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St. Pauli trotzt Zeitgeist: Vertrauen in Lienen

Ewald Lienen (l.) soll St. Pauli zusammen mit Olaf Janßen (r.) aus der Krise führen
Ewald Lienen (l.) soll St. Pauli zusammen mit Olaf Janßen (r.) aus der Krise führen
Foto: © getty, TF-Images
25. Januar 2017, 13:21

Steckt ein Verein in der Krise, rollt meistens der Kopf des Trainers. Nicht so bei Zweitligist FC St. Pauli: Die Hamburger halten an Ewald Lienen fest.

Der Kampf um den Klassenerhalt als Experiment gegen den zeitgenössischen Trend: Trotz einer Hinrunde zum Vergessen geht Zweitliga-Schlusslicht FC St. Pauli das schwierige Projekt Klassenerhalt mit seinem Kulttrainer Ewald Lienen an - und wird damit auch in der sportlichen Krise einmal mehr seinem Image des "etwas anderen Klubs" gerecht.

"Wir tun das aus Überzeugung", sagte Präsident Oke Göttlich bei "Sky Sport News HD", "wir handeln nicht antizyklisch, um antizyklisch zu handeln. Wir sind ein Profi-Fußballverein, der um die Existenz im Profi-Fußball kämpft."

Auch der Klub von der Reeperbahn kann nicht nur auf reine Fußballromantik setzen. Das weiß auch Lienen, der trotz der besonderen Verbundenheit schnell sportliche Argumente präsentieren muss: "Wir befinden uns im Überlebenskampf", sagte der 63-Jährige vor dem Auftakt im neuen Jahr gegen den VfB Stuttgart am Sonntag (13:30 Uhr). Die Hypothek vor Beginn der Rückrunde ist groß: Lediglich elf Punkte und zwei Siege stehen bislang zu Buche.

Janßen soll Lienen helfen

Trotzdem glauben die Hanseaten weiter an die Wende mit Lienen und fallen mit ihrem unkonventionellen Verhalten aus der Reihe: Sechs Zweitligisten wechselten in der laufenden Spielzeit bisher ihren Trainer - fünf von ihnen befinden sich im Klassement auf den unteren Rängen. In der Bundesliga gab es sieben Trainerwechsel - allesamt im Tabellenkeller.

Das Vertrauen in Lienen, dem mit Olaf Janßen im Verlauf der Hinrunde ein neuer Co-Trainer an die Seite gestellt wurde, ist weiter groß. Immerhin war es der Fanliebling, der dem Verein nach seiner Amtsübernahme vor zwei Jahren erst den Klassenerhalt und dann einen beachtlichen Höhenflug und Fastaufstieg beschert hatte.

Drei Zähler auf die Nicht-Abstiegsränge

Der Klassenerhalt in dieser Saison ist kein unmögliches Unterfangen. Auch wenn die Hanseaten bereits den zehnten Spieltag in Serie ganz unten stehen - der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt nur drei Zähler. Zum Hinrundenende holten die Norddeutschen immerhin fünf Punkte aus drei Partien und verstärkten sich zudem in der Winterpause mit Johannes Flum (Eintracht Frankfurt), Mats Møller Dæhli (SC Freiburg) und Rückkehrer Lennart Thy (Werder Bremen).

"Ich habe ein sehr gutes Gefühl", sagte Lienen trotz zweier Niederlagen bei den letzten Tests im Trainingslager im südspanischen Sotogrande gegen den Schweizer Zweitligisten FC Zürich (0:2) und Champions-League-Teilnehmer Dynamo Kiew (1:3).

Dieses Gefühl wird Lienen nun aber mit Punkten bestätigen müssen. Denn dass der "etwas andere Verein" auch bei einer Fortsetzung der sportlichen Talfahrt mit Nibelungentreue an ihm festhält, ist eher nicht zu erwarten.

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