Am Donnerstag wird Bundestrainer Julian Nagelsmann verkünden, welche Akteure er für die Länderspiele gegen die Schweiz (27. März) und gegen Ghana (30. März) in den Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft berufen wird. Dass die Nominierung mehr als ein Fingerzeig für die anstehende WM im Sommer ist, gab der DFB-Coach bereits bekannt. Ebenso ließ Nagelsmann bereits deutlich durchblicken, dass nicht jede seiner Entscheidungen allerorts bejubelt wird. Das könnten die Härtefälle sein.
In einem vielbeachteten Interview mit dem "kicker" umriss Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits Anfang März, worauf er bei der Zusammenstellung des WM-Aufgebots besonderen Wert lege.
Ein extrem "wichtiger Faktor" werde der Teamgedanke sein, stellte Nagelsmann unter anderem gleich mehrfach heraus. Er werde stark berücksichtigen, wer zu wem passe, so Nagelsmann, der in diesem Zusammenhang deutlich betonte: "Dabei wird es Entscheidungen geben, das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen. Nicht beim Spieler, aber auch nicht in der breiten Öffentlichkeit."
Konkret könne dies Spieler betreffen, die in ihren Klubs "Stammspieler und Leistungsträger" seien, im DFB-Team aber nicht als Stammkraft eingeplant seien. Worte, die bei einigen Stars sicherlich die Alarmglocken haben schrillen lassen.
Antonio Rüdiger (Innenverteidiger/Real Madrid)
Der 33-jährige Innenverteidiger war Stammspieler in der Bundesliga (VfB Stuttgart), der Serie A (AS Rom), der Premier League (FC Chelsea) und ist seit Jahren eine feste Größe beim spanischen Topklub Real Madrid: Über mehr internationale Erfahrung verfügt kein aktueller DFB-Star. Die Erfahrung aus 81 Länderspielen spricht zudem für den gebürtigen Berliner.
Mit Blick auf Nagelsmanns Kommentare im "kicker" stechen allerdings gleich eine Reihe beachtlicher Abers ins Auge.
Zum einen dürfte Rüdiger seinen Stammplatz zumindest in der zuletzt bevorzugten Viererkette nicht mehr sicher haben, Jonathan Tah vom FC Bayern und Nico Schlotterbeck vom BVB scheinen gesetzt zu sein. Als Backup spricht viel für Dortmunds Waldemar Anton, der als Teamspieler bekannt ist und das Zusammenspiel mit Schlotterbeck bestens aus dem Verein kennt.
Als zuverlässiger und eher ruhiger Ergänzungsspieler drängt sich auch Malick Thiaw von Newcastle United auf. Der 24-Jährige überzeugt obendrein mit einem starken Kopfballspiel und könnte im Notfall als Joker eine gefährliche Last-Minute-Option in der Spitze darstellen. Zudem darf sich Frankfurt-Kapitän Robin Koch gute Chancen ausrechnen, sein junger Teamkollege Nmandi Collins wäre zudem ein Akteur, der mit Blick auf die Zukunft bei einem großen Turnier Erfahrungen sammeln könnte. Selbiges gilt auch für den 19-jährigen Stuttgarter Finn Jeltsch, den Nagelsmann überraschend aus dem Hut zaubern könnte.
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Und Rüdiger: Der Routinier ist als Heißsporn bekannt, war 2025/26 bereits häufiger verletzt und fiel unlängst mal wieder eher unangenehm auf, als er ein hartes Foul zuerst herunterspielte und dann völlig überflüssig nachschob: "Wenn ich ihn mit Absicht gefoult hätte, wäre er nicht wieder aufgestanden." Eine Aussage, die Nagelsmann kaum begrüßen dürfte.
"Antonio muss 100 Prozent fit und gesund sein. Wenn er so Wehwehchen hat, die er auch bei uns teilweise hatte, kommt er nicht an sein Leistungslimit, und das ergibt dann keinen Sinn", gab Nagelsmann dem Real-Star im "kicker" schon vor dieser Episode alles andere als ein Kader-Versprechen.
