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Rossi: Zarco-Duelle werden "immer aggressiver"

Beim Großen Preis von Australien sorgte Johann Zarco für heiße Duelle
Beim Großen Preis von Australien sorgte Johann Zarco für heiße Duelle
Foto: © getty, Robert Cianflone
22. Oktober 2017, 12:59

Nur 16 Hundertstelsekunden trennten Johann Zarco beim Großen Preis von Australien von einem Podestplatz. Bis zur letzten Kurve duellierte sich der MotoGP-Rookie mit seinem Yamaha-Markenkollegen Valentino Rossi und Maverick Viñales, die ihn in einem packenden Zielfinish doch noch einfingen. Zarco kam hauchdünn als Vierter über die Ziellinie und verpasste sein zweites mögliches Podium der Saison.

Dennoch hatte der Franzose Grund zur Freude. Denn mit zusätzlichen 13 Zählern und einem Gesamtstand von 138 Punkten in der Weltmeisterschaft sicherte er sich vorzeitig den Titel "Rookie des Jahres". Enttäuscht war er daher ganz und gar nicht: "Nein, das wäre der falsche Weg, das Rennen zu analysieren. Auf den Sieger fehlten mir nur 1,8 Sekunden, auf das Podest, selbst den zweiten Platz fast nichts. Kein Grund, enttäuscht zu sein."

Vor allem deshalb nicht, weil er einmal mehr mit den Topfahrern kämpfen konnte und das Rennen sogar für einige Runden anführte. "Ich hatte ein gutes Gefühl, war in der Lage zu kämpfen und zu überholen", blickt Zarco zurück. "Mein Start war nicht gut, aber ich wollte zurück an die Spitze und wusste, dass ich es schaffen kann. Ich kämpfte mich durch, führte das Rennen an und versuchte wegzufahren, aber das war schwierig."

Zarco erklärt die Kollision mit Márquez

Immer wieder trug er mit anderen Piloten enge Zweikämpfe aus, mehrfach kam es zum Kontakt. Sowohl Rossi als auch der spätere Rennsieger Marc Márquez kollidierten mit der Tech-3-Yamaha des Franzosen. "Es gab ein paar heikle Momente mit Márquez", erinnert sich Zarco, "aber das gehört dazu. So erlebte ich Momente, die ich zuvor noch nie erleben durfte. Bei diesem Speed so zu kämpfen, ist einfach unglaublich."

Die Kollision mit Márquez habe er nicht vermeiden können, erklärt der 27-Jährige weiter: "Maverick überholte ihn in Kurve 4 und ich hatte fast den selben Speed, also versuchte ich es. Aber wir wissen, dass Márquez am Kurveneingang sehr stark ist. Für mich war es unmöglich, mehr zu verlangsamen, ich musste ihn berühren. Er war clever, stellte das Motorrad auf und rettete es. Es war heikel, aber er tat dasselbe später mit Valentino."

Er selbst sei von Andrea Iannone und Cal Crutchlow ähnlich hart attackiert worden, betont Zarco. Für den MotoGP-Rookie gehört das aber dazu: "Wir sind Kämpfer und wir müssen weiterkämpfen." Das tat er bis zum Schluss mit Rossi, Viñales und Iannone um Platz zwei. Immer wieder attackierte er seine Kontrahenten, was Márquez an der Spitze die Chance gab, eine Lücke aufzureißen und dem Sieg entgegen zu fahren.

Márquez: MotoGP ist besser als Formel 1

Der Weltmeister bewertet die harten Duelle in Australien ähnlich wie Zarco: "Natürlich fahren wir am Limit, aber heute war es normal. Es war aggressiv und gab Berührungen. Aber das ist Rennsport. Wenn wir das Limit senken, dann fahren wir wie in der Formel 1. Deshalb macht MotoGP so viel Spaß." Routinier Rossi, der mit Zarco in dieser Saison nicht das erste Mal aneinander geriet, sieht darin sogar eine Art Evolution.

"Insbesondere in der letzten Zeit ist das Level an Aggressivität und Berührungen stark gestiegen. Das hat vor allem mit dem Aufstieg junger Fahrer aus der Moto2 zu tun. Zarco ist immer sehr aggressiv", urteilt der Yamaha-Star und gibt zu: "Das ärgert dich, aber es ändert nichts. So ist nun einmal das Spiel. Es ist ein bisschen gefährlicher geworden, aber du musst mitspielen, wenn du nicht zu Hause bleiben willst."

Dieser Herausforderung stellt sich der "Doktor" jedoch gern: "Ich genieße es sehr. Es war ein großartiges Rennen. Ich fuhr erst mit Jack Miller und Pol Espargaro, hatte aber eine gute Pace. Gegen Zarco und Iannone zu kämpfen, war nicht leicht, denn das sind die zwei schlimmsten Fahrer, die man sich für Zweikämpfe aussuchen kann." Doch als dienstältester MotoGP-Pilot sei er froh, noch mit den jungen Wilden mithalten zu können.

Zarca demnächst auf der Werksyamaha?

Auf die Frage, ob Zarco ein geeigneter Kandidat für eine dritte Werksyamaha sei, antwortet Rossi mit einem Lächeln: "Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee für ihn wäre, unser Motorrad zu haben." Immerhin kam der Tech-3-Pilot in dieser Saison schon einige Mal vor den Werkskollegen ins Ziel. Mit seiner Performance auf Phillip Island zeigte Zarco einmal mehr, wie konkurrenzfähig er auf der Yamaha M1 des Vorjahres ist.

Es bleibt abzuwarten, wozu er mit einem Jahr MotoGP-Erfahrung in der kommenden Saison fähig sein wird. Für den Grand Prix von Malaysia ist sein Ziel klar: "Ich will wieder mit den Topfahrern kämpfen. Wenn ich mich gut fühle, kann ich vielleicht über den Sieg nachdenken. Doch heute hat sich wieder bestätigt, dass diese Jungs noch in einer anderen Liga sind. Sie analysieren so viele Dinge und das bei diesem Tempo. Beeindruckend."

Australien GP 2017

1SpanienMarc Márquez40:49.772m
2ItalienValentino Rossi+1.799s
3SpanienMaverick Viñales+1.826s
4FrankreichJohann Zarco+1.842s
5GroßbritannienCal Crutchlow+3.845s

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