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Tour: Cavendish düpiert deutsche Sprintasse

Mark Cavendish hat die Konkurrenz geschlagen
Mark Cavendish hat die Konkurrenz geschlagen
Foto: © imago sportfotodienst
02. Juli 2016, 17:22

Lange Gesichter statt Gelbes Trikot: Die deutschen Topsprinter Marcel Kittel und André Greipel sind zum Auftakt der 103. Tour de France am Etappensieg und damit auch am "Maillot jaune" vorbeigerast. Beim Sieg des britischen Ex-Weltmeisters Mark Cavendish im Massenspurt nach 188 km am Utah Beach landete Kittel knapp geschlagen auf Platz zwei, der deutsche Meister Greipel kam nicht über Platz vier hinaus.

Der 28 Jahre alte Kittel (Team Etixx-Quick Step) lag auf der Zielgeraden in der Normandie in einer guten Ausgangsposition und auf den letzten Metern an Cavendishs Hinterrad, kam aber nicht mehr am Routinier vom Team Dimension Data vorbei. Der 31-Jährige holte sich seinen 27. Etappensieg bei der Tour, mehr haben nur die Legenden Eddy Merckx (34) und Bernard Hinault (28) auf dem Konto.

Der achtmalige Etappensieger Kittel verpasste damit den Hattrick: 2013 und 2014 hatte er die erste Etappe gewonnen und damit Gelb geholt. 2015, als die Tour mit einem kurzen Einzelzeitfahren eröffnet wurde, fehlte der Thüringer.

Greipel kam noch hinter dem slowakischen Weltmeister Peter Sagan (Tinkoff) ins Ziel, der rund 50 Meter vor dem Ziel noch an der Spitze gelegen hatte. Der 33 Jahre alte Rostocker vom Team Lotto-Soudal war auf der Zielgeraden in eine schlechte Position geraten und musste einen zu weiten Weg fahren. Der Schlusssprint wurde allerdings weniger als einen Kilometer vor dem Ziel von einem Massensturz überschattet, der das Feld gehörig durcheinanderwirbelte.

Contador stürzt schwer

Die Favoriten auf den Gesamtsieg um Titelverteidiger Chris Fromme (Sky) kamen ohne Zeitverlust ins Ziel, recht böse erwischte es aber den zweimaligen Tour-Sieger Alberto Contador. Der Spanier vom Team Tinkoff kam 80 km vor dem Ziel an einer Verkehrsinsel schwer zu Fall, musste mit lädierter Schulter und zerrissenem Trikot von seinen Helfern wieder mühsam zurück ans Feld geführt werden. 2014 hatte Contador die Tour wegen einer Knieverletzung frühzeitig aufgeben müssen.

Grund zum Jubeln hatte Paul Voss, der ins Bergtrikot schlüpfte und der (noch) zweitklassigen deutschen Equipe Bora-Argon 18 damit einen Traumstart in ihre dritte Tour bescherte. Der 30 Jahre alte Rostocker gewann als Ausreißer die beiden Bergwertungen der 4. Kategorie und sicherte sich damit jeweils den einzigen vergebenen Punkt. "Eigentlich kann ich jetzt nach Hause fahren, ich habe ein Trikot geholt", sagte Voss in der "ARD": "Es ist ein Tag, den ich genießen werden." Voss ist der siebte deutsche Profi, der das gepunktete Jersey bei der Tour tragen darf - zuletzt war Tony Martin 2014 kurzeitig der Bergkönig.

Sprinter-Teams bündeln Kräfte

Greipel hatte derweil am Mittag orakelt, dass es ein turbulenter Tag werden würde. "Das Feld wird sehr nervös sein, und das wird sich ab der Hälfte des Rennens steigern", sagte der Rostocker: "Ich denke aber mal, dass die anderen Sprinterteams uns dabei unterstützen, das Feld zusammenzuhalten."

In der Tat sorgten Greipels Lotto-Soudal-Team, Kittels Etixx-Quick Stepp sowie Katjuscha (Alexander Kristoff) und Dimension Data (Cavendish) dafür, dass die unmittelbar nach dem scharfen Start geflüchteten Ausreißer um Voss stets in Schlagdistanz blieben. Dabei spielte ihnen allerdings auch das Wetter in die Karten: Die in der Normandie üblichen heftigen Regenschauern blieben aus, die tückischen Landstraßen weitgehend trocken.

Cavendish darf das Gelbe Trikot wohl nur für 24 Stunden genießen: Die zweite Etappe am Sonntag über 183 km von Saint-Lô nach Cherbourg ist angesichts ihres knallharten Finals mit einer anspruchsvollen Bergwertung der 3. Kategorie keine für die Sprinter - womöglich lassen stattdessen sogar Froome und Co. erstmals die Muskeln spielen.

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