Es geht auch ohne Fabian Hambüchen: Weltcup-Debütantin Carina Kröll hat beim Turnier der Meister in Cottbus Kunstturn-Geschichte geschrieben und ist in die Fußstapfen des Reck-Olympiasiegers getreten.
Weniger überraschend war der Triumph für Andreas Bretschneider am Reck. Der Olympiateilnehmer aus Chemnitz siegte am Königsgerät und konnte es sich sogar leisten, auf den von ihm erfundenen "Bretschneider" zu verzichten.
Die erst 15 Jahre alte Nachwuchsturnerin Kröll holte am Boden beim 41. Turnier der Meister den ersten deutschen Sieg an diesem Gerät überhaupt. Hambüchen hatte sich an gleicher Stelle und am gleichen Gerät 2008 durchgesetzt. Den Triumph des Deutschen Turner-Bundes vervollständigte die Karlsruherin Leah Grießer mit dem zweiten Platz.
Dass das Boden-Finale der Frauen drei Monate nach den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro nicht absolut hochklassig besetzt war, tat der Begeisterung der 2000 Zuschauer in der Lausitz-Arena keinen Abbruch. Schon am Schwebebalken überzeugte Kröll mit Rang zwei.
Die Jüngste ist auch die Beste
"Ich wollte Leah den Sieg nicht wegschnappen. Aber dass ich mit 15 Jahren diese Goldmedaille gewonnen habe, ist total toll", sagte Kröll, jüngste Teilnehmerin beim Traditionsturnier in der Lausitz.
Für eine positive Überraschung aus deutscher Sicht hatte schon am Samstag Nick Klessing gesorgt. Der Junioren-Europameister an den Ringen überzeugte nicht nur Bundestrainer Andreas Hirsch mit einem mutigen Vortrag an seinem Spezialgerät, der ihn bis auf den dritten Platz führte.
"Mit diesem Erfolg will ich andere motivieren, dass es für die deutschen Turner weiter vorangeht", sagte der 18 Jahre alte Hallenser selbstbewusst. Und kassierte auch dafür ein Lob vom Chefcoach. Hirsch: "Cottbus war eine Chance für junge Turner, international heranzukommen. Nick hat diese Gelegenheit genutzt."
Rückschlag für Janas
Sorgenkind des DTB bleibt indes Kim Janas. Das Ausnahmetalent aus Stuttgart verletzte sich in der Qualifikation erneut am Knie. Erst nach intensiven Untersuchungen in den kommenden Tagen wird feststehen, ob sich die 16-Jährige nach einer verletzungsbedingten Zwangspause von 18 Monaten erneut in Geduld üben muss.
Nachdem der Turnweltverband FIG dem "Turnier der Meister" erstmals den Weltcup-Status zugebilligt hatte, wird die Traditionsveranstaltung bis einschließlich 2019 stets Ende November stattfinden. "Ein echter Ritterschlag für die Lausitz", erklärte Wolfgang Willam, Sportdirektor des DTB.
Zur Weltcupserie zählt aber nach wie vor auch der DTB-Pokal in Stuttgart. Dort werden allerdings Mehrkämpfe ausgetragen, die nächste Auflage steht für März 2017 im Wettkampfkalender.
Kunstturnen, Turnier der Meister in Cottbus (Weltcup),
Männer:
Sprung: 1. Igor Radiwilow (Ukraine) 15,266 Punkte, 2. Adrian Mora (Spanien) 14,633, 3. Tomi Tuuha (Finnland) 14,583, 4. Vitalijs Kardasovs (Lettland) 13,899, 5. Miguel Zapata (Spanien) 13,883, 6. Botond Kardos (Ungarn) 13,499, 7. Sebastian Gawronski (Polen) 13,400, 8. Yusuke Saito (Japan) 6,500.
Barren: 1. Yuya Kamoto 15,366, 2. Naoto Hayasaka (beide Japan) 14,566, 3. Alen Dimic (Slowenien) 14,633, 4. Lukas Dauser (Unterhaching) 14,366, 5. Adam Babos (Ungarn) 13,933, 6. Andres Martin 13,533, 7. Joel Rodriguez (beide Spanien) 13,333, 8. Kardos 13,233.
Reck: 1. Andreas Bretschneider (Chemnitz) 15,166, 2. Kamato 15,100, 3. Dimic 14,566, 4. David Vecsernyes (Ungarn) 14,500, 5. Nestor Abad (Spanien) 14,333, 6. Rokas Guscinas (Litauen) 14,066, 7. Andreas Jursch (Cottbus) 13,233, 8. Mora 12,733.
Frauen:
Schwebebalken: 1. Zsofia Kovacs (Ungarn) 13,933, 2. Carina Kröll (Berkheim) 13,266, 3. Dorina Böczögö (Ungarn) 13,066, 4. Leah Grießer (Karlsruhe) 12,800, 5. Angelina Kysla (Ukraine) 12,666, 6. Tinna Bergthorsdottir (Island) 10,900, 7. Emily Little (Australien) 10,766, 8. Valerija Grisane (Lettland) 10,633.
Boden: 1. Kröll 13,700, 2. Grießer 13,633, 3. Little 13,533, 4. Böczögo 13,033, 5. Kovacs 12,866, 6. Kysla 12,833, 7. Tinna Odinsdottir 11,666, 8. Agnes Suto (beide Island) 11,500.