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Hamburg stolpert über die Flamingo-Falle

Moritz Fürste: "Kann nicht ertragen, dass der Spitzensport in Hamburg nach und nach verloren geht"
Moritz Fürste: "Kann nicht ertragen, dass der Spitzensport in Hamburg nach und nach verloren geht"
Foto: © getty, Alex Grimm
02. Juni 2016, 11:56
sport.de
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Alle Mühen haben nichts genutzt: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate zieht sich in der Hansestadt Hamburg ein Spitzenteam aus dem Profisport zurück. Was steckt dahinter?

Seit der letzten Woche steht fest: In Hamburg wird es ab der kommenden Saison nach 14 Jahren kein professionelles Eishockey mehr in der DEL geben. Auch die größte Crowdfounding-Aktion im Sport überhaupt in Deutschland mit Spenden von über 560.000 Euro in nur fünf Tagen konnte die Hamburg Freezers nicht mehr retten. Der Klubbesitzer, die Anschutz Entertainment Group (AEG), stellt den Spielbetrieb ein, nachdem er in den letzten Jahren als Investor immer mehr Verluste ausgleichen musste.

Nach der Bekanntgabe, dass die AEG keine Lizenz in der DEL mehr beantragen würde, formierte sich um Freezers-Kapitän Christoph Schubert und Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste schnell ein "Retter-Team", welches in der Kürze der Zeit aber nichts mehr am Eishockey-Aus in Hamburg ändern konnte.

"Retter-Aktion" mobilisiert Unterstützer

Moritz Fürste als einer der wichtigsten Unterstützer der Crowdfounding-Aktion zieht trotz des Scheiterns der Freezers-Rettung im Gespräch mit sport.de ein einigermaßen positives Fazit: "Es war eine Riesenaktion und hat gezeigt, dass der Sport in Hamburg eben doch ein Thema ist für die Stadt und die Menschen. Der Wehrmutstropfen ist aber natürlich sehr groß, weil wir es am Ende nicht geschafft haben." 

Fürste hatte zuvor keine allzu großen Berührungspunkte mit dem Eishockey, ihm ging es vor allen darum, in der Hansestadt ein Zeichen für den Sport zu setzen: "Ursprünglich war meine Motivation einfach, dass ich es nicht ertragen kann, dass die Vielfalt im Spitzensport in Hamburg nach und nach verloren geht. Dazu habe ich auf Facebook meine Solidarität geäußert und dann kam eins zum anderen."

"Flamingo-Falle des Sports"

Doch woran liegt es, dass ausgerechnet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands der Spitzensport nach dem Aus der Handballer nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate vor die Wand gefahren ist? Olympiasieger Moritz Fürste nennt zwei Gründe: Zum einen haben sich sowohl die Handballer des HSV Hamburg als auch die Freezers im Eishockey praktisch gänzlich auf ein Standbein verlassen, welches Sportmarketingexperte Raphael Brinkert im "Horizont" als "Flamingo-Falle des Sports" bezeichnete.

War es beim HSV Hamburg ein mäzenbetriebenes Unternehmen, welches insolvent gegangen ist und sich deshalb noch während der laufenden Meisterschaft aus dem Spielbetrieb zurückzog, so stieg im Falle der Hamburg Freezers Eigentümer AEG nach der abgelaufenen Saison 2015/2016 aus und schuf Fakten, dass ab dem Sommer nun auch kein erstklassiger Eishockeysport mehr in der Millionenstadt angeboten wird.

Als zweiten Grund nannte Moritz Fürste bei sport.de eine neu festzustellende generelle Skepsis der regionalen Unternehmen, in den Sport zu investieren, was unmittelbar mit dem gescheiterten Olympia-Referendum in der Hansestadt zusammenhängt: "Das Olympia-Aus hat die Hamburger Wirtschaft einfach nachhaltig abgeschreckt und skeptisch gemacht, in Sport zu investieren. Das Problem, welches viele nicht verstehen, ist: Die Menschen haben mit dem 'Nein' zu Olympia nicht gegen den Sport in Hamburg per se gestimmt, sondern gegen ein Großevent. Die Unternehmen müssen verstehen, dass die Menschen nicht den Sport abgewählt haben, sondern nur eine riesige Großveranstaltung mit wahnsinnigem Aufwand."

Hockeysport solide aufgestellt

Die größte Sportcrowdfounding-Aktion Deutschland in weniger als einer Woche belege die große Lust der Menschen auf Spitzensport im Norden. Die rund 560.000 Euro Spenden werden nach dem Scheitern der Freezers-Rettungsaktion bekanntlich dem Hamburger Eishockey-Nachwuchs zu Gute kommen oder werden zurückgezahlt.

Seine eigene Sportart sieht Moritz Fürste in Hamburg übrigens nicht gefährdet. Auf Nachfrage, wie groß die Gefahr auch für das Hamburger Feldhockey ist, von Insolvenzen betroffen zu werden, hakte Fürste vehement ein: "Gleich null! Da habe ich überhaupt keine Sorge. Die Vereine sind alle auf solidem Fundament gebaut. Im Hockey wird in den Vereinen ohnehin sehr kaufmännisch gewirtschaftet, da lebt kaum einer über seinen Verhältnissen. Wir sind nicht in Abhängigkeiten von Einzelinvestoren."

Der 31-Jährige startet am kommenden Wochenende mit seinem UHC Hamburg als eines von zwei Teams aus der Hansestadt in die Halbfinals um die deutsche Hockey-Meisterschaft. 

Mats-Yannick Roth

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