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Degenkolbs Rückkehr in die "Hölle des Nordens"

John Degenkolb freut sich auf Pari-Roubaix
John Degenkolb freut sich auf Pari-Roubaix
Foto: © getty, Doug Pensinger
06. April 2017, 14:09

Mit viel Vorfreude kehrt John Degenkolb am Sonntag an den Ort seines größten Triumphs zurück. Bei Paris-Roubaix, in der "Hölle des Nordens", erwartet ihn jedoch eine Tortur.

Im Norden Frankreichs, heißt es in Marseille, Toulouse und Nizza, ist die Landschaft rau und schroff, und seine Bewohner sind es gleich mit. Niemand aus dem "Midi", dem sonnigen Süden, so das gängige Klischee, reist freiwillig in diese gar entsetzliche Gegend.

John Degenkolb macht sich nichts aus den Vorurteilen und dem Nord-Süd-Konflikt der Franzosen - im Gegenteil: Der deutsche Radprofi kennt dieser Tage kaum ein schöneres Ziel als die Region Hauts-de-France an der Grenze zu Belgien. "Ich habe dort den schönsten Tag meiner Karriere erleben dürfen. Die Erinnerungen sind sehr präsent", sagte Degenkolb dem "SID".

2015 gewann der 28-Jährige im legendären Vélodrome André Pétrieux das Traditionsrennen Paris-Roubaix, die "Königin der Klassiker" - als erster Deutscher seit 119 Jahren. Bei der 115. Auflage am Sonntag kehrt der Profi des Teams Trek-Segafredo erstmals zurück.

Degenkolb: Unfall "war eine große Enttäuschung"

"Mein Selbstvertrauen ist gut. Ich fühle mich bereit", sagt Degenkolb, der zwei lange Jahre auf die Rückkehr warten musste. Im Januar 2016 wurde er im Trainingslager bei einem Frontalcrash mit einer unachtsamen britischen Autofahrerin schwer verletzt. Er erlitt Knochenbrüche und verlor beinahe einen Teil des Zeigefingers.

Der Unfall kostete Degenkolb, der 2015 auch bei Mailand-Sanremo triumphiert hatte, Nerven, Kraft und die Teilnahme an den Frühjahrsklassikern. "Die Möglichkeit verpasst zu haben, mit der Startnummer 1 ins Rennen zu gehen, war eine große Enttäuschung", sagt er. Paris-Roubaix war auf dem steinigen Weg zum Comeback dennoch stets eine der größten Motivationshilfen. Die Bilder seines Erfolges und seines Jubels im Velodrom seien stets präsent gewesen, "im Krankenhaus, und auch jetzt vor dem Rennen wieder".

Kopfsteinpflaster erschwert den Höllenritt

"L'Enfer du Nord", die "Hölle des Nordens", wurde das Rennen aufgrund der im Ersten Weltkrieg entstandenen Verwüstungen in der Region getauft. 100 Jahre später sind die Wunden in der Landschaft weitgehend verheilt, seinen martialischen Beinamen trägt Paris-Roubaix aus Sicht der Fahrer trotzdem noch zurecht.

257 km müssen Degenkolb und Co. am Sonntag zwischen Compiègne und Roubaix bewältigen, davon 55 km auf den insgesamt 29 berühmt-berüchtigten Kopfsteinpflasterpassagen (Pavés). Die Schneise im Wald von Arenberg oder die Pavés Mons-en-Pévèle und Carrefour de l'Arbre in Gruson haben zur Legendenbildung um den bedeutsamsten Radsport-Klassiker beigetragen.

Fahrer, die den holprigen Höllenritt dreckverschmiert, aber erfolgreich beenden, berichten von tauben Fingern und tagelangen Schmerzen. "Es ist eines der härtesten Rennen und mit nichts zu vergleichen", sagt Degenkolb.

Allein das Erreichen des Ziels ist ein Erfolg, auf den Sieger wartet im Velodrom ein Pflasterstein als Trophäe. Einen dieser Steine besitzt John Degenkolb bereits, einen weiteren möchte er "am liebsten mit nach Hause nehmen". Das würde auch seinen zweijährigen Sohn Leo Robert freuen: "Er hat gesagt: wir holen uns den zweiten Stein." John Degenkolb hat einen Auftrag.

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