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Noch mehr Titel-Wirrwarr

"Jagd" nach deutschem Champion offenbart neues Box-Dilemma

Im Boxen gibt es künftig noch einen WM-Titel - den schwarzen "Zuffa"-Gürtel
Im Boxen gibt es künftig noch einen WM-Titel - den schwarzen "Zuffa"-Gürtel
Foto: © IMAGO/ZUFFA BOXING
10. März 2026, 07:04

MMA-Pate Dana White will mit seiner neuen Box-Liga "Zuffa" das System der Boxverbände zerschlagen, vergibt künftig sogar eigene WM-Titel. Am Sonntag kürt der Amerikaner im Cruisergewicht seinen ersten Champion, der sogleich den deutschen WBC-Weltmeister Noel Mikaelian ins Visier nimmt. Doch genau hier offenbart sich ein großes Zuffa-Dilemma.

Jai Opetaia ist ein australischer Boxweltmeister im Cruisergewicht. Klingt nach Wikipedia oder einer schnellen KI-Antwort - und stimmt auch. Opetaia trägt im Limit bis 90,72 Kilogramm gleich mehrere Gürtel, die ihn als Weltmeister ausweisen: den des US-Magazins "The Ring", der "Bibel des Boxens". Noch den des Weltverbandes IBF (dazu später mehr) und seit Sonntag auch den von Dana Whites neuer Faustkampf-Liga "Zuffa Boxing".

In Las Vegas schlug Opetaia seinen überforderten Gegner Brandon Glanton aus den USA über zwölf Runden haushoch nach Punkten. Es war die erste Weltmeisterschaft unter dem Zuffa-Banner von MMA-Pate White. Opetaia schnallte sich den schwarz-goldenen, mit Diamanten bestickten Gürtel gerne um die Hüfte.

White will das Boxen auf links drehen und die herrschenden Weltverbände WBA, WBC, WBO und IBF rasieren - und mit ihnen gleich das Titelgestrüpp, das im Boxsport seit Jahrzehnten wuchert.

Vier konkurrierende Verbände bedeuteten potenziell vier Weltmeister pro Gewichtsklasse, derer 16 es gibt. Wer blickt da noch durch? Vereinigungskämpfe reduzieren das Chaos bisweilen wie zuletzt im Schwergewicht, wo Oleksandr Usyk 2024 alle vier Gürtel eroberte (und zumindest bis heute noch drei hält). Doch diese Weltmeister-Duelle sind in einem Geschäft rivalisierender Promoter, Verbände und TV-Sender/Streaming-Plattformen die Ausnahme und nicht die Regel. 

Die großen Boxverbände wehren sich gegen Zuffa-Angriff

Ein Weltmeister in jedem Limit. White hat den Wunsch (man könnte fast sagen die Sehnsucht) der Fans aufgenommen, trägt sie bei seinem Großangriff auf das System geradezu vor sich her. Nach dem Vorbild seiner MMA-Serie UFC sollen in der Zuffa-Liga künftig nur noch die Besten gegen die Besten boxen. Und der Allerbeste ist eben der Champ. So wie es im Boxen in grauer Vorzeit auch einmal war. 

Im Streben nach dem Weltmeister-Monopol hat sich White mit dem saudischen Box-Mogul Turki Al-Sheikh verbündet, dem wiederum "The Ring" gehört und der Zugriff auf den nach wie vor sprudelnden Entertainment-Fonds des arabischen Königshauses hat. 

Die ersten Zuffa-Shows ließen sich ganz gut an. Ein wirklicher Brecher war aber nicht dabei und ein großer Name hat bei White auch noch nicht unterschrieben. Dass vor dem US-Promoter ein weiter Weg liegt, zeigt Jai Opetaia. Der 30-Jährige ist bis dato der prominenteste Preisboxer, der sich Zuffa angeschlossen hat. Außerhalb der Box-Bubble und Australiens ist er aber nur Insidern ein Begriff. White braucht bekanntere Zugpferde.  

Die angegriffenen Verbände wehren sich indes gegen die feindliche Übernahme "ihres" Boxgeschäfts. Obwohl Opetaias Kontrahent Glanton als Nummer 15 der IBF-Rangliste zum Herausforderer getaugt hätte, verweigerten die Funktionäre des Verbandes dem Duell ihren WM-Segen, der rot-goldene Gürtel stand in Las Vegas nicht auf dem Spiel.

Mehr noch: Die IBF hat angedroht, Opetaia den Titel wegen dessen Bekenntnis zu Zuffa abzuknöpfen. Die Drei-Lettern-Organisationen dulden keine Nebenbuhler. Noch ist der Gürtel-Entzug nicht offiziell, doch Opetaia muss sich womöglich bald entscheiden: Zuffa-Champion oder IBF-Weltmeister?

Opetaia gegen Mikaelian: "Wie soll es dann zum Vereinigungskampf kommen?!"

Der Fall legt das Dilemma der neuen Box-Liga offen. White mag für sich (respektive seinen Geldbeutel) und seine Boxer zwar die besten Kämpfe wollen. Was aber, wenn die besten Gegner die Insignien der "klassischen" Box-Mächte tragen?

Opetaia steckt in genau dieser Zwickmühle. Der Mann aus Sydney will im Cruisergewicht die konkurrierenden Weltmeister vor die Fäuste, um klarzustellen, wer die wahre Nummer 1 ist. Im Limit bis 90,72 Kilo sind das der Deutsche Noel Mikaelian, der die WBC-Krone trägt, und der mexikanische WBA/WBO-Champion Gilberto "Zurdo" Ramirez. 

"Ich würde es lieben, Mikaelian als nächstes zu kriegen - ein guter Kampf, ein Vereinigungskampf. Dem jage ich hinterher. Er hat gerade nichts vor, also jage ich ihn. Es ist perfekt. Dann am Ende des Jahres unumstritten (Weltmeister aller Verbände, Anm.d.Red.) sein. Das ist das perfekte Bild", sagte Opetaia nach seinem Sieg in Las Vegas. Wenn es doch nur so einfach wäre.

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Mikaelian reagiert bei sport.de und erläuterte die Krux an der Sache: "Ich will den Kampf und es wäre toll, wenn er sich realisieren lässt. Ich habe ja seinen Aufbaukampf jetzt abgewartet. Es wird nun aber sehr kompliziert, weil die Verbände nicht mit Zuffa kooperieren. Wie soll es dann zum Vereinigungskampf kommen?!"

Von WBC-Boss Maurico Sulaiman habe er zwar grünes Licht für ein Duell mit Opetaia bekommen, verriet der 35-Jährige. "Aber nicht unter Zuffa-Banner."

WBA, WBC, IBF, WBO - und nun noch Zuffa. Der Titel-Dschungel im Boxen bleibt Dickicht. 

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