Nach siebenjähriger Abstinenz spielt der HSV eine solide Comeback-Saison in der 1. Bundesliga, der Klassenerhalt ist angesichts von 30 Punkten nach 26 Spielen in Sichtweite. Eigentlich könnte an der Elbe also eitel Sonnenschein herrschen - wäre da nicht ein nicht mit dem Verein abgestimmtes Frust-Interview von Stürmer Robert Glatzel. Mittlerweile hat Trainer Merlin Polzin darauf reagiert.
Vier Spiele in Folge 90 Minuten auf der Bank - das passt offenkundig nicht zum Selbstverständnis von Glatzel, der in der "Hamburger Morgenpost" Dampf abgelassen hat. Wohlgemerkt ohne Autorisierung durch die HSV-Pressestelle.
"Ich will einfach nur mal ein paar Dinge loswerden und mich positionieren", erklärte der 32-Jährige, der von Trainer Merlin Polzin in den letzten Wochen überhaupt nicht mehr berücksichtigt wurde. Nur 14 Einsätze, verteilt auf 290 Minuten, und ein Tor hat Glatzel in der laufenden Saison gesammelt.
Auch ein Gespräch mit seinem Coach brachte keine Besserung: "Natürlich haben wir auch schon mal darüber geredet. Und er hat auch seine Begründung, die er mir klar gesagt hat. Dass ich jetzt gar nicht mehr gespielt habe, ist für mich allerdings nicht verständlich."
In der internen Stürmer-Hierarchie ist der langjährige Goalgetter der Rothosen hinter Ransford Königsdörffer, den noch torlosen Winterneuzugang Damion Downs sowie Leih-Rückkehrer Otto Stange abgerutscht. Auch Yussuf Poulsen dürfte nach seiner Genesung vor Glatzel stehen.
"Ich bin zuletzt proaktiv nach dem Leverkusen-Spiel auf den Trainer zugegangen und habe um eine Erklärung gebeten. Er hat mir seine Gründe genannt. Darüber möchte ich in der Öffentlichkeit gar nicht sprechen. Das sind interne Themen. Warum ich dann auch die nächsten beiden Spiele nur auf der Bank saß, kann ich nicht verstehen", ärgerte sich Glatzel über Polzin: "Das ist maximal frustrierend."
HSV-Coach Polzin bezieht Stellung
Der gescholtene Übungsleiter reagierte am Donnerstag auf die Attacke. Mit Glatzel habe er bereits gesprochen, verriet Polzin: "Es war jetzt nicht so, dass wir zusammen saßen und ich ihn jetzt für die nächsten Wochen verbannt habe oder ihm sofort gesagt habe: 'Jetzt darfst du die nächsten acht Spiele von Anfang an spielen'. Sondern es war ein offenes, klärendes Gespräch."
Er bestätigte zudem, dass Glatzels Vorstoß im Klub auch "eine Ebene höher" zum Thema geworden sei. Insgesamt seien "klare Worte" gefallen. Polzin betonte, dass jedem Spieler seine Meinung zustehe. Diese derart in die Öffentlichkeit zu tragen, sei allerdings nicht der richtige Weg und lasse sich nicht mit den Regeln und der Haltung des Vereins in Einklang bringen.
Ob Glatzel am Samstagabend (18:30 Uhr/Sky) im Duell bei Borussia Dortmund zum Kader zählt, ließ er offen.



























