Kein anderer Rennfahrer in der Geschichte der Formel 1 hat so viele Grands Prix bestritten wie Fernando Alonso. Der zweimalige Weltmeister, der an diesem Wochenende in seine insgesamt 23. F1-Saison als Stammpilot starten wird, steht derzeit bei gigantischen 425 Starts in der Königsklasse des Motorsports. Alles begann vor 25 Jahren, für ein kleines Team aus dem Norden Italiens.
Die Namen hätten gar nicht größer sein können, mit denen sich der damals 19-Jährige in seiner Rookie-Saison messen durfte. So war ein gewisser Michael Schumacher nach seinem ersten WM-Titel mit Ferrari im Jahr 2000 gerade in seiner absoluten Hochphase angekommen, sollte mit den Roten noch viele Jahre eine ganze Ära prägen.
Mit Mika Häkkinen und Jacques Villeneuve fuhren noch weitere ehemalige Weltmeister mit. Kimi Räikkönen, Jenson Button und natürlich Fernando Alonso selbst sollten später noch Champions werden. Weitere Motorsport-Ikonen wie David Coulthard, Rubens Barrichello, Heinz-Harald Frentzen, Jean Alesi oder Giancarlo Fisichella waren in der Saison 2001 ebenfalls dabei.
Die Startaufstellung liest sich aus heutiger Zeit wie das Who is Who der vorletzten Generation, die die vielzitierten goldenen 2000er-Jahre prägen sollten.

Ohne Testfahrt ins erste Rennwochenende
Fernando Alonso selbst musste sich in seiner Rookie-Saison mit einem Platz in einem absoluten Außenseiter-Team begnügen. Schon der Start ins Jahr verlief für den klammen Minardi-Rennstall überhaupt nicht nach Plan. Aus Kostengründen konnte das Team aus Faenza an keinen Testfahrten teilnehmen.
Erst in Melbourne selbst, wo auch schon vor 25 Jahren der erste Grand Prix des Jahres ausgetragen wurde, konnte Fernando Alonso zum ersten Mal unter Wettkampfbedingungen in seinem Dienstwagen Platz nehmen.
Über die chaotischen Zustände vor seinem ersten Formel-1-Rennen berichtete Alonso Jahre später: "Das Team war zu einem gewissen Punkt einfach verschwunden, weil es bankrott war. Paul Stoddart (Minardi-Teamchef, Anm. d. Red.) ist im letzten Moment eingesprungen und hat das Auto nach Australien geflogen."
Auf den letzten Drücker konnte sich der Asturier dann überhaupt erst mit seinem Boliden vertraut machen. Zuvor kannte er den Albert Park in Melbourne laut eigener Aussage lediglich von der PlayStation. Den Controller tauschte er dann vor Ort gegen das ihm noch völlig unbekannte Formel-1-Lenkrad ein.
Auch hierauf angesprochen hatte Alonso die passende Anekdote aus seinem ersten Freien Training in Melbourne parat: "Weil die Ampeln rot waren, gab es schon eine Schlange am Ende der Gasse. Ich bin fast hinten rein gekracht, weil ich den Neutral-Knopf nicht gefunden habe."

"Das war wirklich alles andere als ein perfekter Start", ergänzte Alonso, der im Nachhinein über dieses denkwürdige Australien-Wochenende lachen kann.
Achtungserfolge im völlig unterlegenen Minardi
Trotz dieser widrigsten Bedingungen landete der spätere Weltmeister schon in seinem ersten Rennen einen großen Achtungserfolg. Während sein brasilianischer Teamkollege Tarso Marques schon nach drei Runden ausgefallen war, pilotierte Fernando Alonso den völlig unterlegenen Minardi als Zwölfter ins Ziel.
Obwohl ihm unter anderem mit einem elften Platz in Suzuka weitere große Achtungserfolge gelangen, war nach 2001 zunächst wieder Schluss als Stammfahrer in der Formel 1. Alonso wechselte zum Renault-Werksteam und dort zunächst als Ersatzfahrer von Jarno Trulli und Jenson Button ins zweite Glied.
2003 folgte der Aufstieg zum Stammfahrer bei dem Benetton-Nachfolgeteam unter Flavio Briatore. Alles was danach folgte, inklusive 32 Grand-Prix-Siege und zwei Weltmeisterschaften, wurde Motorsportgeschichte. Seinen völlig chaotischen Start in den Formel-1-Zirkus wird Fernando Alonso aber trotzdem niemals vergessen...


