Verletzt, erkrankt und außer Form - ohne ihr Paarlauf-Flaggschiff Aljona Savchenko/Bruno Massot waren die deutschen Kufenkünstler bei ihrer olympischen Generalprobe nur chancenlose Mitläufer.
Während die Vize-Weltmeister es vorzogen, im heimischen Oberstdorf an ihren Programmen für Pyeongchang zu feilen, gaben die Athleten der Deutschen Eislauf-Union (DEU) bei den Europameisterschaften in Moskau ein erschreckendes Bild ab.
"Extrem enttäuscht", "völlig durcheinander", "es ging einfach nicht" - die täglichen Erklärungen waren nahezu deckungsgleich. Nur Ex-Meister Peter Liebers aus Berlin, der zu seinem letzten Wettkampf wegen Knieproblemen ebenso gar nicht erst antreten konnte wie die grippegeschwächten deutschen Eistanz-Meister Kavita Lorenz und Joti Polizoakis, durften als entschuldigt gelten.
Fentz stolpert über das Eis
Doch insbesondere die aktuelle Verfassung der Einzelläufer war knapp drei Wochen vor Beginn der Winterspiele in Südkorea besorgniserregend. Der deutsche Meister Paul Fentz aus Berlin stolperte nur über das Eis im Megasport-Palast und verspielte als 16. auch den zweiten deutschen Startplatz für die europäischen Titelkämpfe 2019 in Minsk.
Auch Nicole Schott versemmelte ihr Kurzprogramm, doch konnte die deutsche Meisterin immerhin mit der siebtbesten Kür als Gesamtzehnte gerade noch in die Top Ten laufen und erreichte zumindest punktgenau ihr Minimalziel: "Ich wollte mir beweisen, dass ich eine gute Eiskunstläuferin bin."
Hocke/Blommaert machen Hoffnung
Immerhin: Völlig blank dürfte die DEU im nacholympischen Winter nach dem erwarteten Rücktritt von Savchenko/Massot nicht dastehen. Denn EM-Rang neun im Paarlauf für die Berlinerin Annika Hocke und Ruben Blommaert aus Oberstdorf, exakt ein Jahr nach dem ersten gemeinsamen Training, war aller Ehren wert.
DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf nickte denn auch zustimmend, als das Duo zu einem verdienten Eigenlob ansetzte. "Es hätte nicht besser laufen können. Und bei Olympia wird es hoffentlich sogar noch besser", sagte der gebürtige Belgier Blommaert, und seine erst 17 Jahre alte Partnerin ergänzte strahlend: "Wir sind überglücklich."
Savchenko/Massot Rücken in den Blickpunkt
Davon konnte bei den DEU-Funktionären keine Rede sein. Ihnen blieb kaum mehr als die EM als Etappenziel abzuhaken und den Blick schnell Richtung Olympia zu richten. Denn da drängen Savchenko/Massot wieder in den Blickpunkt.
Als einzige Europameisterin von 2017 konnte Weltmeisterin Evgenia Medvedeva ihren EM-Titel nicht erfolgreich verteidigen, die Goldmedaille blieb aber dank zweier starker Programme ihrer Teamkollegin Alina Sagitowa in Russland. Wie auch im Paarlauf durch Evgenia Tarasova und Vladimir Morosov. Ebenso wie das Moskauer Duo wiederholten die französischen Eistänzer Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron sowie der spanische Ex-Weltmeister Javier Fernandez ihre Vorjahressiege.
