Dieser Schock saß tief, sehr tief! Am Dienstagmittag gab der Deutsche Leichtathletikverband offiziell bekannt, welche Athleten er für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im August nominiert. Nicht dabei: Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor.
Das Ausscheidungsrennen "Drei aus Vier" hatte sich in den letzten Monaten immer weiter zugespitzt. Katharina Molitor galt bei ihrem WM-Titel im Herbst 2015 noch als sichere Anwärterin auf eines der drei deutschen Rio-Ticket für den Speerwurf. Doch in den letzten Wochen holten ihre Konkurrentinnen Christin Hussong, Linda Stahl und Christina Obergföll immer weiter auf und übertrumpften die 32-Jährige sogar. Die Saisonbestweiten der drei lagen allesamt über denen von Molitor.
Dass es letztlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Leverkusenerin und der Olympia-Zweiten Christina Obergföll werden würde, war allen Beteiligten spätestens seit dem Silbermedaillenwurf von Linda Stahl bei der EM in Amsterdam am letzten Wochenende klar. Die Entscheidung am Dienstag, Molitor nicht für Olympia zu nominieren, kam für die Leverkusenerin dennoch überraschend, wie sie exklusiv im Gespräch mit sport.de erklärte: "Ich bin natürlich sehr enttäuscht und irgendwie auch verwirrt, weil ich die Entscheidung nach der Nominierung für die EM einfach nicht nachvollziehen kann."
Funkstille zwischen Molitor und Obergföll
Bei der EM selbst warf Molitor mit 63,20 Meter ihre Saisonbestweite, der aktuelle Trend sprach durchaus für sie. Doch die 64,96 Meter Saisonbestweite von Obergföll, die sie vor rund zwei Monaten geworfen hatte, gaben letztlich den Ausschlag. Auch hierzu hat die amtierende Weltmeisterin eine klare Meinung: "Ich hätte schon erwartet, dass die Unterschiede da etwas höher sein müssten, weil so eine 63,20 Meter bei einer EM unter nicht so einfachen Bedingungen wiegen für mich persönlich schwerer als die 64,96 bei einer Landesmeisterschaft."
Und nun? Entscheidung hinnehmen und das Olympia-Aus akzeptieren? Noch will Molitor nicht aufgeben: Mein Verein hat mir schon einen Anwalt besorgt, der etwas von Sportrecht versteht. Ich kenne mich in diesem Bereich nämlich überhaupt nicht aus. Ich weiß nicht, wie hoch die Chance jetzt noch ist. Aber wir werden uns mal zusammensetzen."
Direkten Kontakt zwischen den beiden Konkurrentinnen Molitor und Obergföll hat es am Tag der Entscheidung nicht gegeben. "Den gibt es sonst aber eigentlich auch nicht", meinte Molitor auf Anfrage von sport.de.
