, das ist ein Zeichen der Geschlossenheit."

Klassenerhalt? Nicht in dieser Verfassung

Geschlossenheit könnten nach Ansicht Schröders auch die Vorfälle in Sinsheim auslösen. "Was passiert ist, kann eine Mannschaft auch zusammenschweißen", sagte der 42-Jährige: "Auch wenn viele nicht mehr an uns glauben, dürfen wir den Glauben nicht verlieren." Trotz allem will Schröder "im Sinne des Vereins" das Gespräch mit den Fans suchen.

Sportlich haben die Rheinhessen zwar eine deutlich bessere Leistung gezeigt als beim blamablen 0:3 (0:1) am Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Eintracht Frankfurt, dennoch waren die Gäste am Ende klar unterlegen. In dieser Form scheint der Klassenerhalt mehr als fraglich - trotz der beiden Tore des Dänen Emil Berggreen (28./80.).

Der frühere Mainzer Ádám Szalai (27./74.) sowie der Kroate Andrej Kramaric (67./88.) trafen vor 24.105 Zuschauern für die Kraichgauer (31 Punkte), die nach fünf Partien ohne Sieg wieder einen Dreier einfahren konnten. Einfluss auf die Zukunft von Sport-Geschäftsführer Hansi Flick, der laut Berichten vor dem Aus bei der TSG steht, dürfte der Erfolg allerdings nicht haben.

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