Karim Adeyemi (Offensive/BVB)
Unerlaubter Waffenbesitz, verweigerter Handschlag nach Auswechslungen: Auch Adeyemi sorgte 2025/26 bereits für einige negative Schlagzeilen und dürfte seine Chancen bei Nagelsmann damit kaum erhöht haben.
Hinzukommen eine sportlich eher schwache Saison und der Umstand, dass Adeyemi im Nationaldress bislang nur selten zu überzeugen wusste. Dass die pfeilschnellen Antritte des 24-Jährigen eine Waffe sein können, steht zwar außer Frage, Adeyemi hat beim DFB allerdings nicht gerade einen Stein im Brett. Im November 2023 verzichtete der gebürtige Münchner freiwillig auf die Reise zur U21-Auswahl, nachdem er nicht für die A-Auswahl nominiert worden war.
DFB-Boss Bernd Neuendorf sprach damals offen von einem "Fehler". Die Wogen glätteten sich in der Folge merklich, dass Adeyemi aber nicht gerade der Typ Spieler ist, der von der Bank aus gute Stimmung verbreitet, ist auch kein Geheimnis.
Sind alle fit, ist die Konkurrenz auf den offensiven Flügeln im DFB-Team außerdem enorm. Ein Platz in der Startelf wäre für Adeyemi schlicht nicht vorhanden.
Angelo Stiller (Mittelfeld/VfB Stuttgart)
In Reihen des VfB Stuttgart tummeln sich mit den zuletzt nicht berücksichtigten Maximilian Mittelstädt, Deniz Undav, Jamie Leweling und Angelo Stiller gleich mehrere Härtefälle.
Während sich Undav seit Wochen so beharrlich in den Fokus ballert, dass Nagelsmann eigentlich nicht am 29-jährigen Torjäger vorbeikommt, dürften Mittelstädts Chancen davon abhängen, wie er und seine Konkurrenten um SGE-Talent Nathaniel Brown sich im Saisonendspurt schlagen.
Auch Leweling darf sich berechtigte Hoffnungen machen. Der 25-Jährige spielt in Stuttgart eine starke Saison und wusste zuletzt auch im DFB-Team vermehrt, auch als Joker, Akzente zu setzen.
Bleibt mit Mittelfeldstar Stiller ein Spieler, für den es eigentlich zahlreiche Argumente gibt und der sich genau deswegen wohl sehr von Nagelsmanns Worten angesprochen fühlen dürfte: Stiller exakt jener Spieler, der im Verein unumstritten, beim DFB aber keinesfalls als Stammkraft eingeplant ist.
Nagelsmann machte sehr klar, dass er im Zentrum mit Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka vom FC Bayern plant. Auch Felix Nmecha vom BVB hob der Coach, trotz explizit erwähnter mangelnder Konstanz, positiv hervor. Stillers Name fiel bei Nagelsmann lediglich bei einer Aufzählung sehr ähnlicher Spielertypen, die im Mittelfeldzentrum zur Verfügung stehen.
Bei Stillers letzter Nichtberücksichtigung im November 2025 erklärte Nagelsmann offen, dass der 24-Jährige nicht dabei sei, da Pavlovic und Nmecha die Nase vorne hätten und er mit Goretzka und Nadiem Amiri vom FSV Mainz zudem zwei Spieler für die Mittelfeldzentrale ausgewählt habe, die ein etwas offensiveres Profil aufweisen.
Sollte Nagelsmann doch einen dritten eher defensiven Mittelfeldmann mitnehmen wollen, spräche zudem einiges für Leverkusens Kapitän Robert Andrich, der seine Stärken auch im Abwehrzentrum ausspielen und somit mit Vielseitigkeit punkten kann.
































