Es war das erste Qualifying der neuen Formel-1-Ära aus mehr Elektro und weniger Verbrenner - und schon herrscht dicke Luft im Fahrerlager. Weltmeister Lando Norris und Superstar Max Verstappen haben die neuen Autos der Motorsport-Königsklasse nach der Zeitenjagd in Melbourne verbal regelrecht zerfetzt.
Besonders Norris, der das Qualifying zum Australien-GP im McLaren nur auf Rang sechs abschloss, ließ seinem Frust über die im Vergleich zu den vergangenen Jahren völlig veränderten Autos freien Lauf.
"Wir sind von den besten Autos in der Geschichte zu den vielleicht schlechtesten gekommen, was die Fahrbarkeit angeht", wetterte der Brite: "Wir müssen jetzt damit leben und das Beste daraus machen."
Besonders die neuen Motoren sind Norris ein Dorn im Auge. Die Aggregate haben mit denen der Vorsaison zwar noch den 1,6-Liter-V6-Turbomotor gemein. Aber das Verhältnis aus Verbrenner und Elektromotor hat sich dramatisch geändert. Künftig liefert die Batterie rund 50 Prozent der gesamten Leistung von annähernd 1000 PS.
"Ich könnte Stunden darüber sprechen", sagte Norris: "Jeder weiß, wo die Probleme liegen: Es ist die 50/50-Aufteilung, die funktioniert einfach nicht. Wenn 18 oder 20 Fahrer sich beschweren, dann weiß ich nicht, ob es besser für den Sport ist."
Formel 1: Batterie-Management geht Verstappen und Co. auf den Zeiger
Für die Fahrer spielt das Batterie-Management im Cockpit jetzt eine Hauptrolle. Sie müssen auf eine schnelle Runde stets darauf achten, die Batterie ausreichend zu laden, damit der Elektromotor seinen Teil der Leistung beitragen kann.
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Dies können sie erreichen, "vom Gas gehen oder runterschalten", um den Generator zu füttern und Energie einzusammeln, wie es Norris erläuterte. Auch das sogenannte "Super Clipping" ist ein Lade-Weg. Dabei schaltet sich die Software zu, aktiviert den Generator und bremst die Leistung des Verbrenners praktisch ein, obwohl der Fahrer voll auf dem Gas steht.
Die neue Motorenformel wurde mit Blick auf die großen Hersteller gewählt, die in der Formel 1 zukunftsträchtige Technologien präsentieren wollen.
Max Verstappen hatte die neue Formel 1 schon nach den Tests scharf kritisiert und von einer "Formel E auf Steroiden" gesprochen.
Nach dem Qualifying wiederholte er seine Kritik. "Ich habe definitiv überhaupt keinen Spaß mit diesen Autos", sagte er, "die Formel" für die Power Unit sei "einfach nicht korrekt. Das ist schwierig zu ändern, aber irgendwie müssen wir es tun." Verstappen war in der Zeitenjagd schon in Runde 1 abgeflogen.
Keine Misstöne waren von Mercedes-Pilot George Russell zu vernehmen. Kein Wunder: Er raste auf Pole Position.



