Werder Bremen gewinnt den Abstiegsgipfel und verschärft Wolfsburgs Krise.
Nach dem nächsten Rückschlag schleppte sich Dieter Hecking über den Rasen. Der erfahrene Trainer des VfL Wolfsburg versuchte im Anschluss an sein missglücktes Heimdebüt, seine Profis irgendwie aufzumuntern.
Doch die Gesichter von Führungsspielern wie Maximilian Arnold oder Christian Eriksen sprachen Bände. Tief enttäuscht schlichen die Wolfsburger zu ihren Fans, während die Anhänger von Werder Bremen den Erfolg im Abstiegsgipfel ausgiebig feierten.
"Es war ein enorm wichtiger Schritt", jubelte Justin Njinmah nach seinem Siegtreffer (68.) zum 1:0 (0:0) am "Sky"-Mikrofon. Die Bremer verschafften sich mit nun 28 Zählern auf dem Konto schließlich etwas Luft zu den Abstiegsrängen. Für ein Aufatmen ist es aber noch zu früh. "Wir müssen", forderte Njinmah, "weiter von Spiel zu Spiel gucken."
Und Wolfsburg? Durch das zehnte Spiel nacheinander ohne Sieg verschärfte sich die Krise in der Autostadt nochmals. Als Tabellen-17. droht mit 21 Punkten der Absturz in die Zweitklassigkeit. Auf den lang ersehnten Befreiungsschlag muss der VfL weiter warten, Hecking bleiben für seine Rettungsmission nur noch sieben reguläre Partien.
"Wir hatten uns viel vorgenommen, aber die Leichtigkeit fehlt. Heute ist eine Enttäuschung", sagte VfL-Sportdirektor Pirmin Schwegler, der schon auf die Konkurrenten blickte: "Wir müssen hoffen, dass wir morgen nicht noch weiter zurück sind. Wir werden weitermachen, bis es nicht mehr möglich ist. Wir müssen uns aufrappeln und aufstehen."
Das so wichtige Duell um den Klassenerhalt wurde dabei von Auseinandersetzungen am Rande des Spiels begleitet. Laut der Polizei Wolfsburg kam es zu mehreren Festnahmen von Werder-Fans, demnach sei es zu Angriffen auf Ordner gekommen, die Einsatzkräfte hätten einschreiten müssen. Die Fanhilfe Bremen warf den Beamten dagegen "massive Übergriffe" vor. Einige Plätze im Gästebereich blieben augenscheinlich leer.

Auf der anderen Seite empfing die gut gefüllte Nordkurve im ersten Heimspiel nach den Fan-Tumulten die Wolfsburger Mannschaft, machte mit zahlreichen Bannern ihr Anliegen aber deutlich. "Nicht für irgendwelche Spieler - wir singen nur für unseren Verein", war dort unter anderem zu lesen.
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Njinmah lässt Bremen jubeln
Sportlich war der Druck für beide Teams im Vorfeld groß gewesen. Dieser gehöre jedoch "in der Situation dazu, den können wir auch nicht wegreden, der ist da", erklärte VfL-Coach Hecking. Druck könne aber "auch Kräfte freisetzen". Auf dem Rasen versuchten die Gastgeber, den Worten ihres Trainers Taten folgen zu lassen, und ließen den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Richtig gefährlich wurden beide Teams in der Anfangsphase aber nicht.
Eine gute Freistoßposition für die Bremer konnte Cameron Puertas nicht nutzen. Wolfsburg-Keeper Kamil Grabara parierte nicht nur dessen direkten Versuch, sondern auch den Nachschuss von Yukinari Sugawara (12.). Auf der anderen Seite bewahrte Werder-Torhüter Mio Backhaus (16.) nach einer Ecke sein Team vor einem Rückstand.
Beide Teams waren bemüht, offensive Akzente zu setzen, scheuten aber das letzte Risiko. Vor allem im letzten Drittel fehlte es an Präzision. Wolfsburg machte zunehmend Druck, ließ aber die entscheidende Durchschlagskraft vermissen, Mohamed Amoura (60.) verfehlte zudem knapp. Stattdessen ließ Njinmah den Bremer Anhang jubeln. Wolfsburg versuchte in der Schlussphase, Schadensbegrenzung zu betreiben.



























