Während Deutschlands Skispringer noch ohne neuen Chefcoach für die kommende Saison dastehen, ist auch in Polen die Trainerfrage ungeklärt. Ein Experten-Panel diskutierte nun die Zukunft des umstrittenen Übungsleiters Maciej Maciusiak.
Mit dabei: die renommierten Skisprung-Journalisten Michal Chmielewski (TVP Sport), Mateusz Lelen (TVP Sport), Kacper Merk (Eurosport) und Dominik Formela (Skijumping.pl).
Merk plädierte für einen Verbleib Maciusiaks in seiner aktuellen Position: "Auch wenn ich vom Verlauf dieser Saison enttäuscht war, würde ich ihm eine zweite Chance geben. Er hat sich bei den Olympischen Spielen bewährt. Man kann sagen, dass der Weltcup das Wichtigste ist, und viele Sportler glauben das – gut. Wären die Olympischen Spiele ohne Medaille zu Ende gegangen, hätte es überhaupt keine Diskussion gegeben."
Bei den Wettbewerben in Predazzo sammelten die Polen gleich dreimal Edelmetall: Top-Talent Kacper Tomasiak gewann Silber von der Normal- und Bronze von der Großschanze, zudem gemeinsam mit Pawel Wasek die Silbermedaille im Super-Team-Wettbewerb.
Merk verwies auch auf die mangelnden Alternativen zu Maciusiak. "Ich würde ihm noch ein Jahr Zeit geben, und zwar aus einem einfachen Grund: Maciej Maciusiak hat ab dem ersten Tag ganz klar erklärt, dass für ihn die Olympischen Spiele Vorrang haben", sagte Journalistenkollege Formela. "Er hat seine ganze Kraft in dieses Event gesteckt."
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Skispringen: Umfrage-Ergebnis "schockierend"
Zwar habe Tomasiak im vergangenen Sommer mit Assistenzcoach Wojciech Topor trainiert, so der Experte. "Die Wahrheit ist jedoch, dass die letzten zwei oder drei Wochen vor den Olympischen Spielen bei Kacper vorbildlich verliefen."
Lelen zitierte eine Umfrage, wonach 83 Prozent der Abstimmenden eine Trennung von Maciusiak befürworten würden. "Ich finde das schockierend. Hätte mir jemand im November gesagt, dass wir bei Olympia drei Medaillen gewinnen würden und 83 Prozent der Fans "Nein" [zu Maciusiak] sagen würden, hätte ich das nicht verstanden."
Das größte Problem des polnischen Skisprung-Nationaltrainers seien seine öffentlichen Auftritte, konstatierte Lelen. "Ich habe den Eindruck, dass er vor der Kamera etwas nervös wird. Manchmal greift er auf die einfachsten Antworten zurück."
Klar ist: Die Weltcup-Ausbeute der in der Vergangenheit so erfolgsverwöhnten Polen 2025/2026 ist ausbaufähig. "Wir waren furchtbar", wurde Chmielewski in seiner Saisonbilanz deutlich.

