Die Formel 1 ist nach Aussage des früheren Haas-Teamchefs Günther Steiner wegen des Krieges im Nahen Osten nur knapp darum herum gekommen, den Saisonstart in Melbourne abzusagen.
"Wäre der Krieg früher ausgebrochen und das letzte Woche am Donnerstag oder Freitag passiert, wäre sicher etwas auf dem Weg nach Australien stecken geblieben", sagte Steiner im Interview mit RTL/ntv und sport.de und erläuterte die Logistik der Formel 1: "Die meiste Fracht wird mit Qatar Airways geliefert, die haben die größte Cargo-Flotte der Welt, starten in Europa und machen dann einen Zwischenstopp in Katar. Zu einem anderen Zeitpunkt wäre es möglich gewesen, dass alles in Katar steht und keine Autos nach Melbourne kommen."
Hintergrund: Die Autos und das wichtigste Material ist vor einem Übersee-Grand-Prix wie in Australien normalerweise rund zehn Tage vor Rennstart vor Ort. Im Schnitt werden rund 150 Tonnen Material verschifft oder per Flugzeug transportiert.
Das Personal nach Australien zu bekommen, sei für die Formel 1 kein Problem, so der frühere Teamchef und heutige RTL-Experte, der für den Sender in Melbourne ist. Durch den Krieg würden die Planungen zwar schwieriger. "Aber der Start der Saison steht überhaupt nicht infrage."
Auch die Rennen in Japan und China im März stünden nicht zur Disposition, sagte Steiner. "Es werden sicher schon Pläne geschmiedet, wie es weitergeht. Die Formel 1 ist gut darin, Möglichkeiten zu ergreifen, wenn es sie gibt. Die Logistiker sind sicher schon dran, neue Routen zu finden. Da muss man sich keine Sorgen machen."
Formel 1: Steiner setzt dickes Fragezeichen hinter Rennen am Golf
Für die Rennen in Bahrain (10. April) und Saudi-Arabien (17. April) gelte dies nicht. Sollte es bis dahin kein Ende der kriegerischen Aktionen zwischen Israel und den USA sowie Iran geben, "kann man da nicht fahren, glaube ich, und man sollte es auch nicht meiner Meinung nach. Es ist einfach zu gefährlich. Wenn es nicht zu 100 Prozent sicher ist, nimmt die Formel 1 keine Risiken in Kauf. Dann muss man halt eine Sportveranstaltung absagen. Man kann Leben nicht riskieren, nur weil wir gerne Rennautos sehen", betonte Steiner.
Solle die Königsklasse Ersatz-Strecken brauchen, sieht Steiner die Kurse in Istanbul (Türkei), Portimao (Portugal), Imola und Mugello (beide Italien) als mögliche Alternativen. Ob der Nürburgring oder Hockenheim infrage kämen, könne er nicht sagen, so der Südtiroler. "Die Gerüchteküche wird sicher bald starten."
Israel hatte am Samstagmorgen mit den USA einen "Präventivschlag" gegen die Islamische Republik begonnen und noch am ersten Kriegstag "Revolutionsführer" Ayatollah Ali Khameini mit einem Luftangriff getötet.
Das Mullah-Regime in Teheran reagiert seither mit Raketenangriffen auf Israel und die Golfstaaten. In mehreren arabischen Ländern ist der Luftraum gesperrt, sind Flughäfen geschlossen.


