Der Boxverband WBC hat angeordnet, dass Schwergewichts-Weltmeister Oleksandr Usyk den Titel nach seinem Duell mit Kickbox-Champion Rico Verhoeven in Ägypten gegen Deutschlands Boxstar Agit Kabayel verteidigen muss. Ein britischer Schwergewichtler glaubt aber nicht daran, dass es zu Usyk vs. Kabayel kommt - und sieht sich stattdessen selbst mit dem Deutschen im Ring.
Der britische Boxprofi Lawrence Okolie rechnet damit, dass Schwergewichts-König Oleksandr Usyk nach seinem Kampf an den Pyramiden von Gizeh gegen Kickbox-Legende Rico Verhoeven den WBC-Gürtel lieber abgibt, statt sich Pflichtherausforderer Agit Kabayel zu stellen. Das sagte Okolie bei "Sky Sports".
Usyk sei auf der Zielgeraden seiner einzigartigen Karriere nicht mehr auf sportliche Herausforderungen aus, sondern auf große Börsen wie eben bei dem Cash-Spektakel in Ägypten am 23. Mai.
"Wenn er daran (an sportlich interessanten Kämpfen, Anm.d.Red.) interessiert wäre, hätte er gegen Fabio Wardley geboxt, als die WBO das angeordnet hatte. Als Wardley dann zum WBO-Weltmeister erklärt wurde, hätte er einen Vereinigungskampf machen können, um zum dritten Mal unumstrittener Schwergewichts-Champion zu werden. Aber er hat sich dagegen entschieden", führte Okolie einen Beleg für seine These an.
Der 39-jährige Weltmeister sei an einem Punkt angelangt, "an dem er kein Interesse an harten Kämpfen gegen Leute hat, die ihm nicht das gleiche Geld einbringen, das er zuvor gemacht hat. Agit fällt genau in diese Kategorie."
Okolie erwartet, dass der WBC-Gürtel frei wird, und er als Nummer 1 der WBC-Rangliste gegen Interims-Champion Kabayel um den Titel kämpft.
Macht es Usyk bei Kabayel wie bei Wardley?
Usyk hatte im November schon den WBO-Titel niedergelegt, statt ihn gegen Interims-Champion Wardley zu verteidigen. Der Verband stufte den Engländer daraufhin zum vollwertigen Weltmeister hoch. Usyk hält nach wie vor die Titel von WBA, WBC und IBF.
Beim WBC ist Kabayel als Interims-Weltmeister nun in der gleichen Position wie 2025 Wardley. Der WBC hat Usyk eine freiwillige Titelverteidigung eingeräumt - den Kampf gegen Verhoeven -, bevor der Ukrainer gegen Kabayel ran muss. Okolie glaubt nicht, dass es dazu kommt. Vielmehr sei Usyk auf der Jagd nach großen Zahltagen.
"Usyk ist ein Mann, der immer und zu jeder Zeit gegen alle geboxt hat, der in die Hinterhöfe seiner Gegner gegangen ist. Damit hat er Karriere gemacht. Aber er hat jetzt das Saudi-Geld gekostet, er war die A-Seite im Wembley-Stadion", verwies Okolie vor allem auf Usyks große Kämpfe in Saudi-Arabien gegen Anthony Joshua (2022), Tyson Fury (zweimal 2024) sowie in England gegen Daniel Dubois (2025).
Sollte Usyk den WBC-Titel wirklich abgeben, müsste der Verband Interims-Champion Kabayel eigentlich zum vollwertigen Weltmeister erklären. Okolie wäre als Nummer 1 der Rangliste dann womöglich der erste Herausforderer des Deutschen.
Angesichts der oft undurchsichtigen Entscheidungen des WBC und dessen äußerst biegsamen Regeln ist auch nicht auszuschließen, dass die Funktionäre im Falle eines Usyk-Rückzugs den Titel für vakant erklären und Kabayel vs. Okolie anordnen.
