Während der Mega-Skandal um manipulierte Anzüge der norwegischen Skispringer nach Sperren gegen Athleten und Trainer so langsam ad acta gelegt ist, sind die Nachwehen des Vorfalls immer noch spürbar. Die fehlende Bereitschaft des Teams, bei den Anzügen an die Grenze des Erlaubten zu gehen, sorgt nun für Diskussionen.
"Wir sind einfach kein Risiko eingegangen. Wir waren wahrscheinlich viel zu vorsichtig im Vergleich zu unseren Konkurrenten, die sich näher an die Grenze herangewagt haben", vermutete Marius Lindvik im Gespräch mit "NTB", warum die Norweger in der laufenden Weltcup-Saison meist nur hinterher springen und von der Konkurrenz aus Japan, Österreich und Slowenien oftmals abgehängt werden.
Dem pflichtete auch sein Cheftrainer Rune Velta beim "Dagbladet" bei, der das Amt erst am 1. Juni übernommen hatte: "Wir haben uns entschieden, dieses Risiko nicht einzugehen. Das bereue ich nicht. Es war eine Entscheidung. Wir haben uns entschieden, etwas zu weit innerhalb der Grenzen zu bleiben und eine sichere Linie zu fahren, damit wir kein Risiko eingehen und disqualifiziert werden."
Skispringen: Norwegen "zu feige"? Aalbu widerspricht
Auf Nachfrage der norwegischen Tageszeitung, ob Norwegen bei dem Material "zu feige" gewesen sein, hatte Sportdirektor Jan-Erik Aalbu eine deutlich Antwort parat. "Nein. Wir haben uns an die Vorschriften gehalten und hatten trotzdem wettbewerbsfähige Anzüge. Möglicherweise waren wir zu Beginn der Saison in Lillehammer etwas konservativ, aber danach hatten wir wettbewerbsfähige Anzüge", stellte er klar.
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"Wir hatten nicht an genügend Sommer-Grand-Prix-Rennen teilgenommen und hatten Sperren", erklärte Aalbu die anfängliche Vorsicht und legte nach, es sei für das Team "das Wichtigste" gewesen, bei der Materialkontrolle nicht aufzufallen. "Es besteht auch kein Zweifel, dass wir etwas vorsichtiger mit der Ausrüstung umgehen mussten als unsere Konkurrenten", bestätigte Kristoffer Eriksen Sundal.
Die FIS hatte das Reglement nach dem Anzug-Skandal bei der Nordischen Ski-WM 2025 massiv verschärft und den Spielraum der Teams eingeschränkt. Schon kleinste Vergehen, die bei den Materialkontrollen festgestellt wurden, zogen harte Strafen nach sich. Für die strikte Einhaltung der Vorgaben wurde mit Mathias Hafele ein neuer Hauptkontrolleur von der FIS eingesetzt.
