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"Stolz wie Bolle": Vetter erfüllt die Gold-Mission

Johannes Vetter hat seine Gold-Mission erfüllt
Johannes Vetter hat seine Gold-Mission erfüllt
Foto: © getty, Patrick Smith
13. August 2017, 13:47

Erst kullerten dicke Freudentränen, dann ließ Johannes Vetter für die Fotografen seine Muskeln spielen, und schließlich sprang der neue Speerwurf-Weltmeister seinem Trainer Boris Obergföll in die Arme.

"Ich bin stolz wie Bolle. Was Boris und ich in den letzten drei Jahren auf die Beine gestellt haben, ist unbeschreiblich", sagte der 24-Jährige, nachdem er in einem knüppelharten WM-Finale von London seinen Gold-Traum wahr gemacht hatte.

Vetters Triumph war einer mit Ansage, dennoch sorgte dieser bei dem Hünen aus Offenburg für ein gepflegtes Gefühlschaos. "Auf meinen Schultern lag ein immenser Druck. Nach meinem deutschen Rekord und den 91,20 m in der Quali war ja für jeden klar, wer hier Gold holt", sagte Vetter.

Dem Druck hielt er stand: 89,89 m gleich im ersten Versuch reichten, um in einem wahren Krimi knapp vor dem Tschechen Jakub Vadljech (89,73) zu siegen. Dessen Landsmann Petr Frydrych (88,32) schnappte Olympiasieger Thomas Röhler (88,26) im letzten Versuch Bronze mit sechs Zentimetern vor der Nase weg. Andreas Hofmann wurde Achter. Aus dem Dreifachsieg, mit dem die als Nummer eins bis drei der Welt nach London gereisten deutschen Werfer geflirtet hatten, wurde nichts.

"Scheißegal. Ich wollte Gold"

"Dass Thomas mit einem Super-Wettkampf nur Vierter wird, das tut mir echt leid für ihn. Ich hätte gerne mit ihm zusammen auf dem Podium gestanden", sagte Vetter. Auch er selbst, der im Juli den deutschen Rekord auf 94,44 m gesteigert hatte, kam im Nervenspiel nicht ganz an sein Bestniveau heran. Das war Vetter aber "scheißegal. Ich wollte Gold, und wenn ich das heute mit 85 geholt hätte, wäre es auch okay gewesen."

Röhler bemühte sich um Gelassenheit, eine gewisse Verbitterung war ihm aber anzumerken - und eine kleine Spitze konnte er sich nicht verkneifen. "Ich weiß, wie sich so ein Sieg anfühlt. Aber Olympiasieger, das ist dann doch noch mal eine andere Hausnummer", sagte der, genau: Olympiasieger, "ich hatte viele gute Würfe. Es fehlten heute Kleinigkeiten."

Giftpfeile in Richtung Dresden

Vetter, anders als der feingliedrige Röhler ein Kraftprotz mit Obelix-Armen, blickte gegen Mitternacht mit tiefer Genugtuung auf die vergangenen Jahre seit seinem Wechsel aus Dresden, wo er sich nicht ausreichend gefördert sah, zu Obergföll nach Offenburg zurück. "Die in Dresden werden sich jetzt gewaltig in den Arsch beißen, und das sollen sie auch ruhig tun", sagte der Weltmeister: "Ich bin einfach dankbar für die Unterstützung, die mir jetzt in Offenburg entgegenkommt."

Unter Boris Obergföll, der, als er noch Boris Henry hieß, vor ziemlich genau 20 Jahren 90,44 m warf, steigerte sich Vetter binnen drei Jahren um rund 15 Meter. Er fühlt sich beim Bundestrainer und dessen Frau Christina Obergföll, der Speer-Weltmeisterin von Moskau 2013, pudelwohl. "Christina hat mir vor dem Wettkampf hier gesagt, hol' dir das Ding, du hast es drauf, hast es so verdient", meinte Vetter.

Weltmeister Vetter ist 24, Olympiasieger Röhler und Hofmann sind 25 Jahre alt, kommen damit gerade erst ins beste Werfer-Alter. Der deutschen Speer-Dynastie könnte auf dem Weg zu Olympia 2020 in Tokio und darüber hinaus eine glänzende Zukunft bevorstehen. "Ich denke, dass wir die Speerwurf-Welt in den nächsten Jahren begeistern werden", sagte Vetter.

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