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Boateng: "Ich bin sauer und angepisst"

Kevin-Prince Boateng zeigte sich frustiert nach der Frankfurt-Pleite
Kevin-Prince Boateng zeigte sich frustiert nach der Frankfurt-Pleite
Foto: © Darius Simka
27. August 2017, 11:55

Einen Fredi Bobic in Bestform könnte Eintracht Frankfurt in diesen Tagen gut gebrauchen. In seiner früheren Karriere als Stürmer schoss der heutige Sportvorstand des Vereins stolze 108 Bundesliga-Tore.

Das maßgeblich von Bobic zusammengestellte Frankfurter Team tut sich in dieser Disziplin deutlich schwerer. Nach der 0:1 (0:1)-Niederlage im ersten Saison-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg rechnete Trainer Niko Kovač haarklein vor: "Wir haben heute sieben glasklare Chancen gehabt. Wir haben in Freiburg fünf glasklare Chancen gehabt. Und wir haben in zwei Spielen schon viermal Aluminium getroffen." Allein: Die Eintracht schoss in dieser Bundesliga-Saison noch kein einziges Tor. Das verschwenderische 0:1 gegen Wolfsburg folgte auf ein 0:0 beim SC Freiburg.

"Ich bin sauer und angepisst", sagte der neue Star Kevin-Prince Boateng dazu. Sein Startelf- und Heimdebüt für den neuen Verein ging vor 46 000 Zuschauern ganz nebenbei ja auch noch in die Hose.

"Müssen kein Trübsal blasen"

Niko Kovač war früher auch mal ein erfolgreicher Spieler. Im Gegensatz zu Bobic stellte er sich dem Gegner aber lieber im defensiven Mittelfeld in den Weg. Ganz in dieser Tradition warf sich der 45-Jährige am Samstag auch in jede Kritik an seiner Mannschaft. "Jetzt werden viele sagen: Wenn man das Tor nicht trifft…", meinte er. "Aber die Anzahl der Chancen stimmt mich froh. Wir müssen jetzt kein Trübsal blasen. Ich bin weiter optimistisch."

Trotz dieser Einschätzung ist die Lage in Frankfurt eher diffus. Im Grunde ist man bei der Beurteilung dieses neuformierten Teams nach zwei Bundesliga-Spielen genauso schlau wie nach den ersten beiden Wochen der Saison-Vorbereitung. Noch immer weiß niemand so genau, wie stark die Eintracht ist und was sich von ihr erwarten lässt.

Ausbeute zu gering?

Auch aus dem Spiel gegen Wolfsburg konnte jeder das herauslesen, was er wollte. Niko Kovač meinte: "Wir spielen nach vorn. Wir haben zwei Stürmer und zwei offensive Achter auf dem Platz. Fußballerisch hat die Mannschaft gezeigt, dass sie in der Bundesliga mithalten kann."

Die Gegenposition ist: Die Eintracht hat jetzt gegen einen Beinahe-Absteiger (Wolfsburg) und gegen den Verein mit dem geringsten Bundesliga-Etat (Freiburg) gespielt, der obendrein im Sommer seine beiden besten Spieler verlor. Da ist die Ausbeute mit einem Punkt und keinem Tor doch eher gering. Gerade an diesem Samstag war es beinahe grotesk, wie wenig die "Wölfe" tun mussten, um dieses Spiel durch ein frühes Tor von Daniel Didavi in der 22. Minute zu gewinnen.

Es fehlen die Impulse

Über die Frankfurter Neuzugänge, immerhin elf an der Zahl für fast 20 Millionen Euro verpflichtet, lässt sich genauso diskutieren. Gerade der teuerste von ihnen (Sebastien Haller) deutete sein großes Potenzial an. Aber die gestandenen Profis, die im Zentrum spielen und diese Elf stabilisieren sollen? Mit Gelson Fernandes, Jonathan de Guzman und Boateng stand am Samstag die Erfahrung von insgesamt fünf WM-Teilnahmen und 26 Karrierestationen auf dem Platz. Neue Impulse oder eine spielerische Linie gaben sie der Eintracht (noch) nicht.

Boateng begann im Angriff und wechselte später ins Mittelfeld, fiel aber in 90 Minuten nur einmal richtig auf: Kurz nach dem 0:1 wurde er im Strafraum gefoult (28.). Der Schiedsrichter pfiff zunächst Elfmeter, nahm diese Entscheidung aber nach dem Einsatz des Videobeweises wieder zurück. Boateng stand bei der Aktion im Abseits.

"Ich habe ihn gut gesehen, wie alle anderen auch. Er wollte heute zeigen und hat heute auch gezeigt, dass er der Mannschaft weiterhilft", meinte Kovač. Der Trainer fügte aber noch hinzu: "Ich würde bitte, dass wir nicht immer nur über den Prince sprechen. Wir haben noch zehn andere Spieler auf dem Platz."

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