57 Tage nach dem skandalösen Endspiel um den Afrika-Cup hat Marokko trotz der sportlichen Niederlage gegen Senegal überraschend den Sieg zugesprochen bekommen. Die Reaktionen aus dem Senegal schwanken zwischen Wut, harten Ansagen und Provokationen.
Irre Wendung am späten Dienstagabend: Das Berufungsgericht des afrikanischen Fußball-Verbands CAF gab dem Einspruch der Marokkaner statt und wertete die infolge fragwürdiger Schiedsrichter-Entscheidungen völlig aus dem Ruder gelaufene Partie mit 3:0 für die Gastgeber des Finales in Rabat. Senegal hatte die von Tumulten begleitete Begegnung nach Verlängerung 1:0 gewonnen und will nun gegen die nachträgliche Aberkennung des Titels Einspruch einlegen.
Senegals nationaler Fußball-Verband will die Entscheidung nicht akzeptieren und vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen, wie Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow noch am Abend im staatlichen Rundfunk RTS ankündigte. "Wir werden Kontakt mit unseren Anwälten aufnehmen und Rechtsmittel einlegen. Wir werden vor nichts zurückschrecken. Das Recht ist auf unserer Seite", sagte er. Die Entscheidung des Berufungsgerichts sei eine "Schande für Afrika".
Bei den senegalesischen Spielern herrschte Wut, Entsetzen - gepaart mit Sticheleien und Provokationen.
Moussa Niakhaté von Olympique Lyon veröffentlichte auf seinen Social-Media-Accounts eine Reihe von Fotos, auf denen er mit der Trophäe des Afrika-Cups zu sehen ist, mit der süffisanten Botschaft: "Kommt und holt sie euch." Er fügte in einer weiteren Nachricht hinzu: "Das ist keine KI, das ist echt."
Makabrer Vergleich vom senegalesischen Verband
"Wenn ich spreche, werde ich verrückte Dinge sagen", erklärte einer der senegalesischen Finalspieler der Zeitung "L’Équipe", nachdem er die Nachricht gehört hatte. Seinen Namen wollte er lieber nicht nennen. Eine weitere anonyme Quelle des senegalesischen Fußballverbands sagte der "L’Équipe": "Wir sind empört. Am 29. März findet eine Sitzung des Exekutivkomitees der CAF (Confederation of African Football) statt, das wird zum Dritten Weltkrieg."
Mit Namen sprechen wollte dann Claude Le Roy, der mit Senegal 1988 den Afrika-Cup gewann. "Diese Entscheidung wird, leider zum Leidwesen dieses Kontinents, den ich so sehr liebe, die gesamte Fußballwelt zum Lachen bringen."
Der senegalesische Mittelfeldspieler Habib Diarra (Sunderland) reagierte auf die Entscheidung, indem er Fotos von sich mit der Trophäe postete, begleitet von vielen lachenden Emojis.
Ähnlich ging es Pathé Ciss von Rayo Vallecano. Er postete in den sozialen Medien mehrere Fotos von sich mit der Medaille und dem Titel des Afrika-Cup-Siegers, begleitet von einer deutlichen Botschaft: "Den Heulsusen könnt ihr noch drei Tore schießen."









