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Torjäger, KZ-Insasse, Alkoholiker

Das tragische Schicksal von Bayerns erstem Meistermacher

Oskar Rohrs staubiger Elfmeter für den FC Bayern im Finale 1932
Oskar Rohrs staubiger Elfmeter für den FC Bayern im Finale 1932
Foto: © unknown
12. Juni 2020, 16:27
sport.de
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Am 12. Juni 1932 feiert der FC Bayern München seine erste deutsche Meisterschaft. Denkwürdig bis heute: der "staubige" Elfmeter von Oskar Rohr, der dem späteren Rekordmeister den Titel letztlich ermöglicht. Anschließend bestimmen die Nazis über das Schicksal des jungen Stürmers.

"Ossi, du musst schießen, ich habe die Nerven nicht", sagt Kapitän Conny Heidkamp nervös zu Oskar Rohr. Der gerade einmal 20-jährige Angreifer soll den so wichtigen Elfmeter im Finale um die Deutsche Meisterschaft 1932 für den FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt schießen. Bayerns Spielführer hält dem Druck nicht Stand. Wie soll ausgerechnet der Youngster das dann schaffen?

Doch Ossi überlegt nicht lange. Der Stürmer legt sich den Ball zurecht, läuft an – und tritt in den Boden. Die Kalkmarkierung des Elferpunktes staubt, weißes Pulver umhüllt Rohrs Füße.

Aber der Schreckmoment dauert höchstens eine Millisekunde. "Denn durch den Stoß in die Erde bekam sein Fuß eine andere Richtung", berichtet Mitspieler Sigmund Haringer später. "Hätte Rohr den Ball direkt getroffen, hätte er ihn dem guten und aufmerksamen Schmitt vor den Bauch gesetzt."

So erreicht Eintracht-Torhüter Ludwig Schmitt den Ball mit seiner linken Faust nicht mehr. Der FC Bayern geht in der 36. Minute vor 55.000 Zuschauern im Stadion des 1. FC Nürnberg mit 1:0 in Führung.

In der 75. Minute legt Franz Krumm das 2:0 nach und entscheidet das Spiel damit zugunsten der zeitweise drückend überlegenen Mannschaft von Trainer Richard "Domby" Kohn. Der FC Bayern ist am 12. Juni 1932 erstmals in seiner Geschichte deutscher Meister.

Oskar Rohr geht in die Geschichte des FC Bayern ein

Das Bild vom "staubigen Elfmeter" Oskar Rohrs geht in die glanzvolle Geschichte des heutigen deutschen Rekordmeisters ein. Und Rohr ist der neue Star am deutschen Fußball-Himmel.

1912 in Mannheim geboren geht sein Stern bald auf, ab 1930 beweist er seine Torjägerqualitäten bei den Bayern. Bereits in der zweiten Saison gelingt mit der Meisterschaft der große Wurf. Fünf Treffer in vier Endrundenspielen steuert Rohr bei, eine überragende Quote.

Nicht von ungefähr wird der Shooting-Star von Bundestrainer Otto Nerz in die Nationalmannschaft eingeladen. Auch hier glänzt Ossi zwischen 1932 und 1933 mit fünf Toren in vier Spielen.

Nazis vertreiben Rohr aus Deutschland

Die so herausragend begonnene Karriere im Dress Deutschlands findet aber ein jähes Ende, als die Nazis die Macht an sich reißen. Bayerns Held Oskar Rohr muss seine Heimat verlassen. Mehr oder weniger freiwillig wird er zum ersten deutschen Auslandsprofi.

"Ossi Rohr war ein völlig unpolitischer Mensch", sagte Fußballhistoriker Karl-Heinz Schwarz-Pich später der "Süddeutschen Zeitung": "Er wollte als junger Mann unbedingt Profi werden, und weil die Nazis bezahlten Sport als undeutsch ablehnten, musste er dafür ins Ausland."

Rohr geht 1933 in die Schweiz und 1934 nach Frankreich zu Racing Strasbourg. Der ehemalige deutsche Stürmerkönig gilt nun als "Fahnenflüchtiger" und wird nie wieder zur Nationalmannschaft eingeladen.

Doch in Frankreich findet er sein Glück. Nachdem er als Willkommensgeschenk ein Cabrio erhält, schießt er die Division 1, die höchste französische Liga, völlig auseinander. In fünf Jahren knipst Rohr satte 117 Mal. Bis heute ist er der beste Torjäger in Racings Geschichte, die Straßburger lieben ihren Oskar.

Oskar Rohr in den Wirren des Zweiten Weltkriegs

1939 beginnt der Krieg und Oskar Rohrs Spuren verlaufen sich. Entweder flüchtet er in Frankreichs Süden oder er wird 1940 von den Nazis geschnappt. Als relativ sicher gilt, dass Rohr 1942 für kurze Zeit ins KZ Kislau nahe Karlsruhe muss.

Nach wenigen Tagen wird er an die Ostfront geschickt und dort im Kampf angeschossen. Angeblich erkennt ihn ein Pilot und Bayern-Fan wieder und fliegt ihn zurück nach Deutschland. Für Rohr ist der Krieg beendet.

Doch den Folgen seines durch die Nazis und den Krieg verursachten persönlichen Niedergangs kann Oskar Rohr nicht entfliehen. Bis 1949 kickt er zwar unter anderem noch für den VfR und Waldhof Mannheim, doch Rohr ist ein gebrochener Mann. Er hat zunehmend mit Alkoholproblem zu kämpfen.

Nach seiner aktiven Karriere arbeitet er in der Mannheimer Verwaltung, in der Stadt gilt er als Held. Am 8. November 1988 stirbt Oskar Rohr, Bayerns Meistermacher von 1932.

Florian Pütz

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