Der Große Preis von Belgien war auch ohne spektakuläre Überholmanöver an der Spitze von großer Spannung und Abwechslung geprägt. Pechvogel des Wochenendes war wieder einmal Youngster Max Verstappen, der ausgerechnet bei seinem Heimspiel einen weiteren Ausfall beklagte. Das breiteste Lachen hatte am Ende des Tages erneut Daniel Ricciardo, der sich unsere Auszeichnung "Überholmanöver des Wochenendes" sicherte. Die Gewinner und Verlierer des Wochenendes.
Die Gewinner des Wochenendes:
Daniel Ricciardo. Der Typ holt raus, was rauszuholen ist! Eigentlich hatten die Red Bulls vom Speed her keine großen Chancen, in Belgien auf das Siegerpodest zu fahren. Dass es Daniel Ricciardo dennoch zum insgesamt sechsten Mal in dieser Saison auf das Podium geschafft hat, ist erneut seiner coolen Fahrweise und einem guten Timing zu verdanken.
Nachdem er auch dank des nötigen Glücks bereits auf Platz vier nach vorne gespült wurde, setzte er direkt nach der Safety-Car-Phase zum Manöver gegen Valtteri Bottas an. Der erfolgreiche Überholvorgang war die beste Szene des Rennens. Zu Recht holte sich der Australier das Lob von Teamchef Christian Horner ab: "Daniel ist heute ein phänomenales Rennen gefahren."
Felipe Massa. Platz acht in den belgischen Ardennen. Klingt gar nicht so spektakulär. Doch unter Berücksichtigung der tadellosen Leistung des brasilianischen Routiniers gewinnt diese Platzierung im vorderen Mittelfeld enorm an Wert. In allen freien Trainings und im Qualifying wurde deutlich, dass die Williams-Boliden in Spa nicht viel zu bestellen haben würden. Platz 16 in der Startaufstellung war für Massa bei seinem Comeback das ernüchternde Ergebnis.
Die Performance im Rennen war dann aber aller Ehren wert. Nach einer fehlerfreien Vorstellung und tollen Rundenzeiten besonders im zweiten Stint arbeitete sich der 36-Jährige immer weiter nach vorne. Nach dem Force-India-Crash fuhr er in die Punkteränge und verteidigte den achten Platz bis zum Ende. Massa selbst jubelte: "Ich bin so glücklich über mein Rennen, es war wie ein Sieg." Wir stimmen zu!
Nico Hülkenberg. Auch der Renault-Mann holte erneut das Maximum heraus und ließ sich nach dem Rennen vom Team zu Recht feiern. Der sechste Platz hinter den Spitzenpiloten war ein weiteres großes Ausrufezeichen des 30-Jährigen, der damit schon zum sechsten Mal das Punkteeichhörnchen mimte.
Wieder durfte sich Hulk über eine Top-Platzierung freuen, was nach einem verpatzten Start fast schon unerreichbar erschien. Mit großer Zufriedenheit reiste Hülkenberg aus Belgien ab: "Ich würde sagen voll im Soll, alles erreicht, was möglich war." Vor allem der Rad-an-Rad-Fight mit Fernando Alonso und Esteban Ocon in der zweiten Runde bleibt in Erinnerung.
Die Verlierer des Wochenendes:
Force India. Was ist bitte mit den beiden Force-India-Piloten Esteban Ocon und Sergio Pérez los? Vom Potenzial des Autos sind in jedem Rennen Punkteplatzierungen drin - für beide! Doch zum wiederholten Male gerieten die beiden Dauer-Streithähne im direkten Duell aneinander und fuhren sich in Spa gleich zweimal gegenseitig ins Fahrzeug. Die zweite Berührung vor Eau Rouge in Runde 30 endete mit dem Ausfall Peréz' und der Safety-Car-Phase. Esteban Ocon schleppte sich noch als Neunter ins Ziel.
Statt einer Aussprache kam es im Anschluss zu gegenseitigen Schuldzuweisungen. "Er wollte mich umbringen", beklagte Esteban Ocon etwa. Nicht zum ersten Mal haben die beiden Fahrer mit ihrem Egoismus das Rennwochende des kompletten Teams kaputt gemacht und um dessen verdienten Lohn gebracht. Teaminterne Sanktionen sollen nicht mehr ausgeschlossen werden - und wären absolut verständlich.
Max Verstappen. Für sein Heimspiel hatte sich der in Belgien geborene Niederländer besonders viel vorgenommen. Extra mit einem Oranje-Helm am Start, konnte sich Verstappen der Unterstützung zehntausender holländischer Motorsportfans sicher sein. Startplatz fünf machte dem 20-Jährigen dann auch viel Hoffnung. Doch damit war es schon nach neun Runden vorbei.
Mit fehlender Motorenleistung musste Verstappen seinen Red Bull auf Platz fünf liegend abstellen und bereits den sechsten Ausfall in dieser Saison verkraften. Einfach nur frustrierend! "Was soll ich sagen? Mir tut es so leid für all die Fans! Sie waren das Highlight meines Wochenendes", schrieb der Youngster zum Abschluss. Eines kann sich Verstappen wenigstens sicher sein: Seine Fans werden wiederkommen!
Fernando Alonso. Der zweite Pechvogel der Saison heißt Fernando Alonso. Schon der erste Rennabschnitt war für den zweimaligen Weltmeister einfach zum Vergessen. Nachdem er von einem ordentlichen zehnten Platz ins Rennen gegangen war, schoss er zunächst auf Platz sieben nach vorne. Dann wurde er von einem Fahrer nach dem anderen geschluckt und fand sich letztlich nur noch auf Rang zwölf wieder. Dem McLaren fehlte einfach die Power, Alonso meinte via Funk vollkommen frustriert: "Peinlich, wirklich peinlich!"
Nachdem eine Top-Ten-Platzierung aufgrund des fehlenden Topspeeds praktisch ausgeschlossen war, stellte Alonso seinen McLaren in der 25. Runde mit angeblichen Motorenproblemen ab. Der Defekt schien ziemlich inszeniert, womöglich hatte der stolze Spanier schlichtweg keinen Bock mehr, mit einem nicht-konkurrenzfähigen Wagen der Musik um mehrere Strophen hinterherzufahren. Alles in allem eine bittere Vorstellung!
Mats-Yannick Roth


