Die New England Patriots haben in der NFL Free Agency weniger mit namhaften Neuverpflichtungen und eher mit gezielten kleineren Moves geglänzt. Dahinter steckt jedoch eine klare Strategie.
Nachdem die Patriots die Free Agency 2025 mit einigen größeren Moves dominiert hatten, verlegten sie sich in dieser Offseason eher darauf, sich punktuell und gezielt in bestimmten Bereichen zu verstärken. Dabei lässt sich eine klare Linie, ein klares Ziel ablesen.
Die Patriots haben schon im Vorjahr viel Wert darauf gelegt, die Persönlichkeit von Head Coach Mike Vrabel auf den Platz zu bringen. Er war als Spieler schon ein harter Hund, der sich nicht unterkriegen ließ und sehr unangenehm zu spielen war. Teilweise war das auch auf dem Platz zu sehen. Gerade gegen Ende der Saison war dieser Kampfgeist schon offensichtlich, auch wenn da zum Teil noch ein wenig die Mittel fehlten.
Diese Free Agency hat nun die nächsten Puzzleteile geliefert, um diesem Ideal noch näherzukommen. Offensiv wurden allen voran Spieler geholt, die für gesunde Härte stehen. Das größte Risiko, aber wohl auch die größte Chance bietet dabei Left Guard Alijah Vera-Tucker, der gerade im Run Game ein massiges Upgrade sein kann. Damit einher ging, dass Center Garrett Bradbury nach Chicago getradet wurde, sodass der letztjährige Rookie Jared Wilson nun auf seine angestammte Center-Position wechselt.
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Kettenreaktion durch AVT?
Er nämlich war im Run Blocking eher keine Hilfe, was neben einem angeschlagenen Will Campbell auf Left Tackle auch im Pass Blocking zu enormen Problemen geführt hat gegen Ende. Sollte AVT nach seinen zahllosen Verletzungen, durch die er unter anderem die komplette Vorsaison bei den Jets verpasst hat, wieder fit zurückkommen, könnte dies eine Art Kettenreaktion im positiven Sinne auslösen, was die gesamte Offensive Line betrifft.
Der nächste wichtige Schritt zu einem besseren Run Game, was sicherlich der Fokus war, ist gewissermaßen ein Schritt zurück in die erfolgreiche Vergangenheit. Die richtig guten Offenses unter Offensive Coordinator Josh McDaniels hatten in New England eigentlich immer eine Gemeinsamkeit: es gab einen starken Fullback. Im zweiten Teil der Brady-Belichick-Dynasty war dies James Develin, der ein guter Indikator für Erfolg war. Develin war von 2013 bis 2019 Starter in New England. Und - das mag auch Zufall gewesen sein, wenn man bedenkt, welche anderen Leistungsträger mitgewirkt haben - wenn er fit war in der entscheidenden Phase der Saison, dann erreichten die Patriots auch den Super Bowl (2014, 2016, 2017, 2018). Fiel er dagegen länger aus, scheiterte man zweimal im AFC Championship Game (2013, 2015) und einmal schon im Wild Card Game (2019).
Im Vorjahr hatte man mit Jack Westover eine solide Mischung aus Fullback und Tight, der auch hauptsächlich zum Blocken da war. Er wurde per RFA Tender zwar geholt, doch man ließ es sich nicht nehmen, ein namhaftes Upgrade zu organisieren. Entsprechend kam Reggie Gilliam aus Buffalo dazu. Er war im Vorjahr hervorragend im Pass Blocking und immerhin sehr solide im Run Blocking - sein Nebenmann im Backfield, James Cook, führte die Liga nicht zufällig in Rushing Yards an.
Und um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, verpflichteten die Patriots mit Julian Hill auch noch einen Blocking Tight End aus Miami. Nimmt man all das zusammen, dann ergibt sich ein klares Bild: Die Patriots-Offense sollte physisch stärker werden, um das Run Game noch besser zu unterstützen. Gelingt das, würde man Quarterback Drake Maye ein wenig die enorme Last von den Schultern nehmen, diese Offense alleine tragen zu müssen.
Vrabel und Maye als treibende Kräfte
Damit aber auch das Passspiel nicht zu kurz kommt, wurde auch noch Romeo Doubs von den Packers geholt, während man im Hintergrund offenbar weiter an einem Trade für A.J. Brown von den Eagles arbeitet, was die ganz große Lösung wäre.
Er wäre vor allem ein Spieler, den Mike Vrabel schon aus seinen erfolgreichen Tagen in Tennessee bestens kennt. Und das wiederum war schon die Formel für die Defense, denn Safety Kevin Byard war ebenfalls ein Vrabel-Schützling von den Titans. Byard selbst verwies zwar nicht auf seine frühere Vrabel-Connection als Hauptgrund für einen Wechsel nach New England, hatte dafür aber einen anderen beliebten Grund, den viele seiner neuen Kollegen ebenfalls anbrachten: Drake Maye.
"Ein aufstrebender Quarterback - das ist eines der am schwierigsten umzusetzenden Dinge in der NFL, und jeder versucht es. New England hat mit Drake Maye alles richtig gemacht. Ich freue mich riesig darauf, mit ihm spielen zu können." Byard ging sogar noch weiter: "Es gab im Grunde zwei Teams, für die ich in dieser Offseason spielen wollte. Nach dem Jahr, das wir in Chicago hatten, war das die erste Option. Als ich sah, dass das nicht klappen würde, war es New England ... Drake Maye ist ein phänomenaler Spieler. Ich habe von mehreren Leuten aus der Organisation nur Gutes über ihn gehört, schon bevor ich hierhergekommen bin."
Und natürlich war die Free Agency nun nur der Anfang. Die Patriots haben aufgrund der einen oder anderen verkorksten Offseason- und auch Draft-Klasse der jüngeren Vergangenheit durchaus Nachholbedarf, was vor allem Kadertiefe betrifft. Entsprechend wird der Draft ebenfalls ein wichtiger Teil dafür sein, ob die Patriots nach ihrer überraschenden Super-Bowl-Teilnahme vor wenigen Wochen auch in der kommenden Saison oben mitspielen können. Doch der Grundstein ist gelegt. Und es wäre nicht überraschend, wenn sie in den kommenden Wochen und Montagen noch weitere Spieler nach demselben Muster akquirieren würden. Sei es per Trade oder eben im Draft.
Harter, kompromissloser Football ist Vrabels Markenzeichen und so wollen und sollen seine Patriots auch in Zukunft auflaufen. Der bisherige Erfolg hab ihm schon Recht, jetzt haben sie womöglich die Chance, mit noch besseren Mitteln das Gezeigte noch zu untermauern.





